Offener Brief an gofeminin

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Liebes gofeminin-Team,

mich und eine Reihe anderer Foodblogger erreichte gestern eine Anfrage aus Ihrem Hause, die mich sehr verwundert zurück gelassen hat.

Und das nicht nur, weil ich dort in einer entzückenden Massenmail nicht mal mit Nachnamen, sondern als „Liebes foodfreak.de-Team“ angesprochen wurde (ernsthaft, mein realer echter Tauf- und Geburtsname ist ganz einfach auf meiner Website zu finden, genau da wo auch die Mailadresse steht, und ich vermute mal soviel Personalisierung kriegt ein professionelles Mailtool noch hin).

Auch nicht, weil unter der Mail eines Portals, das mit dem Slogan „Die Zukunft ist weiblich“ wirbt (auch im Footer ebendieser Mail), ein Mann unterzeichnet, wenn ich mich auch frage, wieso auf einem Portal für Frauen keine Frau unterschreibt.

Verwundert bin ich über die leichtfüßige Dreistigkeit, mit der Sie da serienweise Foodblogger anschreiben, vorgeblich um unsere Blogs in einem Artikel auf Ihrem Portal vorzustellen.

Dagegen wäre gar nichts zu sagen, aber die „Vorstellung auf Ihrer Website“ ist daran gebunden, dass ich Ihnen ein Mailinterview gebe, die Kurzvorstellung selbst texte, mir den Text den ich auf meinem eigenen Blog veröffentliche (oder für Sie schreibe?) von Ihren Redakteuren gnädigerweise genehmigen und ohne mein Zutun überarbeiten lassen soll, und dann, sofern ich so großzügig bin gleich zweimal, einmal generisch und einmal per Deeplink auf Sie zu verlinken, Sie mir vielleicht dafür auch einen Backlink in dieser so genannten Blogvorstellung setzen.

Das war jetzt als Witz gemeint, oder? Anders kann ich mir das wirklich nicht erklären.

Aber vielleicht habe ich nur missverstanden dass Sie mir genehmigen wollen was ich in meinem Blog schreiben darf – sollte ich die Kurzvorstellung für Ihre Seite schreiben sollen, erwarte ich allerdings ein ortsübliches Texterhonorar. Eine kostenfreie Bereitstellung eines Bildes meines „Lieblingsrezeptes“, das Sie veröffentlichen möchten, muss ich ablehnen – gern können wir über ein einmaliges und beschränktes Nutzungsrecht eines Bildes zu entsprechendem Preis reden. Oder das Ganze ist eine SEO-Maßnahme, die, mit Verlaub, nach hinten losgegangen ist.

Ich freue mich, wenn Sie einen Artikel über die lebendige deutsche Foodblogszene bringen möchten – es gibt viel zu entdecken. Es steht Ihnen frei, dabei auf mein Blog zu verlinken, sogar vollkommen kostenfrei. (Im übrigen bevorzugen die meisten Blogger nach wie vor die Bezeichnung „das“ und nicht „der“ Blog, von „das Weblog“).

Den Großteil der von Ihnen per Mail übermittelten Fragen könnten Sie (sich) ganz einfach selbst beantworten, oder diese Tätigkeit einen Praktikanten ausführen lassen, indem Sie sich die Blogs die Sie „vorstellen“ möchten auch tatsächlich einmal ansehen. Das nennt sich Recherche und ist ein altbewährtes journalistisches Arbeitsmittel – probieren Sie’s mal aus, das tut nicht weh. Auch wir Blogger haben nämlich was anderes vor, als unsere Freizeit damit zuzubringen Ihnen umsonst Inhalte zu liefern. Wir schreiben lieber Content für unsere eigenen Webseiten.

Und wenn Sie es eines schönen Tages hinbekommen, Interviewpartner mit Namen anzuschreiben, bekommen Sie vielleicht auch eine Antwort auf die anderen Fragen. Sogar von Foodbloggern.
Ein persönlicher Ansprechpartner statt ein abstrakter Verweis auf „unsere Redaktion“ wirkt in solchen Fällen im übrigen Wunder.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr „foodfreak.de-Team“

 
(Bild: Liz West on Flickr, Lizenz: CC-BY-2.0)

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