Weißdorn trifft Hoisin

Dieser Artikel wurde zuletzt am 22. Juni 2014 aktualisiert

Zu den Projekten, die 2011 eher unfreiwillig hinten runter fielen, gehörte auch, mehr mit Wildfrüchten zu machen. Als mir beim Sonntagsspaziergang an der Ostsee geradezu kilometerweise Weißdornbüsche mit prallen roten Früchten in der Sonne entgegenleuchteten, nahm ich das als Wink des Schicksals, gugelte kurz auf dem Smartphone nach Hugh Fearnley-Whittingstalls Rezept für „haw-sin sauce“, und griff nach dem stets bereiten Jutebeutelchen. (Diese schöne Zeichnung einer Weißdornpflanze ist übrigens in der Public Domain und gehört zum Bildbestand der WikimediaCommons).

Weißdorn, habe ich beim Blick in die Wikipedia noch gelernt, ist in Ost-Schleswig-Holstein gemein (das heißt in über 90 % aller Kartierflächen vorhanden). Das kann ich nur bestätigen. in Großenbrode könnte man ein ganzes Weißdornimperium aufmachen…

Irgendwie wäre es doch schade all diese tollen Früchte *nicht* zu nutzen, oder? 🙂 Dabei habe ich schon früher mit Weißdorn gearbeitet, sogar Mark und Konfitüre damit gemacht – wie bei so vielen Wildfrüchten mit Kernchen ist das Durchpassieren das, was wirklich Mühe macht.

Aber ob man Hoisin-Sauce aus Weißdornbeeren herstellen kann? Immerhin besteht sie unter anderem aus Soja.

Die folgenden Mengenangaben beruhen auf Fearnley-Whittingstalls Rezept für Haw-Sin-Sauce aus River Cottage Autumn, die Gewürze sind meine Zugabe.
Haw-sin-Sauce

Haw-Sin-Sauce

adaptiert nach einem Rezept aus River Cottage Autumn
500 g Weißdornbeeren
250 ml Bio-Apfelessig
250 ml Wasser
7 Pimentkörner
1/2 Sternanis
250 g Rohrohrzucker
Salz, schwarzer Pfeffer

Die Beeren abstribbeln und waschen (bei mir waren noch Stielchen dazwischen). Mit Essig, Gewürzen und Wasser in einem Topf zum Kochen bringen und 30-45 Minuten kochen lassen. Die Masse etwas abkühlen lassen, durch ein Sieb in einen sauberen Topf streichen. Das Fruchtmus mit dem Zucker zum Kochen bringen, unter Rühren etwa 5 Minuten köcheln bis die Masse eindickt. Kräftig mit Salz und Pfeffer würzen.

Ich habe die Sauce komplett abkühlen lassen und am Tag drauf zum Abfüllen nochmal erwärmt. Die Konsistenz erinnert tatsächlich an Hoisinsauce, und auch der Geschmack geht in diese Richtung, ist aber (natürlich) sehr viel fruchtiger. Ich kann mir gut vorstellen, diese Sauce für Gerichte mit Hoisin einzusetzen, oder auch zu Wild. Die Gewürzzugabe hat sich als klug erwiesen – eventuell würde ich auch noch etwas pulverisierten Knoblauch hinzugeben, um dem Original näher zu kommen. Der volle Geschmack entwickelt sich aber erst nach einem Tag richtig, noch frisch schmeckte das Ganze vor allem nach Beerensauce.

Am Ende habe ich ein Schnappbügelglas mit ca. 350 ml Inhalt damit gefüllt. Nicht eben viel für den Aufwand, aber lecker. Wie hier vorgeschlagen kann ich sie mir auch gut als Dipp zu knuspriger Ente vorstellen.

Wenn sich das Sößchen bewährt, wird es nächstes Jahr – dann mit Knoblauch und evtl. auch einem Hauch Chili – neu aufgelegt.

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

6 Antworten

  1. daniela sagt:

    Wenn ich jetzt irgendwo Weißdornbeeren auftreiben könnte, würd ich die Sauce am Wochenende sofort nachmachen. Klingt richtig spannend.

  2. Ich mag Weissdorn.. die weissen Blümchen sind so schön! Man sagt dass der Merlin (der Magier) unter einem Weissdorn begraben liegt… naja..
    aber wo findet man so Beeren?! das Rezept klingt sehr lecker..!! Bei uns wachsen die nicht einfach so an jeder Ecke 😉

  3. Birgit sagt:

    Dieses Rezept ist genau etwas für mich. Mit dem Weissdorn wusste ich bis jetzt noch nicht so recht was anfangen. Werden dem nicht auch herzstärkende Eigenschaften nachgesagt? Den Aufwand darf man bei Wildfrüchten eh nie rechnen. Werde das Rezept auf jeden Fall nachkochen.

  4. also kriegt man die nicht einfach im Laden…

    • FoodFreak sagt:

      das würde mich sehr wundern – es sind eben Wildfrüchte. Weissdornbüsche sind in Norddeutschland sehr häufig, es gibt aber auch Unmengen verschiedene Arten und ich vermute, dass es auch in CH durchaus wilden Weissdorn gibt.

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