Rach vs. Ramsay

Eigentlich, hatte ich mir vorgenommen, lasse ich das Thema Rach und RTL einfach irgendwie unter den Tisch fallen – mit Tach der TV-Tester (hat tip to Herr Paulsen) ist das Wesentliche dazu im Grunde gesagt.

Als ich dann aber gestern semikomatös nach einem anstrengenden Wochenende auf dem Sofa rumlümmelte, noch RTL im Hintergrund dudelte weil ich irgendwann mittags das Singapur-Rennen der Formel 1 geschaut hatte, und an nix Böses dachte, lief eine weitere Folge von Rach, der Restaurant-Tester, und ich beschloss, dann doch noch meinen Hausmachersenf dazu abzugeben.

Ich schaue ab und an mit Spaß an der Freud‘ Gordon Ramsay zu, wie er bei Kitchen Nightmares maroden Betrieben den nötigen Tritt in den Hintern gibt um wieder auf die Füße zu kommen, und was daran immer auffällt ist, mit wie viel Engagement und persönlichem Einsatz Ramsay an die Sache herangeht. Ja, er ist nicht so still, hanseatisch höflich und zurückhaltend wie Mr. Tafelhaus, aber was Ramsay von Rach vor allem unterscheidet, ist die Bereitschaft, sich tatsächlich einzulassen und die Hände schmutzig zu machen.

Wo ein Dreisterne-Koch Ramsay die Kochjacke anzieht, sich knietief in den Schmodder begibt und auch die Nacht durch Küche mitschrubbt, steht Rach hemdsärmelig daneben und bedeutet mal, wo das Fußvolk doch bitte saubermachen solle. Wo Ramsay zetert und deutliche Worte spricht, wenn nötig, tut Rach beleidigt, weil nicht jeder gleich seine milden Anregungen als Gotteswort nimmt und sich alles von alleine regelt. Wo Ramsay sich einen kompletten Dinner Service ansieht und erst danach den Relaunch startet, setzt sich Christian Rach mal wohlgepflegt an den Tisch, findet das alles ja gar nicht so gut, trägt brav ein paar gestelzte Sätze über Service vor, und erwartet dass Publikum und Gastronomen gleichermassen nun glauben, damit sei die Krise eines ansonsten darniederliegenden Betriebes zu beseitigen. Die nötige Motivation muss beim Herrn Restaurant-„Tester“ der beratene Kunde schon von alleine aufbringen, dafür ist er nicht zuständig.

Am ganz ähnlich gelagerten Format „Die Kochprofis“ nervt ja schon, dass die Profis selten mal richtig auf den Tisch hauen, und meist nur 3 Tage investieren, während El Gordo den Problemen meist sehr genau auf den Grund geht, aber Zacherl, Kotaska, Baudrexel und Marquard bringen den von ihnen besuchten wenigstens noch was bei und auch die Liebe zum Kochen zurück – was Rach dagegen abliefert ist einfach nur armselig. Dass er für so einen Müll dieses Jahr auch noch eine Goldene Kamera für ein besonders gelungenes (lausig kopiertes) Format erhalten hat, sagt wohl alles über die deutsche Fernsehlandschaft.

Lieber Christian Rach, bitte geh wieder an den Herd. Da bist Du ein echter Könner – und das Tafelhaus würde vielleicht auch nächste Saison vom Feinschmecker wieder mit mehr Punkten versehen…

Print Friendly, PDF & Email

Appetit bekommen? - Hungry for more?