Projekt Tassimo – Fazit

Am 20.12. ging das Tassimo Testprojekt mit 1.000 Testern zu Ende. Ins Leben gerufen hat das Projekt Jacobs Kaffee / Kraft Foods mit der Website Jacobs Krönung Vielfalt (im Jahr 2015 nicht mehr existent), die auch der Projektbegleitung (umgesetzt durch eine Agentur) diente.

Nachdem ich alle Sorten, die zum Test gehörten, plus eine zusätzliche verkostet habe, hier meine abschließende Beurteilung.

1. Die Hardware

Wie hier beschrieben, gab es als Testgerät eine Bosch TAS4011 Tassimo in ’silber‘.

In der Wikipedia findet man dazu folgendes:

Die Tassimo-Maschinen wurden von 2005 bis 2008 von Saeco in Rumänien hergestellt und von Braun vertrieben. Braun hat 2008 den Vertrieb von Tassimo-Maschinen eingestellt, da die neue Mutterfirma Procter & Gamble ebenfalls im Kaffeemarkt aktiv ist. Seit 2008 stellt die BSH Bosch und Siemens Hausgeräte in seiner Fabrik in Slowenien ein Modell einer Tassimo-Maschine (T 40 Basis) in vier Farben her und vertreibt diese unter dem Markennamen Bosch.

Die zweite Generation (Geräte von Bosch) unterscheiden sich von der ersten Generation (Geräte von Braun) neben vielen Detailverbesserungen insbesondere in zwei Punkten: Zum Einen kommt ein neuer patentierter Durchlauferhitzer zum Einsatz, für ein rascheres und energiesparenderes Erhitzen des Wassers, und zum Anderen reinigt sich die zweite Generation selber mit dem Dampf statt Luft.

Die Tassimo-Maschine ist solide verarbeitet, der Wassertank ist gut zu handhaben und durchdacht gemacht, das Design ist ansehnlich. Weniger gut gelöst ist die Anbringung des Deckels beim Wassertank, er fällt auch schon mal gern in den Tank.

Bereits bei geringem Gebrauch verschmutzt die Ablagefläche für die T-Discs relativ schnell – ein dünner Film Kaffeepulver scheint sich über alles zu legen, und die Gebrauchsanleitung mahnt dann auch, die Lesefläche für den Barcode-Scanner der T-Discs sauber zu halten. Der ’selbstreinigende‘ Auslauf des Kaffees verschmutzt ebenfalls recht gut; von Selbstreinigung kann da nur bedingt eine Rede sein. Ab und zu sollte man dem Gerät einen Spülgang mit der gelben Silikon-Reinigungs-Disc (beim Gerät dabei) geben.

Entkalken musste ich die Maschine, da kaum benutzt, nicht.

Das Benutzen, vor allem das Verriegeln des Schachts für die T-Disc, braucht erst etwas Überwindung, ist danach aber problemlos und relativ selbsterklärend.

Unter’m Strich: Das Maschinchen will regelmässig mit dem feuchten Lappen sauber gehalten werden; über die Langzeit-Haltbarkeit habe ich keine Daten, die Technik macht aber einen soliden Eindruck.

2. Der Kaffee

Für die Tassimo gibt es allerlei Kaffee-Getränke; eine Übersicht findet man auf dem Hausportal www.tassimo.de. Im Wesentlichen sind das Kaffees aus dem Hause Jacobs / Tassimo, Kaffeegetränke mit Milch, Kaffee Hag, Tees von Twinings und Kakao von Milka und Suchard.

Ich habe keine der Kakao-T-Discs verkostet – ich wollte nicht extra Geld ausgeben für diesen Test, und spätestens der Blick auf die Zutatenliste des Milka-Kakaos (Zitat einer Freundin „der schmeckt toll schokoladig“) hätte mich ohnehin davon abgehalten:

Milchkomposition: Ultrafiltriertes, fettarmes Milchkonzentrat (70 %), Wasser, Zucker (4,5%), Salz, Säureregulator (E331), Aromen, Kakaospezialität: Invertzuckersirup, fettarmer Kakao (13 %), Wasser, pflanzliches Öl, Milchzucker, Vollmilchpulver (2,5 %), Süßmolkenpulver, Säureregulatoren (Kaliumchlorid, Natriumcitrat), Salz, Aromen, Emulgator (Soja-Lecithin), Süßstoffe: Acesulfam-K und Sucralose.

Das muss ich glaube ich nicht mehr kommentieren.

