Fleesensee – Ein Schloss wird bio

Fleesensee frontal
Wenn ich Schloss Fleesensee höre, erstehen vor meinem inneren Auge erst mal Bilder eines hochherrschaftlichen Gebäudes, und dann folgt das Thema Golf. Und das ist beides nicht verkehrt – Schloss Fleesensee, 1842 als Blücherschloss errichtet, ist nämlich ein sehr feines, luxuriöses Hotel in ebenjenem Schloss in Göhren-Lebbin, umringt von insgesamt 5 zum Schloss gehörenden Golfplätzen, bei denen wohl für jeden Golfspieler ein passender dabei ist.

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Nun kann ich mit Golf allerdings rein gar nichts anfangen, mit gutem Essen & Trinken dafür umso mehr, und vermutlich ahnt ihr schon, worauf ich hinaus will: ich war natürlich des Essens wegen im schönen Schlosshotel, und zwar auf Einladung der Betreibergesellschaft 12.18. Der „äußere“ Anlass war ein Event mit Johann Lafer (dazu gleich mehr) und einem aufstrebenden Star der Barkeeper-Szene, Paul Thompson, der 2017 hier in Fleesensee die Deutsche Cocktail Meisterschaft der DBU gewonnen hat.

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Paul stand dieses Mal Johann zur Seite und kreierte zwei begleitende Cocktails zu einem besonderen Menü im hoteleigenen Restaurant Blüchers by Lafer (und einige für uns in der schönen Bar 1842).

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Mehrmals im Jahr stellt Johann Lafer persönlich im Schlosshotel die neue Saisonkarte vor. Das zugehörige Dinner ist (natürlich) ein besonderes Event, für das man ein eigenes Package buchen kann.

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Aber, offen gestanden, auch wenn Johann Lafer ein sympathischer Typ ist und ausserdem natürlich ein Star- und Sternekoch – der Star ist hier nicht „der Johann“, jedenfalls nicht für mich. Der Star ist in der Küche ganz klar Georg Walther, der sich hier für das Jahr 2018 15 von 20 möglichen Hauben im Gault Millau erkocht hat, mit einer schnörkellosen, geradlinigen Küche, die regionale und saisonale Produkte großartig in Szene setzt.

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Überhaupt, um mal kurz vom Thema abzukommen: schnörkellos Dinge stilvoll in Szene setzen, das können sie hier in Fleesensee. Immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich vom Interior Design des Schlosses (aus der Hand von Olaf Kitzig) begeistert bin – die Fusion aus modernen Elementen und Beleuchtungskonzepten mit den alten, zum Teil denkmalgeschützten und historisch wiederhergestellten Elementen des Blücher-Schlosses ist ein absoluter Hingucker.

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Nichts wirkt protzig oder gar fehl am Platze – im Gegenteil: das Zusammenwachsen von alt und neu ist geradezu organisch. Und damit kriege ich dann doch noch (irgendwie) die Kurve zum eigentlichen Thema dieses Artikels: organisch.

Der zweite Star, wenn man so will, ist hier nämlich das Projekt ORGANIC. Bereits bevor das Schlosshotel Anfang 2017 offiziell nach der Neugestaltung wiedereröffnet wurde, begannen hinter den Kulissen weitreichende Maßnahmen, die dafür sorgen, dass Schloss Fleesensee einen nicht unerheblichen Teil der Lebensmittel, die in beiden Restaurants des Hotels eingesetzt werden, selbst erzeugt. Seit 2015 betreibt das Resort seine eigene (Bio-) Landwirtschaft, und mehr als 3.000 Quadratmeter Gemüsebeete säumen das 10. Grün des Schloss-Golfplatzes.

„Bio“ und „Golfplatz“ scheint geradezu ein klassischer Widerspruch in sich zu sein – aber Fleesensee ist angetreten, das Gegenteil zu beweisen. Allein 1500 Obstbäume säumen die Greens mit mehr als 40 verschiedenen oft alten regionalen Sorten, die Gärten erzeugen rund 4 Tonnen Gemüse im Jahr. Vor der Orangerie des Schlosses liegen weiträumige Kräuterhochbeete, aus denen sich die Küche beider Restaurants bedient. Seit einigen Jahren hat Fleesensee auch einen eigenen Jäger. Der sorgt zum einen dafür, dass die Wildschäden an den Plätzen gering bleiben, und zum anderen für Wild aus eigener Jagd auf dem Tisch – seit Beginn seines Einsatzes waren das rund 220 Tiere, meist Wildschweine und Rehe. Auf den Wiesen und Weiden zieht das Schloss eigene Rinder, die in einer speziellen Schlachtanlage direkt auf den Weiden geschlachtet werden, um den Stress für die Tiere so gering wie möglich zu halten (und für eine besonders hohe Fleischqualität zu sorgen).

Ein 1200 Quadratmeter großes Gewächshaus rundet die lokale Produktion ab. Und dann sind da noch die Araucana-Hühner – eine alte südamerikanische Hühnerasse, die grünliche Eier legt. Die Hühner grasen vor einem der Golfplätze frei auf der Wiese in einem für sie eigens entworfenen mobilen Stall, und liefern köstliche Eier für die Hotelküche.


Was das Schloss nicht selbst erzeugen kann, stammt (soweit möglich) aus bester regionaler / norddeutscher Produktion – unter anderem diese wunderbaren Garnelen von Cara Royal in Grevesmühlen.

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Dass (ausgerechnet) ein Luxus-Golfhotel zu einer Biolandwirtschaft in solchen Ausmaßen anwächst, finde ich ebenso überraschend wie großartig. Und damit bin ich nicht allein.

Die starke Fokussierung auf Regionalität, Qualität und Nachhaltigkeit war es, die letztlich Johann Lafer nach Fleesensee brachte, weil ihn das Konzept und Projekt ORGANIC reizten und überzeugten.

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Natürlich ist Lafer hier nicht der Küchenchef, sondern nur in beratender Funktion tätig – und entdeckt selbst auch neue Produkte der Region, die er dann auf der Stromburg einsetzt. Georg Walther gibt zu, dass es ihn anfangs irritiert hat, sich von Lafer in seine Küche reinreden lassen zu müssen, schließlich ist er ein gestandener Koch und derjenige, dessen tägliche Leistung mit seinem Team das Blüchers zu einem der besten Newcomer in Mecklenburg-Vorpommern hat erwachsen lassen. Gemeinsam mit Johann und seinem Team gibt er uns ein paar Kostproben seines Könnens.

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Auch Paul darf nochmal ran, und mixt einen dieses Mal alkoholfreien Drink als Begleitung zu den Gerichten.

Viel zu schnell geht ein kurzer Stopp vorbei in einem Hotel, das (natürlich) neben unaufdringlichem Luxus und Golfplätzen auch noch ein entspanntes Spa und eine Menge anderer Aktivitäten aufbieten kann. Und ich bin sicher, das Schloss wird mich wiedersehen – schon des fantastischen Essens wegen.

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Vielen Dank für die nette Einladung an das Schloss Fleesensee, die Betreibergesellschaft 12.18, an Georg Walther mit seinem Team für das wunderbare Mahl und das beste glutenfreie Brot meines Lebens, natürlich an Johann Lafer (u.a. für Einblicke in die Schwierigkeiten des Recruiting in der Gastronomie), an Paul Thompson für großartige Drinks und einen lustigen Cocktailabend, und an Marcello Wehrenberg und vor allem Larissa Lauth für spannende, informative Gespräche und viel Spaß. Es war mir ein Fest, und wahnsinnig interessant!

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