Abgesang auf einen Kühlschrank

Als wir 2012 umzogen, war eine der Neuanschaffungen fürs neue Heim ein Side-by-Side-Kühlschrank von LG. In der alten Wohnung blieb eine zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre alte Kühl-Gefrier-Kombi von Siemens zurück, die – abgesehen von ihrem vorsintflutlichen Stromverbrauch (Schadensfreiheitsklasse C) – ebenso lange klaglos lief.

Den Side-by-Side hatte ich mir lang und ausführlich ausgesucht. Wie sich nun heraus stellte, hilft auch die beste Auswahl nichts gegen (a) dumm gelaufen und (b) schlechten Service.

Am Kühlschrank von LG faszinierte mich die helle LED-Beleuchtung, die großen Gemüse/Frisch-Zonen, das Nichtsmehrabtauenmüssen, und geraume Zeit war ich damit sehr zufrieden. Dann brachen die eher billigst und unpraktisch verarbeiteten Plastikteilchen ab, die dafür sorgten, dass man aus den Eiswürfelschalen, die dazu gehörten, die Eiswürfel auslösen konnte. Ersatz: da ein Verschleißteil / „falsche“ Verwendung, selbst bezahlen – dafür wären ca. 60 Euro fällig gewesen. Mit der Wahrscheinlichkeit, dass die Dinger nach ein paar Monaten wieder das Zeitliche segneten. Ich tippte mir kurz aber entschieden an die Stirn, benutzte längere Zeit Eiskugelbeutel und andere Eiswürfelformen wie von IKEA, kaufte schließlich einen Silikon-Eiswürfelbereiter für 5×5 cm große Cubes, und lebte damit ganz prima.

Nach und nach brachen weitere Plastikteile – an den Frischezone/Gemüsefach-Einschüben. Ganz offensichtlich ist der verwendete Kunststoff nicht der Beste gewesen, und/oder nicht für den längeren Einsatz unter kalten Bedingungen gemacht und spröde geworden. Warum sollte man sowas auch bei einem Kühlschrank berücksichtigen… Die Einschübe ließen sich also nur noch hakelig bis schlecht verwenden. Qualität geht anders. Auch die Kunststoffeinsätze in den Türen waren qualitativ nicht mit denen des 17 Jahre alten Gerätes der alten Wohnung vergleichbar.

Vor etwa zwei Wochen nun – ich kann es nicht anders sagen – verreckte der LG. Und zwar ganz klammheimlich. Es ging noch absolut alles. Das Display an der Tür zeigte weiterhin die eingestellten Werte (-18/4°C), die Beleuchtung lief, die Lüftung lief, die Warnsignale, die z.B. bei zu lang offen stehender Tür einen Temperaturanstieg melden, blieben aus. Und wir luden an einem Freitag den Tiefkühler voll, nur um am Montag denselben aufzumachen und festzustellen, dass das Gerät der Innentemperatur nach zu urteilen seit wenigstens 24 Stunden nicht mehr lief. Doch, laufen tat es schon. Es ging alles. Nur das Kühlaggregat ganz offensichtlich nicht.

Hektisch kümmerten wir uns erst mal drum, so viel wie möglich zu retten, das komplett getaute Zeug schnell zu verwenden, luden einen Freund zum Thaicurryessen ein, kaperten eine Tiefkühlschublade einer dankenswerterweise hilfsbereiten Nachbarin, und der Liebste kontaktierte den Technischen Kundendienst von LG, mit Geräte-ID, Vertragsblabla, usw.usf., und bekam einen Autoresponder, man werde ihn zwecks Terminabsprache kontaktieren.

Was nicht kam, war ein Anruf von LG oder einem Servicepartner. Stattdessen war unsere Service-Anfrage nach zwei Stunden bei LG ohne Versuch einer Kontaktaufnahme als „erledigt“ markiert. WTF? Eine Autoresponder-Mail verwies als Reply-to auf eine Do-Not_Reply-To-This-Adresse, die selbstredend bouncte. Möglichkeiten, das bestehende Ticket zu reaktivieren oder irgendwie zu kommunizieren: Fehlanzeige. Man hätte noch eine Servicehotline anrufen können… wenn man sich die denn selbst irgendwo aus dem Web suchte.

Da der LG gerade eben so 5 Jahre alt war, und wir natürlich beim Kauf keine Garantieverlängerung abgeschlossen hatte (es gab damals auch keine für mehr als 3 Jahre), standen wir vor der Frage: suchen wir uns einen Elektrofachhandel in HH, der das Ding repariert, oder kaufen wir neu? Wir überschlugen die Kosten: ein neues Kühlaggregat, ggf. Abholung und Neulieferung, plus Arbeitsstunden, von der durchaus realistischen Möglichkeit, dass die Fachhändler keine LG-Teile da hatten und würden bestellen müssen,  mal ganz abgesehen, das alles summierte sich, und auch der Faktor Zeit drängte etwas. Deswegen entschieden wir uns schweren Herzens und etwas verärgert, ein Neugerät zu kaufen, auch wenn das im Budget nun wirklich nicht vorgesehen war. Von einem anderen Hersteller.

48 Stunden später hatten wir einen neuen Kühlschrank, der weitere 12 Stunden darauf in Betrieb ging. Zu diesem Zeitpunkt kam dann auch tatsächlich noch eine Nachricht von LG. Sinngemäß: Gerät zu alt, uns doch egal, wir machen keinen Service, geht doch zum lokalen Reparaturdienst damit. Vielen Dank für das Gespräch. Kundenbindung geht anders.

In meinem Haushalt steht noch ein Gerät von LG: ein Fernseher. Und nach dieser Erfahrung wird es auch das letzte Gerät von LG bleiben.

