Heinz G. Günther – Clever Küchen kaufen

Der eine oder die andere hat es auf Twitter oder in Gesprächen schon mitbekommen – nach 17 Jahren IKEA-Küche steht für das Jahr 2012 im Hause Foodfreak eine Küchenrenovierung an. Genauer, ein Küchenneubau (mit allerlei Haken und Ösen). (Update: es wurde dann aus technischen Gründen 2013).

Nun will man an so eine Sache ja nicht blauäugig heran gehen – eine neue Einbauküchenzeile für einen Foodie und Tech-Geek wird naturgemäss kein ganz preiswertes Unterfangen, und soll mindestens genauso lang halten wie die alte Küche. Ein paar Erfahrungen aus dem laufenden Betrieb fliessen in die neue Küche ein, und auch Dinge, die damals aus Budgetgründen schlicht nicht drin waren.

Also warf ich (neben Quellen wie Chefkoch und dem Küchenforum) Google an, und landete auf der Website Clever Küchen kaufen, von Heinz G. Günther. Heinz G. Günther hat jahrelang selbst Küchen verkauft, und kennt daher alle Tricks der Verkäufer, und weiss, worauf es zu achten gilt, will man eine Küche professionell planen, und dabei noch Geld sparen.

Sein Buch, Clever Küchen kaufen: Perfekt planen, Qualität erkennen und vergleichen, den günstigsten Preis herausholen, ist Ende 2011 in der mittlerweile 6. überarbeiteten Auflage neu erschienen.

Heinz G. Günther: Clever Küchen kaufen

kuechenk

Tatsächlich befasst sich ein Großteil des Buches mit der Planung der Küche, den verwendeten Werkstoffen, einzelnen Elementen, Geräten, Ergonomie, sowie einer Beispielsplanung, Tipps worauf man bei der Auswahl von Beschlägen, Schrankmodellen, Griffen usw. achten soll, wie gute Auszüge zu funktionieren haben, etc. pp. Das ist alles durchaus informativ, allerdings auch sehr ermüdend zu lesen. Das, was er da abliefert, ist im Grunde das was ich an Fachwissen bei meinem Küchenplaner voraussetze, und es schadet nicht, sich einiges davon zu vergegenwärtigen. Wirklich interessant ist es allerdings nicht, ausser man hat noch nie darüber nachgedacht, was man in einer Küche möglicherweise brauchen könnte und warum. Ich zumindest mag mir nicht seitenweise Unterschrankbeschreibungen durchlesen, und ein Großteil der Details ist eigentlich nur wichtig, wenn man seine Küche auch selbst aufbauen will.

Das Planungsbeispiel ist dann eine Küche mit riesig viel Platz, was mir nicht wirklich hilft. Tipps, wie man auch in problematischen (engen) Umgebungen möglichst viel Funktion auf möglichst wenig Raum unterbringt, was es noch für Optionen geben könnte, Insiderkniffe sucht man vergebens – da braucht man dann doch wieder den Profi.

Es folgt der Teil über den Handel. Viele der Tipps zu Küchenplanung und -kauf kann man vereinfacht auch auf der Website finden. Interessant sind hier insbesondere die Ausführungen zur Vertragsgestaltung; der auf mich etwas antiquiert wirkende Schreibstil spricht mich aber ebensowenig an wie die unterschwellige Unterstellung, Küchenhändler seien alle nur üble Abzocker, die stets darauf aus seien einem den letzten Cent aus der Tasche zu ziehen und dafür unlautere Methoden benutzen.

Ich mag mich täuschen, aber das Ziel eines Küchenhauses ist es, Gewinn zu machen. Dass das dem eignen Ziel, möglichst einen guten Preis für Ware und Dienstleistung zu erzielen, entgegenläuft versteht sich von selbst. Dass man in der Lage sein muss zu handeln, zu pokern, mehr als ein Angebot haben sollte, sich nicht auf kuriose Rabatte und Rattenfängerangebote einlassen sollte, dürfte jedem halbwegs erwachsenen Verbraucher auch klar sein, dass man die Arbeit der Handwerker auf Mängel untersucht und diese ggf. mit schriftlicher Fristsetzung nachbessern lässt, ist für mich ebenso glasklar – und wem das nicht klar ist, der kauft wahrscheinlich ohnehin die Fertigküche im Möbelhaus.

Es kann aber auch sein, dass das Buch einfach nicht für meine Generation geschrieben wurde; ich habe meine erste eigene Küche vor 17 Jahren geplant, ganz ohne Profis, mit Papier, Zeichenstift und Maßband, und ich habe das Internet zur Hand um mich über all die anderen Details schlau zu machen die mich interessieren. Und, oh Schreck: ich gehe zu einem Küchenplaner meines Vertrauens um den gezielt zu Dingen zu befragen, das funktioniert ganz prima. Liest man dagegen Günther, könnte man den Eindruck gewinnen, der Küchenplaner ist mein Feind.

Summa summarum, für das Kapitel über mögliche juristische Fußangeln und Vertragsgestaltung lohnt es sich, ggf. das Buch zu kaufen. Wer das preisbewusst tun will, nimmt die Ausgabe von 2009, die 15,98 kostet gegenüber 19,98 für das Update von 2011 – so viel wird sich in der Zeit, ausser Geräteklassen bei Elektro-Geräten, nicht verändert haben. Oder man leiht sich das Buch, wie ich, in einer öffentlichen Bibliothek, die solche Ratgeber auch zur Hand haben.

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