The Ostholsteiner Doppelkorn

Dieser Artikel wurde zuletzt am 30. Mai 2017 aktualisiert

Mit Korn hatte ich nie viel zu tun. Aus meiner Kindheit kenne ich Korn als das, was die alten Männer am Stammtisch zum Bier getrunken haben. Oder bei der Freiwilligen Feuerwehr. Weil, zur Feuerwehr geht man ja zum Saufen, so sagt man. Dabei sollte ich am besten wissen, dass es nicht so ist. Mein Vater war nicht nur Gründungsmitglied einer Freiwilligen Feuerwehr, sondern auch viele Jahre Wehrführer. Dennoch, Korn war das, was man zum Bier trank.

Auch zu Hause gab es immer eine Flasche Korn. Da tranken die Erwachsenen mal ein Glas bei einer Feier. Oder nach dem Essen. Zur Verdauung. Man kennt das ja. Auch später, nachdem mein Vater gestorben war, bewahrte meine Mutter immer noch eine Flasche Korn im Kühlschrank auf. Denn wenn sie mal was Schweres gegessen hatte und das Sodbrennen sich ausbreitete, dann half er ja. Ich glaube, ich muss nicht extra erwähnen, dass es sich um den Korn vom Discounter handelt. Schnaps ist eben Schnaps. Und man trank ihn ja nicht, um ihn zu genießen.

Ich trank damals, als ich dann die Schwelle überschritt, über der es mir erlaubt gewesen wäre, keinen Korn. Ich trank gar keinen Alkohol. Nicht mal Bier. Auf dem Dorf war das nicht üblich, doch ich war immer der, der fahren musste und so bot es sich nie an. Später dann, kam ich elegant um den Korn, diese fies brennende Flüssigkeit, herum. Es gab einfach Besseres. Und daran, dass ich Besseres trank, war Petra nicht ganz unschuldig.

Jedenfalls kam uns nie Korn ins Haus. Und wenn, dann benutzte man den doch, um Obst einzulegen. Für Likör. Oder? Wenn wir nicht gleich Vodka dafür nahmen. Aber ist das nicht das Gleiche? Nicht ganz, aber das würde jetzt zu sehr ins Detail gehen.

Und nun? Nun habe ich ein Problem. Vor mir steht eine Flasche Korn, und ich weiß nichts damit anzufangen.

Ein sehr netter Kontakt hat mir eine Flasche The Ostholsteiner Doppelkorn zukommen lassen. Ich hatte ihn schon zuvor auf einer Hausmesse der Weinquelle probiert, doch nach einem Obstbrand-Tasting und nach Durchprobieren einiger Gins fiel mir da nicht mehr so viel an dem Korn auf. Außer, dass er nicht wie Korn schmeckte. Also nicht wie das, was ich als Korn kenne.

Mit der Flasche vor mir habe ich gegen ein Prinzip verstoßen: Keinen Schnaps vor Mittag. Mit einem kleinen Schluck im Glas rieche ich erst mal und bilde mir ein, Minze darin zu finden. Das kann durchaus auch einfach nur vom Getreidealkohol kommen, und ich assoziiere es irgendwie damit. Auch habe ich einen fruchtigen Eindruck. Sonst ist der Ostholsteiner recht neutral. Das erwarte ich aber auch von einem Korn. Für mich war Korn immer eine Neutralspirituose.

Der erste Schluck erinnert dann eher an Wasser als an Korn. Nicht wegen des Geschmacks, sondern wegen der Weichheit. Was ich als Korn früher kannte, könnte auch die Bezeichnung Rachenputzer benutzen. Der Ostholsteiner allerdings nicht. Weich legt er sich über die Zunge, von Alkoholschärfe keine Spur. Im Geschmack ist deutlich das Weizendestillat zu finden. Ich schreibe das jetzt, da ich weiß, welches Getreide verwendet wird. Das muss ich zugeben. Vorher hatte ich keine Ahnung davon. Doch nach einigen Roggen-Whiskeys und dem einen oder anderen Getreide als Basis von Gins kann ich es nach dem Probieren ganz gut zuordnen.

Weich und nicht ganz neutral, gefällt mir der Ostholsteiner Doppelkorn recht gut. Doch ich habe immer noch das gleiche Problem wie vorher. Mit Korn kann ich nichts anfangen. Meins ist es nicht. Aber wenn ich die Wahl hätte, würde ich einen feinen handwerklich hergestellten Ostholsteiner jederzeit einem Industrieprodukt vorziehen.

Neben Kleidungs- und Cocktail-Empfehlungen gibt Ostholsteiner auch eine Playlist zum Doppelkorn hinzu. Einen schrägen Titel möchte ich den werten Lesern hier nicht vorenthalten.

Disclaimer

The Ostholsteiner Doppelkorn wurde uns von der Agentur GUMMIG unentgeltlich zum Testen zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Eine inhaltliche Beeinflussung des Textes fand nicht statt. Wir danken freundlich für die Unterstützung.

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5 Antworten

  1. Na, das passt ja wie **** auf den Eimer zur bundesweiten „Aktionswoche Alkohol“, die am Samstag startet. Ich weise jedenfalls auf die Gefahren und Nebenwirkungen von Alkoholkonsum hin.

    • FoodFreak sagt:

      Kraftusdruck getilgt. Ich weiss zwar nicht, was du mir damit sagen willst, aber du hast natürlich recht, Alkohol sollte mensch mit Verstand und in Maßen genießen. In diesem Sinne: Prost

  2. Sonja sagt:

    Dir geht es wie mir, man bekommt Spirituosen geschenkt die man eigentlich nicht trinkt.
    Wein und Sekt verwende ich prinzipiell zum Kochen . Das geht bei Korn natürlich nur in eingeschränktem Maße ( bloody mary Suppe, oder Gordon Ramsays Wodka Spaghetti )
    Aber man kann daraus gut Eierlilör herstellen, oder Baileys .
    Du wirst sicher eine Verwendung finden.

    • FoodFreak sagt:

      es ist kompliziert; es ist ja eigentlich eine handwerklich sehr saubere Spirituose, wir können eben nur einfach nix damit anfangen – aber ich bin auch sicher, dass sich Verwendung dafür findet 🙂

  1. 12. Mai 2017

    […] der Zeitund vermarktet Premium-Doppelkorn für Leute mit Musikgeschmack und anständigem Schuhwerk. Datenhamster hat das Zeugs chez Foodfreak getestet und aus der Ostholsteiner Playlist eine echte Perle ans Licht […]

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