Essen in Hessen – Gasthaus Schindewolf, Frankershausen

Vergangenen Sonntag waren wir zusammen mit meiner Mutter mal wieder auf dem (nord-) hessischen Lande unterwegs. Zu Mittag schlug meine Mutter das Gasthaus Schindewolf in Frankershausen vor. Für den der jetzt fragend schaut – Frankershausen liegt in der Gemeinde Berkatal am Hohen Meißner, dem zweithöchsten Berg Hessens (750 m), und nicht allzuweit von der A7 (Kassel / Melsungen) bzw. der A4 (Hersfeld) und der A38 (Drammetal/Göttingen) entfernt.


Im Naturpark Meissner-Kaufunger Wald kann man tolle Wanderungen unternehmen, u.a. in der nahegelegenen Wacholderheide. In Zusammenarbeit mit dem Gasthaus gibt es auch Kombinationen aus geführten Gruppenwanderungen und anschliessendem Buffet. Was uns allerdings lockte, war das Meißner-Lamm, genauer das Lammfleisch von der Hüteschäferei Timmerberg, die hier zu Art- und Biotoperhaltung beiträgt und dabei ein gutes lokales Produkt anbieten kann.

Vor der Tür begrüsste uns zunächst der Wacholdermann und wies noch einmal auf lokale Produkte (so auch Wild aus heimischer Jagd und Gänse und Forellen aus eigener Zucht) hin. Auf der draussen ausgehängten Speisekarte prangte ausserdem ein Hinweis auf frische Pfifferlinge, was mich gleich ansprach.


In der Gaststube war mittags um 12 noch nicht viel los, im hinteren Teil war für ein paar Vorbestellungen eingedeckt. Wir liessen uns an einem der Tische nieder – ein einfaches, rustikales Ambiente mit Holztischen und Sitzbänken, wie man es von einem Gasthaus auf dem Dorf erwartet.

Die ebenso freundliche wie aufmerksame, ja herzliche Bedienung begrüsste uns und trug auch gleich noch zusätzliche Spezialitäten vor, die nicht auf der Karte standen, darunter Wildschweinfilet und Gänsekeulchen.

Torsten entschied sich für ein Kürbis-Kartoffel-Rahmsüppchen und einen Lammtopf, im eigenen Saft gegart. Meine Mutter wollte Scheiben von der Lammkeule, mit Ratatouille-Gemüse, und ich musste unbedingt die hausgemachte Kraftbrühe mit Eierstich kosten, ehe ich mich dann gegen Lamm und für das offerierte Wildschweinfilet mit Pfifferlingen entschied.

Dazu gehörte noch ein Salatteller vorweg (gemischter / grüner Salat mit einem sehr gelungenen Schmanddressing sowie eine Tomate mit etwas saurer Zwiebel-Vinaigrette) und wie im Bild zu sehen gab es ausserdem noch hausgemachte Semmelknödel, und für mich die obligate Wild-Deko aus Dosenbirne und Preiselbeeren auf Rotkraut.

Aber der Reihe nach…

Torstens Suppe war sehr lecker, natürlich hausgemacht, und mit Sahne, Salatblättchen („das hätte nicht sein müssen“) und Kürbiskernen angereichert. Meine Kraftbrühe war eine ebensolche, wirklich hausgemacht, brüllend heiss, ebenso war der Eierstich sehr lecker und auch aus eigener Produktion – angesichts von verbreiteten Dosensuppen mit Fertigeierstich schon mal ein Super-Start – ich liebe gute hausgemachte Bouillon.

Die Tomatenrosen auf dem Teller fand ich überflüssigen Schnickschnack, das Rotkraut auf meinem Essen schmeckte nach Fertigware, Birne und Preiselbeere hätte ich zu dem – exzellenten – Wildschweinfilet ohnehin nicht gemocht. Das hocharomatische, zarte Fleisch allerdings war eine Wucht, perfekt gebraten, auf einem Bett aus Pfifferlingen, bei denen die Zwiebeln einen Tick länger hätten dünsten dürfen, umschmeichelt aber von einer köstlichen Sauce ohne Fertigprodukte oder auch nur Bindemittel, genau so wie sie sein muss – das hat mir sehr sehr gut gefallen. Auch dass man hier nicht der Versuchung nachgegeben hat dem Wildgericht eine dunkle Sauce zu spendieren gibt einen Pluspunkt. Die Knödel schmeckten sehr gut, was auch Torsten und meine Mutter bestätigten, die mit ihren Lammgerichten ebenfalls höchst zufrieden waren.

Die Lammkeule hatte eine kräftige aber nicht aufdringliche Knoblauchnote und wirkte eher mediterran als das, was man sonst auf dem hessischen Lande erwarten würde; das geschmorte Lamm war saftig und schmackhaft, und beide Gerichte überzeugten durch ebenso nicht gesondert gebundene Saucen aus Schmor-/Bratfond mit Eigengeschmack. Zum Lammtopf gab es ausserdem (offenbar hausgemachte) Pickles.

Gut gesättigt wurden wir dann von der Bedienung gefragt ob wir noch einen Nachschlag möchten – es solle ja schliesslich niemand hungrig nach Hause gehen. Das hat mich sehr überrascht, ich hätte nicht mehr essen können oder wollen, aber das letzte Mal dass mir jemand Nachschlag angeboten hat in der Gastronomie muss in den 80er Jahren in einem Landgasthaus in Niederösterreich gewesen sein… oder in einer kleinen Gaststätte in einer Nebenstrasse in Palma de Mallorca.

Wir lehnten dankend ab und verzichteten auch auf ein Dessert, nahmen aber (zumindest Torsten und ich) gern den offerierten Espresso, der im perfekten dickwandigen Espressotässchen kam und ausgezeichnet schmeckte. Beim nächsten Besuch hier traue ich mich auch Cappuccino zu ordern.

Am Ende waren wir rundum satt und zufrieden, und haben mit 3 Personen inklusive Getränke und Kaffee für ein wunderbares Essen knapp 55 Euro bezahlt. Davon kann man in der Stadt nur träumen.

Summa summarum: sehr gutes Essen aus lokalen Produkten zu einem mehr als fairen Preis, und ein freundlicher, kompetenter Service wie man ihn sich wünscht und auf dem Dorf eher nicht anzutreffen erwartet. Wer in der Gegend ist. sollte den kleinen Umweg machen und hier essen gehen – sehr zu empfehlen.

Gasthaus Schindewolf
Berkastraße 71
37297 Berkatal

Tel. 05657-1081

http://gasthaus-schindewolf.de/

Print Friendly, PDF & Email

Appetit bekommen? - Hungry for more?