Die Tropenbox – frische Früchte aus Thailand frei Haus

Dieser Artikel wurde zuletzt am 3. Februar 2017 aktualisiert

UPDATE (Stand Februar 2017): Der Anbieter hat seine Dienste eingestellt.


20150115-SM-N9005-tropenbox

Vor einigen Wochen fragte mich das Team der Tropenbox, ob ich nicht mal ihr Angebot testen wolle. Ich war sehr skeptisch, warum, lest ihr weiter unten.

Schließlich sagte ich doch zu – warum? Ich bin allergisch gegen die meisten Obstsorten in Europa, jedenfalls im Rohzustand, und ab und zu mag auch ich gern etwas frisches Obst essen, und zwar was andres als nur Bananen und Orangen.

Von meinen Reisen in Südostasien kenne ich eine Vielzahl tropischer Früchte, die sich mit meinem Immunsystem vertragen, und die ich mag. Das primäre Problem ist, dass es die bei uns meist nicht reif zu kaufen gibt. Enter: Tropenbox.de

Das Versprechen: in Asien, hier Thailand, reif (!) geerntete Früchte werden zügig gepackt und nach Europa geflogen, und direkt bis an meine Haustür geliefert. Diese Früchte sollen aus „fairen“ kleinbäuerlichen Strukturen kommen, ich setze das bewusst in Anführungszeichen, denn zumindest bislang sind das nur Behauptungen, die Tropenbox nicht belegen kann – weder durch Zertifikate, noch sonst irgendwie.

(–) Familien (…), die ihre Früchte nicht nur in großen Monokulturen anbauen, sondern auch auf Permakulturen und traditionelle Anbaumethoden setzen.

Versprochen wird auch „faire Bezahlung“.

Wir versprechen darauf zu achten, dass die Obstbauern, mit denen wir zusammenarbeiten, eine faire Bezahlung erhalten. In diesem Punkt gehört die Kontrolle der Geldflüsse zu den schwierigsten Aufgaben in der Lieferkette zu Ihnen nach Hause. Soweit möglich, sichern wir durch den Einkauf bei Bauernorganisationen in Thailand die hohe Qualität und faire Bezahlung Ihrer Tropenfrüchte direkt vor Ort ab.

Auf Wunsch stellen wir Ihnen Belege zur Verfügung, die beweisen, dass Ihre Früchte bei einer offiziell anerkannten Bauernorganisation bezogen wurden.

Ich stecke nicht tief genug in der Materie, um das entsprechend bewerten zu können. Es gibt aber durchaus Organisationen wie Green Net, die sich für solche Ziele einsetzen. Hier würde ich mir deutlich mehr Informationen und Transparenz wünschen.

Lassen wir das alles mal kurz außen vor, und schauen wir auf die Früchte.

Das Angebot von Tropenbox.de ist ein Abo-System, d.h., man verpflichtet sich, für einen bestimmten Zeitraum eine kleine, mittlere oder große Box Früchte abzunehmen. Je länger man sich verpflichtet, umso größer die Auswahl. Zum Testen gibt es eine Probierbox, die mir Tropenbox.de freundlicherweise kostenlos zukommen liess.

Die Früchte werden in Thailand reif geerntet und angeblich auf nicht besetzten Plätzen in Linienfliegern nach Europa geflogen. Nun habe ich zwar auf meinen letzten Flügen aus Asien nach Europa eine Menge gesehen, nur keine freien Plätze, aber lassen wir das mal so stehen. Dass eingeflogenes Obst nicht eben nachhaltig ist, darüber müssen wir, glaube ich, nicht diskutieren. Immerhin ist es reif geerntet, und das sorgt für etwas, das alles per Schiff eingeschipperte Tropenobst nicht leisten kann: es schmeckt. Und zwar so, wie ich das aus Thailand kenne.

Meine (oben zu sehende) Testbox enthielt:

  • 1 Mini-Ananas
  • 2 Mangos
  • 1 Papaya
  • ein paar Apfelbananen
  • 5 Passionsfrüchte
  • 14 Rambutans

Das entsprach im Groben der (minimal anders zusammengesetzten) Testbox des Januars.

Positiv fand ich, dass die Früchte weitestgehend in Papier verpackt waren, weniger schön, dass Mango, Papaya und Ananas zusätzlich in Schaum-Kunststoffnetze gehüllt waren. Die Passionsfrüchte und die Ananas verströmten beim Auspacken bereits einen betörenden Duft.

