Beste, absolut frische Zutaten, raffinierte Gewürze und (…) schonende Zubereitung
verspricht der bayerische Gourmet-Koch Alfons Schuhbeck auf seinen Fertiggerichten dem potenziellen Käufer. Obwohl die Produktlinie anscheinend im September 2009 auf den Markt kam, habe ich die Plastikschalen für die Mikrowelle heute zum ersten Mal im Supermarkt gesehen.
Von den TV-Köchen ist man ja schon gewöhnt, dass sie nicht so genau hinsehen, wenn es um Produkte geht für die sie werben – hauptsache die Kasse stimmt; ob das Johann Lafer ist, dessen Eigenmarken-Balsamico schamesrot anlaufen müsste, würde man normale lafer’sche Qualitätskriterien an ihn anlegen, die Schlagsahne mit dem extra-Carrageen, die Fix-und-fertig-Tüte von Horst Lichter, oder die ach-so-tolle Suppenpaste für die Alexander Herrmann sein Konterfei hergibt. Alfons Schuhbeck hat nicht zuletzt durch seine Escoffier-Dosensuppen (Glutamat inklusive) demonstriert, wie viel von den vollmundig bei Lanz kocht und anderen Auftritten postulierten Ansprüchen an die gute Ernährung bestehen bleibt, wenn die Euros klingeln.
Mir strahlt also aus dem Kühlregal das entgegen:
Die mikrowellenkompatiblen Mahlzeiten im 400-g-Format, die sich anscheinend 3-4 Wochen halten, sollen “begeistern” und werden auf der Packung als “frische, aromatische Gerichte” beworben. Im Regal bei Edeka heute fand ich
- Handgelegte Rinderroulade in Sauce mit Gewürz-Rotkohl und Butterkartoffeln
- Hühnerfrikassee mit körnigem Reis
- Nürnberger Rostbratwürstchen auf Apfelkraut mit Kartoffelpüree
- Schweinemedaillons in Waldpilzsauce mit Eierspätzle
- Schweinegulasch in Paprikarahmsauce mit Spiralinudeln
Ich habe mir mal ein paar der Zutatenlisten angesehen. Das Hühnerfrikassee etwa beinhaltet
Reis, Hähnchenbrustfleisch 20%, Wasser, Sahne, Champignons, Spargel, Karotten, Erbsen, modifizierte Stärke, Hühnerfett, Speisesalz, Wein (Sulfit), Gewürze, Zucker, Glucosesirup, pflanzliches Öl, Verdickungsmittel: Xanthan; Säuerungsmittel: Citronensäure, Natriumacetat; Säureregulator: Natriumcarbonat; Antioxidationsmittel: Ascorbinsäure; Aroma.
Bei den Rouladen gesellen sich zu den Zutaten die ich in einer Roulade erwarten würde auch noch Hefeextrakt, Dextrose und Saccharin (neben erneut modifizierter Stärke sowie der o. g. Zusammensetzung an Säuerungsmitteln, Stabilisatoren und Aroma), beim Gulasch sind es Hefeextrakt und Maltodextrin und die schon genannten.
Auf den ersten Blick sieht das gar nicht mal übel aus, von den vorgenannten Punkten abgesehen. Immerhin fehlen irgendwelche obskuren Milcheiweisse und Mono- und Diglyceride von wasauchimmer. Schaut man dann allerdings genauer hin, erschliessen sich ein paar komische Sachen. Etwa, dass ganz offensichtlich das Frikassee mehr Salz und mehr modifizierte Stärke als Wein enthält; über die Weinmenge darf spekuliert werden; die Salzmenge hatte Foodwatch beim Vorgänger des Hühnerfrikassees schon als viel zu hoch moniert.
Xanthan muss in ein Hühnerfrikassee absolut nicht rein; Hefeextrakt ist nur dem Gesetz nach kein Geschmacksverstärker; in einem Essen mit “besten absolut frischen Zutaten” erwarte ich weder Glucosesirup (in den USA HFCS), der Diabetes und Übergewicht begünstigt, noch Säuerungsmittel und Stabilisatoren, und ganz bestimmt keine Süßstoffe an meiner Roulade, vielen Dank auch. Modifizierte Stärke schliesslich ist ein absolutes No-Go für mich, schon weil sie eine ganz spezifische Konsistenz im Mund hat.
Aber wie sagt Herr Schuhbeck so gern sinngemäss – für’s Auto kaufen die Leute das teure Motorenöl und für den eignen Körper nur den billigen Schrott. Man kann den Schrott auch teuer kaufen, dann klebt das photoshop-verjüngte Konterfei eines bayerischen Sternekochs drauf – und Aroma drin.
Das wirft für mich die Frage auf, wie viel in mancher hochklassigen Gastronomie noch wirklich frisch gekocht wird… schliesslich hat auch ein Gordon Ramsay Kunden in seinen Restaurants die vorabgepackte Restaurant-Convenience-Ware für Frischkost verkauft… bei den Spannen mehr als verlockend.
Wenn ich Schuhbecks deutsche Küche frisch geniessen will, ziehe ich immer noch lieber Meine bayerische Küche
aus dem Regal, und koche selber. Da weiss ich ganz genau was drin ist – und dass es wirklich frisch ist.
Guten Appetit!
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Tags: Alfons Schuhbeck, Fertigprodukte
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