Joghurt-Test, die zweite: Kirschjoghurt Death-Match

Neue Joghurts solo testen ist eine Sache. Ich wollte aber wissen, wie sich das neue Produkt im Vergleich schlägt – ist der Danone Fantasia nun besser, oder schlechter als seine Markenkollegen, oder tut sich das alles nix? Deswegen habe ich im Supermarkt nach drei weiteren Marken-Kirschjoghurts im selben Preissegment geangelt.


Es treten an:

Landliebe Joghurt auf erlesenen Kirschen

Joghurt mit 15 % Kirschzubereitung aus Vollmilch mit mindestens 3,8 % Fett im Milchanteil.
Joghurt, Kirschzubereitung (10 % Kirschen, Glukose-Fruktose-Sirup, 2 % Kirschsaft aus Konzentrat, modifizierte Stärke, Rote Beetesaftkonzentrat, Zucker, Karottenkonzentrat, Hibiskuskonzentrat, Verdickungsmittel Pektin, natürliches Aroma), Zucker.

Zutatenliste in einer schlecht zu lesenden und recht kleinen Schreibschrift aufgedruckt.

Ehrmann Der Urige Vollmilchjoghurt auf Frucht Sauerkirsche

Joghurt unterlegt mit 12% Kirschen, 3,5% Fett im Milchanteil
Joghurt, Kirschzubereitung (mit Kirschen, modifizierter Stärke, Verdickungsmittel: Pektin und Guarkernmehl, färbendem Karottenkonzentrat, natürlichem Aroma), Zucker

Zutatenliste in halbwegs lesbarer Schreibschrift in annehmbarer Grösse

Danone Fantasia Kirsche

Joghurt, Kirschen, Zucker, modifizierte Stärke, Säureregulatoren Citronensäure, Natriumcitrat, färbende Konzentrate (Karotte, Hibiskus), Verdickungsmittel Carrageen, Xanthan, Aroma.

Zutatenliste praktisch unlesbar in winzigem Druck am Becherrand.

Müller Froop – Kirsch-Banane
60 % Joghurt, 33% Fruchtzubereitung (Wasser, Zucker, Kirschsaft* aus Kirschsaftkonzentrat, Bananenpüree*, Kirschen*, Zitronensaft aus Zitronensaftkonzentrat, Speisegelatine, färbende Frucht- und Pflanzenkonzentrate (Karotte, Holunderbeere), Aroma, Stickstoff), Milcheiweiß, Zucker, Traubenzucker, Aroma
* Frucht im Endprodukt: 12%

Zutatenliste auf der Seite des Bechers klar gedruckt und gut lesbar.

Der Froop ist eigentlich nur drin, weil ich unbedingt Froop drin haben wollte, da die doch mit „Fruchtalarm“ im Becher werben – da mein lokaler Supermarkt an diesem Tag aber nur Kirsch-Banane hatte, musste es halt dieser werden.

Schauen wir mal weiter…

Froop, Landliebe und Ehrmann halten sich an den klassischen 150-Gramm-Becher, im „praktischen Doppelkammerbecher“ (Danone über Danone) von Fantasia sind 122 Gramm drin. Alle Becher sind aus Plastik, bei den erstgenannten mit einem Metallfoliendeckel, Danone mit beschichtetem Kunststoffdeckel.

Bei Edeka kostet derzeit Froop (im Angebot) 29 Cent, Danone 29 Cent, Ehrmann 39 Cent, und Landliebe im Pseudo-Plastik-Gläschen sogar 49 Cent. Auf eine Bio-Variante habe ich übrigens bewusst verzichtet, hier ging es mir gezielt um die reinen „grossen“ Marken.

Als erstes interessierte mich wie der Joghurt ’nackt‘ schmeckt. Vom Danone Fantasia wusste ich das bereits – säuerlich, recht dünnflüssig, ein wenig schleimig, und mit einer komischen süssen Obernote. Die Kombination aus Zucker und Joghurt gefiel mir gar nicht. An den Joghurt unter der Fruchtschaummasse von Froop ranzukommen erwies sich als schwierig, jedenfalls war es nicht ohne Löffelkontamination möglich, deswegen kann ich dazu nur dagen dass die Konsistenz angenehm cremig war. Landliebe ist sehr deutlich gesüßt, wirkt im Becher (wie auch Ehrmann) fast stichfest, ist aber ebenso dem cremigen Mouthfeeling angepasst. Der Ehrmann-Joghurt, der beinahe aussieht wie im Becher gereift, ist ebenfalls cremig, und als einziger Joghurt nicht gezuckert. Hier gibt’s auch für den reinen und guten Geschmack der eingesetzten Joghurt-Kultur einen Daumen nach oben.