Die Früchte im einzelnen:

  • Rambutan finde ich ziemlich langweilig. Die an Lychee erinnernden Früchte sehen sehr spacig aus, schmecken aber nicht nach viel, auch reif nicht. Hätte nicht sein müssen.
  • Die Papaya war fabelhaft, schmeckte wie in Thailand, und würde hier sicher als „Flugpapaya“ verkauft. Das gleiche gilt für die beiden absolut faserfreien, köstlichen Mangos, die nur beim ersten Anschneiden einen minimalen Petroleumgeruch verströmten, der alsbald verflog.
  • Die Ananas war süß und köstlich, allerdings bestand sie aus mehr Abfall als Frucht, was bei einer Ananas dieser Größe nicht überrascht, aber gemessen am Gesamtpreis dann doch ärgert.
  • Die Bananen kamen im oben zu sehenden Zustand an. Das Problem reif geernteter Früchte ist eben auch, dass sie beim Transport nicht weniger reif werden… ich fand auch die Auswahl unglücklich. Aus Asien kenne ich eine Vielzahl verschiedener Bananenarten, diese hier ist nicht besonders aromatisch. Da wäre mir die Supermarktbanane lieber.
  • Die Passionsfrüchte waren ein bunt gemischtes Hit-and-Miss. Einige waren sehr saftig und aromatisch, einige so sauer, dass man virtuell dem Zahnschmelz beim Abschmelzen zusehen konnte.

Summa summarum: eine sehr bunt gemischte Auswahl an Früchten in durchaus guter Qualität, bequem nach Hause geliefert. und mit einem Versprechen von Nachhaltigkeit, das sich zumindest derzeit leider nicht verifizieren lässt. Vor rund 20 Jahren, als ich die Bekanntschaft verschiedener Fruktarier im Dunstkreis von Fit-for-life und Wandmaker machte, hätte es sicher einige sehr begeisterte Abnehmer für die Tropenbox gegeben. Und wenn man ein ausgeprägter Freund tropischer Früchte ist, ist die Möglichkeit, erntereife Früchte zu bekommen, sicher interessant. Wäre da nicht noch eine Kleinigkeit.

Der Preis.

Versteht mich nicht falsch – ich bin liebend gern bereit, für gute Qualität Geld zu bezahlen. Aber 4 Kilo Obst für rund 50 Euro? Mir stockt doch ganz kurz der Atem.

Zum Mitschreiben: das sind 12,50 Euro das Kilo. Für Obst, das nicht bio-zertifiziert ist. Selbst wenn man die Versandkosten berücksichtigt – ich könnte mir das, offen gestanden, nicht auf Dauer leisten. Das Geld muss man erst mal haben. Erst recht, wenn man bedenkt, dass das keine 4 Kilo Äpfel sind, sondern hier reichlich Schalen, Kerne, Abfälle anfallen. Ich würde mir so eine Ausgabe nicht zwei-, sondern dreimal überlegen – und dann wohl eher auf dem Markt gezielt das Obst kaufen, das ich wirklich essen möchte – und sei es eben eine Flug-Ananas, Flug-Mango oder Flug-Papaya. Die sind nicht billig, aber da bekomme ich genau das, was ich möchte, in den Mengen, die mir vorschweben, wenn mir denn wirklich der Sinn nach reifem Tropenobst steht. Ich esse nicht genug Obst, um für mich so eine Box zu rechtfertigen.

Dennoch eine interessante Erfahrung. Mein herzlicher Dank geht an das Team der Tropenbox für die Möglichkeit, das zu testen. — Frl. Moonstruck hat ebenfalls getestet.


Disclaimer. Die Probekiste der Tropenbox wurde mir von tropenbox.de unentgeltlich zur Verfügung gestellt- Eine inhaltliche Beeinflussung meines Textes fand nicht statt.

Print Friendly, PDF & Email

Appetit bekommen? - Hungry for more?