Appetit bekommen? - Hungry for more?

6 Antworten

  1. Dirk sagt:

    Ok, also keinen LG-Kühlschrank, merke ich mir.

    Ich hab ja vor 7 Jahren einen Siemens Side-by-Side gekauft, nur um dann in den letzten Jahren zu erfahren, dass der nicht von Siemens gefertigt wird, sondern in China eingekauft wird. Dementsprechend war auch der Eisbereiter schon zweimal kaputt (Wasser läuft irgendwo über im Gefrierteil und sammelt sich dann irgendwo in Form von großen Eisplatten). Einmal wurde der ganze Eisbereiter getauscht, zum Glück auf Kulanz (sonst hätte das 480 € gekostet). Allerdings ist der Rest ganz wunderbar verarbeitet, da ist nichts kaputt gegangen oder gar spröde, das ist alles sehr gut und sehr funktional.

    Doch, es gab noch eine zweite Reparatur: Eine der beiden LED oben ist kaputt gegangen, und leider keine Standard-LED, die man austauschen kann. Hab ich versucht, aber keine passende gefunden. Daher dann doch die Ersatzplatine gekauft (für > 100 € für eine verdammte LED, die kaputt ist).

    • FoodFreak sagt:

      *HUST* 100 Euro für etwas Licht? da kann man ja über phosphoreszierende Pilze nachdenken 😉 – danke für den Bericht; ich hoffe aber sehr, dass ich in nächster Zeit keinen Bedarf an einem weiteren Kühlschrank habe…

  2. Claudia sagt:

    Danke für das teilen dieser Erfahrung. Nutze eine 21 Jahre alte Liebherr Kombination und schleiche seit langem um einen Ersatz rum. So weiß ich jetzt, was es keinesfalls werden wird.

    VG
    Claudia

  3. Roman H. sagt:

    Das ist ärgerlich. Kühlschränke im Allgemeinen sind eine Sache für sich. Von Beruf wegen muss ich mich mit diesen Geräten und den Herstellern regelmäßig auseinandersetzen.

    Privat nutze ich ein Gerät von Bosch aus dem oberen Preissegment. Aber dafür sind Qualität und Service auch sehr gut.

    Der Transport in den vierten Stock war bei einem Gewicht von über 170 Kilogramm allerdings ein ganz besonderes Ereignis. Ich werde nie wieder umziehen.

    Ein ähnliches Erlebnis wie du hatte ich mit einem Kühlschrank von Smeg. Von außen war er so etwas wie der Porsche unter den Kühlschränken. Nach der ersten Inbetriebnahme produzierte er dann regelmäßig Geräusche, die ich von einem Kühlschrank nicht hören will. Nach 3 Monaten hat dann der Kompressor den Geist aufgegeben.

    Der „Service“ war auch nicht der große Wurf. Ich hätte es besser wissen müssen, aber das Design war einfach zu überzeugend. Ansonsten könnte man wahrscheinlich auch einfach die Herstellernamen beider Geräte vertauschen.

    Die Zusatzgarantie würde ich immer in Anspruch nehmen, wenn sie angeboten wird. Was nicht heißt, dass bei jedem Hersteller der Service groß geschrieben wird, nur weil ein Defekt während der Garantiezeit auftritt.

    Grüße
    Roman H.

  4. Barbara sagt:

    Nun, das vermeintlich gute deutsche Unternehmen Liebherr ist nicht viel anders. Einen eigenen Kundendienst gibt es nicht, nur einen Reparaturdienst, der für alle möglichen Firmen tätig ist.
    Mein „begehbarer“ Kühlschrank war ein Jahr älter, als der Griff zum Öffnen brach. Die gesamte Außenhülle des Teils bestand aus Edelstahl, aber ein Verschleißteil wie dieses war aus Plastik und mit Silberfarbe aus der Sprühdose überzogen…
    Der Reparaturdienst wollte € 79,– für die Anfahrt und prinzipiell mindestens 1 Stunde Arbeitszeit berechnen (ich erinnere den Stundenpreis nicht mehr). Natürlich hatte man den Griff nicht vorrätig und die Bestellunzeit belief sich auf eine Woche.
    Daraufhin kontaktierte ich Liebherr direkt und ein sehr kompetenter Mitarbeiter erklärte mir das Auswechseln des Griffs und für um die 10 Öcken bekam ich ihn innerhalb von 2 Tagen zugeschickt.
    Nur kurze Zeit später kühlte der Begehbare nicht mehr und es trat eine leicht klebrige, rötlich aussehende Flüssigkeit aus die fischig roch (der Lieferant der das Teil entsorgte, bestätigte das: riecht das Zeug fischig, ist der Kühlschrank hin).
    Nach Recherche im Netz und ähnlichen Überlegungen wie Sie, haben wir zähneknirschend ein neues Gerät von Bosch gekauft.
    Ich konnte einfach nicht glauben, dass ein so teures Stück nach so kurzer Zeit bereits seinen Geist aufgibt.

    Noch Schlimmeres habe ich mit dem once in a lifetime Kauf einer Miele Waschmaschine erlebt. Da fällt einem ja noch die „deutsche Wertarbeit“ ein. Stimmt leider nicht und niemals würde ich noch einmal soviel Geld ausgeben. Stünde sie nicht in der Waschküche, wo sie lecken kann soviel sie will, müsste ich eine neue haben.
    Ein Elend und Beschiss.

  1. 2. April 2017

    […] wenn der verreckte Kühlschrank schon wegen der momentan finanziell angespannten Lage gute Chancen auf den Titel hatte, hat sich […]

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