Wildner Dornfelder trocken 2015

Dieser Artikel wurde zuletzt am 20. März 2017 aktualisiert

Lange habe ich nichts über Wein geschrieben, und so ein bisschen graut es mir davor. Nicht wegen des Weins, sondern wegen der Art, in der andere über Wein schreiben. Ganz ehrlich, mir fehlt das Weinvokabular. Auch hochtrabende Formulierungen liegen mir nicht so. Ich schreibe lieber so, wie ich es aussprechen würden. Dann wäre die Verkostungsnotiz allerdings nach drei Worten vorbei – das nützt euch Lesern nun auch nicht viel, deswegen werde ich mir Mühe geben. Das Weingut Wildner hat es uns da recht leicht gemacht und den trockenen Dornfelder von 2015 auf den Tisch gestellt.

Was ich mag, das sind technische Daten. Diese gibt es auch beim Wein. So wissen wir, dass dieser Tropfen aus dem Jahr 2015 stammt und 14 Monate im Edelstahltank ausgebaut wurde. Die verwendeten Trauben sind zu 100% Dornfelder. Ein spannendes Detail über die Rebsorte ist die Geschichte: Sie wurde gezielt gezüchtet. Seit 1955 gibt es den Dornfelder Und warum? Nicht mit Recht, sondern um den Wein dunkler werden zu lassen. Dornfelder wurde ausgewählt, um bei Cuvées, oder auch Verschnitten, wie ich es lieber nenne, die helleren Rotweine dunkler zu färben.

Damit kommen wir auch schon zu der Farbe des Dornfelders, den das Weingut Wildner auf Buntsand- und Kalkstein anbaut. Eine ganz ganz dunkle Farbe hat der Wein im Glas. Er ist mehr als weinrot, da ist fast schon ein Schwarzviolett. Nur unten im Glas, wo es enger wird, kann man noch das Rot erkennen. Der Rest, der ist beinahe schwarz. Für uns, als Laien, deutet das auf einen schweren Rotwein hin.

Ich führe das Glas an die Nase und bin erst mal erstaunt. Glühwein? Wer hat mir denn da Glühwein ins Glas…? Doch der Eindruck verfliegt recht schnell. Ebenso wie der erst recht alkoholische Eindruck. Dabei hat der Dornfelder „nur“ 12,5% vol. Was bleibt, ist ein erdiger, gewürziger Eindruck, dazu gesellt sich dunkle zerdrückte Brombeere. Habt Ihr schon mal nach dem Pflücken von Brombeeren an Euren Fingern geschnuppert? Eben so. Erdig, etwas schwer, aber angenehm, und mit dem Geruch abgestreifter Brombeerblätter noch dazu. So ähnlich empfinden wir diesen Wein. Wir könnten noch eine ganz Weile weiter schnuppern, aber das Essen, das Kalbs-Ossobuco, das wir uns dazu gemacht haben, würde kalt werden.

Also rein in den Mund damit. Wie bei vielen Rotweinen hinterlässt auch dieser erst mal den Eindruck von Marmelade. Dunkle Beerenmarmelade, um genau zu sein. Das ist lecker und passt zum Brombeereindruck. Eine richtige Wuchtbrumme ist der. Dornfelder von Wildner Dazu hat er noch ein paar Tannine, die ein schönes trockenes Mundzusammenziehen ergeben. Er ist weich, mit einem geschmeidigen, ausdrucksvollen Körper, und man möchte ihn geradezu langsam trinken und geniessen.

Eine besondere Erwähnung verdient noch das Etikett. Wer genauer hinsieht, erkennt, wie ausgeklügelt es ist. Eine Katze, die uns ansieht, verwandelt sich zwei unartige Catwomen und wieder zurück. Schön verspielt und ein Hingucker. Dem Designer ist hier ein wirklicher Wurf gelungen. Nur leider ist dies auf dem Bild nicht ganz zu erkennen.

Und würden wir ihn wieder kaufen?

Das ist schwierig zu beantworten. Der Dornfelder von Wildner ist lecker, keine Frage. Er eignet sich wunderbar zu einem schönen Schmorgericht. Auch zur gegrillten Rinderbrust mundete er vorzüglich. Trotz seinem dunklen ,schweren Eindruck können wir uns gut vorstellen, dass wir ihn an einem schönen Sommerabend auf der Terrasse langsam genießen könnten. Doch irgend etwas hat uns gefehlt. Eine leichte, fruchtige, frische Komponente hätte er noch vertragen können – zumindest für unseren Geschmack.

Ja, wir würden ihn kaufen. Einfach weil wir wissen, dass er gut ist, und weil wir lange keinen so guten deutschen Rotwein mehr hatten. Erst recht keinen so ausdrucksstarken Dornfelder. Er ist eine Empfehlung wert und braucht sich nicht zu verstecken. Doch den für uns perfekten Rotwein – den es wahrscheinlich nicht gibt – haben wir hiermit nicht gefunden.

Wer den Wein mit den wilden Katzen selbst einmal probieren möchte, findet ihn im Shop der Weingötter für derzeit 8,20 Euro je Flasche.

Disclaimer

Der Dornfelder vom Weingut Wildner wurde uns, wie auch der Riesling, von Design am Chiemsee unentgeltlich zum Testen zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Eine inhaltliche Beeinflussung des Textes fand nicht statt. Wir danken freundlich für die Unterstützung.

Zusätzlich enthält der Beitrag Affiliate-Links zu Amazon. Wenn Ihr über diese etwas bei Amazon bestellt, kommen die Einnahmen daraus diesem Blog zugute – auch in Form von weiteren Tests wie diesem. Danke.

Appetit bekommen? - Hungry for more?

1 Antwort

  1. 20. März 2017

    […] Der Riesling vom Weingut Wildner wurde uns, wie auch der Dornfelder, von Design am Chiemsee unentgeltlich zum Testen zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Eine […]

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