Slow Food Genussführer Deutschland 2014

Slow Food Genussführer Deutschland 2014

Manchmal, wenn ich so mit dem Liebsten unterwegs bin und auf die Karten der gastronomischen Betriebe schaue (ich weigere mich bisweilen, diese als Restaurants zu bezeichnen), komme ich nicht umhin, mich zu fragen, wie viele davon wohl ihr SchniPoSa-Programm nur frittieren – aufwärmen – mit Fertigsaucen übergießen. Zu viele, wie wir immer wieder feststellen müssen.

Die Wahl eines annehmbaren Restaurants (und das muss keineswegs immer Sterneküche sein) ist, gerade ausserhalb der eigenen comfort zone, entweder ein Glücksspiel, oder man hat liebe Freunde die man nach Tipps fragen kann, oder man liest gefühlt tagelang Restaurant-Reviews, aber selbst die helfen ja nicht immer weiter.

Deswegen fand ich es sehr freundlich von oekom-Verlag, dass sie mir ein Exemplar des Slow Food Genussführers Deutschland 2014 zum Rezensieren überlassen haben.

Auf dem Cover steht:

300 Gasthäuser getestet und empfohlen von SlowFood® Deutschland

Wenn man die (sehr unterschiedlich gepflegten) Websites der deutschen Slowfood-Convivien kennt, fällt sehr schnell auf, dass das hier im Prinzip die gesammelte Printausgabe der Tipps von Slowfood Deutschland ist. Deswegen muss man sich klarmachen, dass wo Slow Food draufsteht, auch (nur) Slow Food drin ist. Will heissen: Anbieter, die nicht Mitglieder bei Slow Food sind, tauchen hier nicht auf, auch wenn sie sich ansonsten identischen Prinzipien verschreiben. Das ist nicht falsch, aber doch schade, und man sollte es im Hinterkopf behalten.

Jedes einzelne Gasthaus – die Auswahl reicht vom einfachen Odenwaldgasthaus mit Äppler und Kochkäse bis zu „feinen“ Adressen wie dem Restaurant Nil in Hamburg – wird mit Lage, einer Beschreibung der Räumlichkeiten und einer Auswahl der angebotenen Spezialitäten vorgestellt. Wünschenswerte Informationen von Barrierefreiheit über Preisniveau, Zahlungsarten bis zu Öffnungszeiten und Kontakt wie Internetpräsenz sind übersichtlich in einem Kasten vorangestellt.

Das Buch ist nach Bundesländern unterteilt, mit einfachen Übersichtskarten, die die ungefähre Position der aufgeführten Betriebe zeigen. Die Adressen innerhalb der Kapitel sind dann alphabetisch nach Ortsnamen sortiert, ausserdem gibt es am Ende einen alphabetischen Ortsindex.

Leider merkt man der Auswahl an, dass zum einen bestimmte Convivien sehr aktiv sind und andere nicht, zum anderen ein gewisses Süd-Nord-Gefälle zu bestehen scheint – so ist der (mir gut bekannte) Bereich Odenwald zum Beispiel sehr gut vertreten, in Norddeutschland dagegen dünnt das Ganze sichtlich aus, und am Bodensee findet sich fast gar nichts in dem Buch, das überraschte uns dann doch.

Die vorgestellten Restaurants haben sich handwerklich gemachten, lokalen und saisonalen Zutaten und Gerichten verschrieben und verzichten auf Fertigprodukte. Das eine oder andere haben wir schon getestet, und waren zufrieden. Genau so etwas suche ich, wenn ich unterwegs bin, und so wird dieser handliche Genuss-Guide im feucht abwischbaren Softcover auch einen Stammplatz in unserem Auto haben im kommenden Jahr.

Für die nächste Ausgabe wünsche ich mir – neben mehr Restaurants auch in weniger dicht ver-slowfood-eten Regionen – ein zweites Lesebändchen, mit dem sich dann mehr als eine Option markieren lässt. Das sollte bei dem Preis von 19,95 Euro eigentlich drin sein. (Oder ein Schnecken-Lesezeichen als Add-on in einem schönen Bundle vielleicht?)

Als Foodie kann ich nur sagen: nützlich, empfehlenswert – und vielleicht auch eine schöne Last-Minute-Idee für ein Weihnachtsgeschenk.

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