Bevor ich tiefer löffele, noch ein Blick auf die Zutatenlisten. Landliebe benutzt als einzige Firma Glukose-Fructose-Sirup in seiner Fruchtzubereitung – der Sirup gehört zu den Top-Dickmachern und Diabeteserzeugern dieses Planeten. Es kommt (immerhin) „nur“ natürliches Aroma zum Einsatz, aber neben Pektin auch modifizierte Stärke als Verdickungsmittel. Die ist nicht nur für Glutenallergiker hässlich, sondern kann auch aus genverändertem Mais hergestellt sein.

Die Verwendung ebendieser Stärke ist auch mein Haupt-Kritikpunkt am Ehrmann-Joghurt – kein Mensch braucht drei verschiedene Verdickungsmittel in einer Fruchtmasse, deren einziger Zweck es ist unter relativ flüssigen Joghurt gerührt zu werden. Guarkernmehl, der dritte im Bunde neben dem Pektin, kann ausserdem für Soja-Allergiker auch kritisch sein

Dass ich Zitronensäure und Natriumcitrat ebensowenig in meinem (Danone-) Joghurt haben möchte wie Carrageen habe ich andern Orts schon festgehalten.

Interessanterweise verwendet Müller für Froop Speisegelatine – vermutlich um den Fruchtschaum im Becher stabil zu bekommen, und lässt dafür alle anderen Verdickungsmittel weg. Positiv ist hier vor allem das Zitronensaftkonzentrat statt der industriell gefertigten Zitronensäure hervorzuheben, dafür leistet sich Müller aber gleich zwei Mal Aroma, und – nimmt man die Fruchtzubereitung mit rein – gleich drei Mal Zucker. Die präzise Angabe der tatsächlichen Fruchtmenge ist ebenfalls gut.

Damit zur wie immer alles entscheidenden Frage: Wie schmecken denn die?

Danone Fantasia – der nicht wirklich gelungene Basisjoghurt wird durch die Zugabe der verdickten gesäuerten und aromatisierten Kirschmasse nicht besser – diesen Joghurt mochte ich nach zwei Testlöffeln nicht weiter essen.

Landliebe
– wie erlesen die paar Kirschen auf die Gesamtmasse Joghurt sein mögen, kann sich jeder selbst ausrechnen. Der Liebste fand ihn ‚besser als den Danone‘, mithin essbar, ich fand ihn übermässig aromatisiert, da stach mir so ein Hauch Bittermandel/Amarettoaroma in die Nase und den Mund. Das ist ein Aromatyp den ich noch stundenlang nachschmecken kann – wäre für mich ungenießbar.

Froop spielt in einer eigenen Liga, schon weil hier Banane mit im Spiel ist. Der Joghurt schmeckt intensiv fruchtig – vermutlich eine Kombination aus Bananenpüree, Zitronensaft und Aroma – mich erinnerte er allerdings an das (verabscheute) Rhabarberkompott meiner Oma, vermutlich die Säure in Kombination mit Banane, denn Bananenpüree mischte sie auch unter ihren Rhabarber. Der dreifache Zucker sorgt dafür, dass das ganze kinderverträglich quietschsüss ist – passt ja zur Zielgruppe der Werbung.

Matchwinner ist, nicht unbedingt überraschend, der Ehrmann Der Urige. Die Kirschzubereitung schmeckt tatsächlich nach Kirschen und fast gar nicht künstlich, der naturreine ungezuckerte Joghurt dazu macht aus dem Urigen zumindest geschmacklich einen annehmbaren Fruchtjoghurt, während die anderen Testteilnehmer übersüß und überaromatisiert sind. Punktabzug gäb’s hier aber nicht nur für die vielen Verdickungsmittel, sondern auch weil auf dem Becher etwas von „Sauerkirschen“ steht – und danach schmeckt es nicht.

Fazit: ’spitze‘ ist keiner der Joghurts, kaufen würde ich davon auch keinen wieder. Im grossen und ganzen tun sich aber die ‚grossen‘ Marken offensichtlich nicht viel, bei allen gäbe es was zu beanstanden und an selbstgemacht kommt sowieso keiner von denen heran.

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