Mayonnaise

homemade mayonnaise

Seit längerem bin ich ziemlich wählerisch, was die Qualität gekaufter Fertigmayo angeht. Die Light- und sonstigen fettreduzierten Varianten („Salatcreme“, vielen Dank auch, *nicht* auf meinem Salat!) fallen automatisch raus, da sie nicht bloß meiner Meinung nach eklig schmecken, sondern mir auch spätestens beim Blick auf die Zutatenliste der Appetit vergeht. Da tummeln sich Sorbin- und Benzoesäure, Verdickungsmittel, Aromen… und nicht zu vergessen billiges raffiniertes totes Soja-, Raps- oder Erdnussöl. Den Geschmack von Rapsöl finde ich darüber hinaus wirklich widerlich.

Unter den Sorten, die ich kaufe, befindet sich die Thomy Delikatess-Mayonnaise, weil sie eine der wenigen ist, die das Öl deklarieren (80 % Sonnenblumenöl, und man schmeckt den Unterschied zu Sojapamps deutlich, immerhin 6,2% Eigelb, leider auch Aromen…) Dagegen steht auf fast allen anderen Gläsern im Supermarkt meist nur „Pflanzenöl“ oder sogar explizit „Sojaöl“ drauf.

Essbar finde ich auch die – schwer zu findende – Mayonnaise von Maille, von der Firma, deren Dijonsenf in meinem Haushalt zu den Grundnahrungsmitteln zählt. Ich habe gerade kein Glas da, um auf die Zutatenliste zu schauen, kann mich aber erinnern, dass auch die verbesserungswürdig war – jedenfalls ist der Geschmack wirklich gut.

In den letzten Tagen hab ich wieder mal selbst Mayo gemacht, das tue ich häufiger. Mayonnaise – oder nach neuer deutscher Rechtschreibvergewaltigung Majonäse – ist eigentlich kinderleicht herzustellen – selbst die Wikipedia liefert neben viel Wissenswertem zur kalten Sauce ein Rezept. Meins ist ganz ähnlich, allerdings nehme ich ein ganzes Ei und benutze den Pürierstab nebst zugehörigem Becher, klappt wunderbar.

Als ich dann so die Mayo probierte und nebenher einen Nudelsalat für meinen Schatz machte (mit Mayo aus dem Thomy-Glas, damit er sich nicht mangels Kühlung noch Salmonellen oder sowas fängt), war ich baß erstaunt, wie sauer und künstlich doch selbst die von mir geschätzte Thomy schmeckt im Direktvergleich mit der selbstgemachten…

Torsten brummte nur: „Wer macht schon seine Mayo selbst – außer Dir.“

Ich beharrte, dass es sicher ’ne Menge Leute gibt, die das tun. Mein Rezept bzw. die Zubereitungsmethode stammt von der Mutter eines chilenischen Freundes, die nur über ihre Leiche Fertigmayo ins Haus ließe… und dann ging es mir auf: richtig, Chilenen. Vermutlich machen auch noch Portugiesen ihre Mayo selbst. Aber Deutsche? Torsten legte nach: „Was glaubst Du, wie viele Leute hier im Haus machen selbst Mayo?“

11 Parteien… ich weiß nichts über die Kochgewohnheiten, aber wenn ich mir die Leute so vor Augen rufe, muss ich ihm recht geben. Wahrscheinlich keiner.

Geschmackserziehung beginnt nicht erst beim Pfirsich vs. Pfirsicheisteearoma oder bei Erdbeere vs. Erdbeeraroma-Joghurt. Ich kenne genügend Leute auch meines Alters, für die „richtige“ Mayonnaise identisch ist mit Eimer-Salatmayonnaise mit Benzoesäurearoma… weiß, dick, glibbrig und säuerlich-künstlich. *Bäh.*

Gimme the real thing!

 

[Beitragsbild: Stacey Spensey auf Flickr | Lizenz CC BY-2.0]

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