Hiltl – Vegetarisch nach Lust und Laune

1998, wenn meine Quellen nicht täuschen, erschien Vegetarisch nach Lust und Laune bereits in der 10. Auflage; das mir vorliegende (gebundene) Buch ist die 12., aktualisierte Auflage von 2008, erschienen Anfang 2009.

hiltl

Vegetarisch nach Lust und Laune

Vegetarisches Essen ist seit den Hippiezeiten angesagt und gewinnt gerade dank Tiere Essen von Jonathan Safran Foer neue Freunde. Ein guter Grund also, mir das Buch eines hoch gelobten Schweizer Gourmettempels für Vegetarier auszuleihen – denn den Preis von fast 40 Euro war mir das Buch auch nach erster Durchsicht bei einem Besuch im Tibits, dem Self-Service-Ableger von Hiltl in Zürich, nicht wert.

Das Buch hat rund 190 Seiten, ist als Hardcover gefertigt, mit großformatigen Rezeptabbildungen und nicht minder großzügig gedruckten Rezepten, was mir angesichts der oft sehr simplen Zubereitungen ein wenig wie Papiervergeudung vorkommt.

Neben den Rezeptkapiteln liefert das Werk noch eine ganz interessante Historie des Hauses Hiltl, und ein wenig Lob von Gästen des Restaurants, plus eine Preisung der gesundheitlichen Segnungen des Vegetarismus, die nach heutigem Wissensstand nicht so haltbar wäre, aber in ein weltanschaulich geprägtes Buch wohl einfach hinein gehört. Für mich hätte das nun nicht sein müssen; warum jemand vegetarisch isst, wird dieser schon selbst wissen, auch ohne moralische Munition oder Bekehrungsversuche.

Die Rezeptkapitel sind unterteilt in (Zahl der Rezepte in Klammern)

  • Suppen (4)
  • Salate (12)
  • Gemüse/Pasta (16)
  • Getreide/Pilze (6)
  • Tofu & Co. (6)
  • Indisch (19)
  • Arabisch (3 bzw. 4)
  • Saucen/Chutneys (10)
  • Desserts (4)
  • Drinks (8)

Wie unschwer zu erkennen, wird hier vor allem kräftig bei der indischen Küche abgeschaut – im Kapitel Saucen/Chutneys sind es nochmal 4 indische Rezepte.

Im großen und ganzen finde ich die Rezepte aus der Sicht von jemandem, der seit vielen Jahren indisch und asiatisch und vegetarisch kocht, ziemlich langweilig. Nicht nur dass die Tofu-Rezepte für mich per se uninteressant wären (ich wüsste auch nicht warum ich Zürcher Geschnetzeltes mit Seitan machen sollte, selbst wenn ich noch Vegetarier wäre), die meisten Gerichte sind zumindest aus dem Blickwinkel 2011 ein wenig altbacken. Braucht es wirklich noch ein Rezept für Ratatouille oder ein banales Gerstenrisotto? Spaghetti mit Bärlauchpesto, nein wirklich? Möhrensalat, Apfel-Fenchel-Salat, Steinpilzragout, Karotten- oder Gurkensuppe, ein Rezept für Mayonnaise und eins für Tahina, eine Batterie bunte Saftmischungen aus dem Entsafter, nicht besonders grandiose Brownies (in Zürich verkostet) – ich will damit nicht sagen dass die Rezepte unbedingt schlecht seien, nur haben sie ein bisschen den Muff der 90er Jahre an sich kleben und sind – soweit ich das beurteilen kann – auch nicht sonderlich fein, genial oder inspiriert.

Beispielhaft sei dafür die Chicoree-Piccata genannt die ich ausprobiert habe. Das ist nicht wirklich schlecht, aber es hat das Flair von vegetarischem Mensa-Menu Anfang der 90er – Sterneküche ist das mitnichten.

Vielleicht erwarte ich auch zu viel; vielleicht richtet sich das Buch einfach an den Anfänger in vegetarischem Kochen, dem es einfache, nachvollziehbare Gerichte an die Hand geben will? Da würde ich dieser Tage eher zu einem Buch wie Vegetarisch genießen von GU greifen.

Summa summarum: von dem Kochbuch eines der vegetarischen Gourmet-Tempel Europas hätte ich mehr erwartet; kaufen würde ich es mit Sicherheit nicht. Das deckt sich allerdings recht gut mit meinen Wahrnehmungen im Tibits, auch dort fand ich das Essen durchaus okay, aber eben nicht aussergewöhnlich gut – da habe ich durchaus schon Besseres und Interessanteres und inspirierter gemachte Vegetarierküche auf dem Teller gehabt.

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