Ebenso ausgelassen habe ich die 4 erhältlichen Sorten Twinings Tee, der ‚Vorteil‘ für eine Tasse industriellen Tee fast 40 Cent zu bezahlen erschliesst sich mir nicht.

Verkostet habe ich:

Jacobs Krönung – schauderlich
Jacobs Krönung Verwöhnkanne – ebenso schauderlich
Jacobs Caffe Crema XL – ungenießbar
Jacobs Latte Macchiato – ekelhaft
Starbucks House Blend Medium – eben so trinkbar

Daneben gibt es noch Aromatisiertes wie Tiramisu-Getränk oder Caramel Macchiato.

Unter’m Strich: die Getränkeauswahl ist ein ganz klarer Grund gegen Tassimo. Nicht nur dass die Getränke überteuert sind und die Milchmischungen höchst zweifelhafte Zutaten haben, das Ganze schmeckt mir schlicht und einfach nicht – damit hat Tassimo bei mir verloren.

3. Das Projekt

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Ausgelobt hatte den Jacobs Krönung Vielfalt Test Jacobs im Verein mit einer Web 2.0-Agentur. Insgesamt wurden 1.000 Kandidaten für die Testaktion gesucht, für welche man sich bewerben musste – mit voller Angabe der eignen Web 2.0-Aktivitäten. Beworben habe ich mich, weil wir auf datenhamster.org (zu selten) über Kaffee bloggen, und ich ein Foodie bin; angegeben hatte ich auch, dass ich Erfahrungen mit Cafetière, Vollautomat, Siebträgermaschine, Filterkaffeemaschine und Nespresso habe. Ich hatte nicht erwartet darauf hin angenommen zu werden, aber es war so.

Überrascht hat mich dann das Handling. In den drei Wochen Projektdauer gab es keine gezielten Umfragen zu den Produkten, es gab eigentlich überhaupt keine gezielten Test-Aktionen. Bei Portalen wie den Konsumgöttinnen kommen immerhin noch ein paar Multiple-Choice Tests zum Tragen; wenn ich in so eine Aktion viel Geld investieren würde, würde ich nicht bloss auf den Marketing-Rollout im Web hoffen, sondern auch gezielt hinhören, und schauen wo ich etwas besser machen kann.

Statt dessen gab es auch keine richtige Begleitung im Projekt. Eine sinnvolle FAQ fehlte ebenso wie eine nachvollziehbare Infrastruktur für sachliche Fragen und zielführende Antworten zu diesen. Ein Team von Projektbegleitern hat ein paar Artikel im Begleitblog los getreten und ab und zu auch mal auf Kommentare dort geantwortet. Diese Kommentare waren die einzige Partizipationsmöglichkeit für die Teilnehmenden. Ich hatte den Eindruck, dass die individuellen Aussagen im lauten Rauschen untergingen (und das auch so gedacht war?).

Das laute Rauschen war vor allem organisiertes Fandom. Backt Eure tollsten Plätzchen und stellt uns Eure Drinkkreationen mit dem Tassimo-Getränken vor. Macht super Fotos und Videos für die Community. Erzählt Euren Freunden und der Familie wie toll Ihr das alles findet.

Ein Produkttest ist was andres. Ich vermute, für Jacobs hat sich die Aktion dennoch gelohnt – das Gros der ausgewählten Teilnehmerinnen (hauptsächlich Frauen) scheint voll Begeisterung auf das Produkt Tassimo abzufahren und sich und seine Umgebung damit zu infizieren. Als virales Marketing, wenn auch nicht ganz billig, war die Aktion für den Hersteller vermutlich ein Erfolg. Als Produkttest oder auch nur ernsthafte Kundenkommunikation war es aus meiner Sicht ein voller Fehlschlag, weil die Aktion a priori dafür gar nicht ausgelegt war.

Fazit

Auch die solide Hardware kann über den Geschmack der Tassimo-Kaffees nicht hinwegtrösten – überteuerter Müllwahnsinn, der auch noch scheusslich schmeckt, das ist kein Grund so eine Maschine oder gar Jacobs Kaffees zu kaufen. Die Begleitung im WWW und die Kommunikation mit den „Testern“ liess sehr viel zu wünschen übrig; aus meiner Sicht hätte man das Projekt wie die Kaffees sehr viel besser machen können – so gibt es von mir leider für Kaffee und Projekt den Daumen nach unten.

Chez Foodfreak wird der Kaffee auch weiterhin aus der Press-Stempel-Kanne und dem Siebträger kommen.

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