Krebsessen bei IKEA

Die Schwedische Tradition – KREBSESSEN
Im Juli und August findet bei IKEA das traditionelle Krebsessen statt.
Es gibt Krebse satt mit Knäckebrot, Käse und drei Schnäpse.

schreibt IKEA auf seiner Webseite.

oder hier

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Vor ziemlich genau 1 Jahr haben wir die IKEA-Krebsorgie schon einmal in Erwägung gezogen und uns dann für TK-Krebse aus der Metro entschieden. Bezeichnenderweise gab es auch dieses Mal die Krebse tiefgekühlt bei IKEA (1 kg für 9,90, davon 55% Wasser… da war die Metro-Ware günstiger).

Dieses Jahr jedoch hatten wir uns dem IKEA-Krebsevent verschrieben.

Zunächst mal musste das Organisatorische geklärt werden. Mit unserem Kassenbon vom letzten Mal und der Anmeldung tappten wir zu den Gastromitarbeitern (eines externen Gastroservice) die einen Teil des Restaurants abgetrennt hatten. Aber: verkehrt, alles zurück auf Anfang. Zunächst galt es, sich am Family-Tresen einen formschönen Stempel auf den Handrücken abzuholen.

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Beim Vorbeigehen fiel mein Blick auf die rosa IKEA-Broschüre. LIEDER Zum Krebsessen prangte es mir entgegen, und ich ahnte Fürchterliches… das wahnsinnig elegante Krebsmotiv auf blauem Untergrund ist übrigens das Lätzchen zum Umhängen.

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Frisch gestempelt durften wir nun die Zone der Krebsesser betreten und wurden von den Servicemitarbeitern an einen Tisch mit einer 3köpfigen Familie gesetzt, die das Ganze zwar schon mal im vergangenen Jahr im anderen IKEA-Haus in HH mitgemacht hatten, aber doch recht skeptisch drein blickten. Offensichtlich gab es hier auch Tischreservierungen für größere Gruppen, die das Ganze generalstabsmäßig geplant hatten.

Kurz darauf stellte sich uns der Conferencier für den Abend vor, Björn. Formattechnisch ein Wikingerytp, mit einer hochkleidsamen bunten Schürze.

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Björn, der mit Headset bewaffnet und an die Musikanlage gekoppelt für die richtige Partystimmung sorgen sollte, händigte uns extra Textblätter mit tollen Trinkliedern in schwedischer Lautschrift aus, die ich hier auszugsweise vorstellen möchte (den Pisa-Song mussten wir ablesen-grölen…) Doch noch war es nicht so weit.

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Zum Setup des Krebsabends gehört neben dem Kleckerlätzchen auch die IKEA-Anleitung zum Krebseessen, Bestandteil des Liederheftes das weiter oben zu sehen ist, und ein lustiges Stimmungs-Papp-Party-Hütchen.

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(Einen Scan der Anleitung in etwas größer findet man hier).

Mit umgehängtem Schlabberlätzchen konnte es nun langsam los gehen. Schnell noch Getränke (Softdrinkglas) an der Kasse geholt, da die schlauerweise nicht inklusive sind – am Nachbartisch becherte man fröhlich den Weißwein, den es für 5 oder 6 Euro die Flasche extra ebenfalls im Schwedenrestaurant gab – und dann schickte Björn die Gäste zunächst tischweise ans Buffet, damit kein Riesengedränge entstand wenn sich alle ihren ersten Schlag Krebse holen sollten.

Die erste größere Überraschung wartete auf uns. Die Krebse waren kalt. Ich habe noch Jamie Oliver im Ohr, der meinte, Meeresfrüchte müsse man immer möglichst frisch gegart und auf keinen Fall kalt essen. Diese Krebse hier – und das bestätigte sich, als ich am Ende des Abends einen noch beinahe gefrorenen erwischte – waren einfach nur aus der TK-Packung aufgetaut. Die Familie an unserem Tisch berichtete, daß letztes Jahr die Krebse frisch gekocht auf das Buffet kamen… oder zumindest frisch warm gemacht…

Dazu gab es diverse Käse, Weintrauben, frische Brötchen (Knäcke war wohl doch nicht so der Renner), Butter, und eine extrem penetrant süße extrem penetrant knoblaucharomaverseuchte Cocktailsauce. Hätte ich mir nur eine ordentliche Hot Sauce mitgebracht!

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Auf den Tischen standen Schüsseln oder Teller für die Krebsschalen (die regelmäßig geleert wurden), und es lagen reichlich Papierservietten und Zitruserfrischungstüchlein aus. Die brauchte man auch…

Die Servicemitarbeiter machten auf Wunsch nochmal vor, wie das Getier formgerecht zu zerlegen und auszusaugen war. Bezeichnenderweise begann die Erklärung meist mit „Theoretisch macht man das so…“ Praktisch war es eine ziemliche Schinderei, was die kalten Krebse nicht wirklich vereinfachten. Und die Krebse kamen weder aus Schweden oder Skandinavien, noch aus Türkei oder USA, wie in der Broschüre von IKEA zu lesen, sondern – wie meine Metrokrebse auch – aus China.

Zwischendrin machte dann Björn die Runde von Tisch zu Tisch, um das mal mehr, mal weniger willige Publikum zum Singen zu animieren. Ich fragte mich unwillkürlich, ob er ausserhalb der Krebssaison vielleicht Unterhalter in Seniorenwohnstiften ist. Wer brav sein Liedchen abgesungen hatte, bekam dann auch einen Vodka oder Aquavit.

Eine größere Gruppe schon vorher recht angeheiterter männlicher Mittfünfziger an einem der Tische war ausgesprochen sangesfreudig, wohl auch um sich ein paar Extraschnäpse zu verdienen.

Wir kamen zum Glück – vermutlich dank unseres ausgeprägten kollektiven Unwillens zu Singen – um eine Wiederholung herum, und konnten uns weiter dem Herausbrechen von Krebsfleischstückchen widmen.

Immerhin, es gab ausreichend Krebse, und am Ende des Abends waren – Zitat Björn – 200 Kilo Krebse vertilgt. Satt wurde man auch nach einer Weile, nicht dass das, von zuckriger überall hin spritzender Dill-Kochflüssigkeit und Krebssäften bedeckt, wichtig gewesen wäre. Wichtig war eigentlich nur noch, die Arme wieder sauber zu bekommen, den von spitzen Krebsscheren zerstochenen Daumen eine Pause zu gönnen, und dann still und leise zu verschwinden. Was wir auch taten, während die „Schwedenparty“ noch ohne uns weiter ging.

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Been there, done that… muss ich nicht wieder haben.

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