8 Antworten

  1. Danke für den ehrlichen und aufschlussreichen BEricht!

  2. Thea sagt:

    Wie so oft, habe ich auch diesen Bericht sehr aufmerksam gelesen. Sehr sympathisch fand ich, dass er völlig meckerfrei war, gleichzeitig voller konstruktiver Kritik, die sich die Seitenbetreiber/Händler unbedingt zu Herzen nehmen sollten.
    Aber selbst als es mir finanziell noch gut ging, hätte ich bei diesem Box-Preis sicher nicht bestellt.
    Eben habe ich mir die Seite angesehen. Mir ist sie in der Gestaltung sehr unsympathisch und nimmt mir noch mehr die Lust auf Weiteres.
    Vielen Dank für die ausführliche Info.

  3. CarlKnutsen sagt:

    „Auf nicht besetzten Plätzen in Linienfliegern“? O.o Das ist überhaupt möglich? Finde ich spannend… weiß gar nicht, ob da nicht viele Menschen meckern würden, wenn die Kartons neben sich im Flieger stapeln haben. 😉

    Ansonsten finde ich den Preis gemessen an dem, was den beschriebenen Aufwand angeht, fast gerechtfertigt. Natürlich wird es dann so teuer, dass sich das nicht viele leisten können. Aber immerhin wirkt das Vorhaben, dass die Erzeuger auch eine faire Entlohnung bekommen sollen, realistischer.

    • FoodFreak sagt:

      also, die Methode mit dem Flieger ist so neu nicht. Insbesondere unbesetzte Business- oder First Class Sitze wurden früher auch auf der Langstrecke aus Neuseeland mit Kiwi-Kartons belegt… im Grunde ist es ja auch wurscht, warum die Fracht nicht in der Druckkabine platzieren, letzten Endes muss ein Pilot seine Payload ja irgendwie sinnvoll im Flieger verteilen. Auf der Website steht übrigens nur Linienflieger, der Satz mit den unbesetzten Plätzen stammt aus der Mailkonversation mit Tropenbox. Ich denke, sie wollen damit sagen, dass die Flugzeuge „nicht extra für sie“ unterwegs sind, so ein bisschen die Schmerzen wegnehmen, die das Herumjetten von Obst den meisten wohl verursachen dürfte. Wie aber auch Cosy Cooking auf Twitter ausführte, ist es wohl in Sachen Absatzplanung eher suboptimal, sich auf nicht besetzt werdende Sitzplätze verlassen zu wollen. Das darf man getrost cum grano salis nehmen.

      Den Punkt, dass das natürlich Geld kostet, sehe ich ein, und ich möchte auch gern glauben, dass die Preise u.a. durch faire Entlohnung zustande kommen.

  4. Sivie sagt:

    Ich finde Deinen bericht sehr interessant und sehe das Ergebnis ähnlich wie Du. Selbst mir 4 Personen würde es uns schwer fallen 4 Kg reife Frücht zu verbrauchen bevor sie verderben. Ich kaufe mir dann auch lieber wenn ich Appetit darauf habe ein Flug-… auf den Wochenmarkt. Auf solche sachen wie Mangostane oder die wirklich tollen gelben Mangos muss man dann leider verzichten.

    • FoodFreak sagt:

      die wirklich tollen gelben Mangos gibt es ab und zu mal in Asienläden, wenn die welche reingeflogen bekommen… allerdings wollen die dann auch meist eine Kiste (6 Stück oder so) absetzen.

  5. Danke für die Verlinkung – dadurch habe ich erst mitgekriegt, dass du auch testen durftest. Ich teile deine Meinung (abgesehen von den Geschmackspunkten, das ist einfach zu subjektiv) absolut und bin gar nicht auf die Idee gekommen, den Kilopreis auszurechnen. Aber du hast damit natürlich völlig recht.
    Beste Grüße, Ramona

  6. Barbara sagt:

    Was die tollen gelben Mangos betrifft: je nach Witterung haben die ab Juli/August bis ca. Mitte September Saison in Pakistan. Das ist dann auch Flugware und die Kiste mit 4 Stück kostet in meinen beiden Asialäden € 9,–. Ich kaufe immer gleich 2 Kisten und lagere diese im Biofresh Gemüsefach, da verlieren die nicht an Aroma.
    Die Mangos sind faserfrei und schmecken genauso gut wie die Thaifrüchte.
    Preise wie den hier genannten kann ich mir auch nicht leisten. Ich setze Prioritäten: kein Fleisch, Ei, Milchprodukt aus Massentierhaltung.

Kommentar verfassen