Poudre de Colombo und (k)ein Chicken Curry

Dieser Artikel wurde zuletzt am 28. August 2015 aktualisiert

Mach’s Dir selbst! habe ich die Foodiegemeinde aufgefordert – gemeint war Currypulver oder -paste. Und natürlich wollte ich auch chez Foodfreak mal wieder Curry machen.

Currypasten habe ich schon öfter gemacht, indische wie thailändische, an ein Pulver musste ich mich aber erst noch herantrauen. Von einem meiner Einkäufe im Elsaß hatte ich ein sehr feines, beinahe zitronengelbes, hocharomatisches Currypulver mit dem Namen Poudre de Colombo mitgebracht – und da das in unseren Breitengraden nicht zu finden ist, lag es nahe, das auszuprobieren.

Poudre de Colombo

Im WWW finden sich einige Rezepte auf Englisch, die sich ziemlich ähneln und eigentlich nur in einem Punkt signifikant unterscheiden: der Zugabe von Reismehl, oder eben auch nicht. Ich habe mich für das Reismehl entschieden, da auch mein französisches Curry dieses enthielt. Leider hatte ich das Gläschen nicht mehr zur Hand.

Was ist überhaupt Poudre de Colombo? Bei Food & Wine kann man lesen:

Colombo is a spice blend that was introduced to the Caribbean by Indian and Sri Lankan laborers. In fact, colombo is named after the capital of Sri Lanka

Tatsächlich gibt es Poudre de Colombo aber auch in Mauritius und Réunion, sicherlich auch nach dort mit Seefahrern und Arbeitern aus Sri Lanka gekommen. So schließt sich dann wohl auch der Kreis zum französischen Supermarkt, Épice fine poudre de Colombo de l Île de la Réunion ist eine in den überseeischen Gebieten Frankreichs durchaus gebräuchliche Gewürzmischung, nach der ich dann beim nächsten Frankreichtrip wieder die Augen aufhalten werde.


Poudre de Colombo

nach verschiedenen Quellen im WWW

Ergibt: 1 Batch

Zutaten

  • 3 Esslöffel Langkornreis
  • 3 Esslöffel Koriandersamen
  • 3 Esslöffel Kreuzkümmelsamen
  • 1 Esslöffel schwarze Senfsamen
  • 1 Esslöffel Bockshornkleesamen, fenugreek
  • 1 Esslöffel schwarze Pfefferkörner
  • 1 Teelöffel Gewürznelken, ganz
  • 3 Esslöffel Kurkuma

Zubereitung

  1. Den Reis in einer trockenen Pfanne anrösten, bis er leicht Farbe nimmt. Auf einen Teller geben. komplett erkalten lassen, dann fein mahlen.
  2. Die übrigen Gewürze mit Ausnahme des Kurkumapulvers in der Pfanne anrösten bis sie duften, ebenfalls erkalten lassen.
  3. 20140726-Canon PowerShot S100-poudre02

  4. Die Gewürze mahlen, mit Kurkuma und Reismehl mischen (durchsieben für gute Durchmischung).

Noch ein Punkt bei dem sich die Rezepte unterscheiden: Mal wird das Gelbwurzpulver angeröstet, mal nicht, ich habe mich dagegen entschieden.

20140727-Canon PowerShot S100-poudre03Das Currypulver habe ich nach dem Mahlen durchgesiebt, und die gröberen Reste noch einmal fein gemahlen. Daraus erwächst gleich die erste Erkenntnis für mich: so fein wie ein kommerzielles Pulver bekomme ich mit meinen Möglichkeiten (ohne Thermomix o.ä.) ein hausgemachtes Pulver nicht gemahlen. Auf dem Bild kann man die unterschiedlichen Schichten noch ganz gut erkennen.

Beim Anrösten der Gewürze roch die Küche angenehm ätherisch-aromatisch; das fertige Currypulver schmeckt nicht schlecht, lässt aber die feinen ätherischen Kopfnoten vermissen, die ich gerade am Poudre de Colombo so schön finde. Während ich das Pulver abfüllte, dachte ich darüber nach, dass frisch gemahlener Kardamom eventuell die richtige Zugabe wäre.

Witzigerweise hat am gleichen Tag auch Daniela von der Leberkassemmel Poudre de Colombo hergestellt – und siehe da: ihr Rezept enthält Kardamom!

Mit dem Curry habe ich dann ein Hähnchencurry aus Trinidad nach ungefähr diesem Rezept geköchelt. Das war nicht schlecht, riss mich aber auch nicht vom Hocker. Irgendwas fehlt…

Insofern die zweite Erkenntnis: es geht mir wie Petra von Chili & Ciabatta mit ihrem gerösteten Sri-Lanka-Curry – ich ziehe ein kommerzielles Pulver wegen der Feinheit der Vermahlung und der aromatischen Komplexität in diesem Fall dem selbst gemachten Produkt vor. Zum Beispiel liebe ich das Babas Curry for Meat aus Malaysia (selbst mitgebracht), oder das mild-köstliche Maharadja-Curry von Ingo Holland.

Sicher werde ich dennoch mal wieder Curry-Pulver herstellen – ein srilankisches Kochbuch wartet schon hufescharrend auf Einsatz, mit vielen Curry-Rezepten; auch Sambhar-Pulver werde ich sicher wieder mal machen, und eines der vielen Masalas der indischen Küche.

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

8 Antworten

  1. Ich fand es trotz allem ganz interessant, mal selbst als Gewürzmischer tätig zu werden. Wenn ich allerdings gute Produkte (wenn möglich direkt aus dem Land) bekomme, werde ich da weiterhin gerne zugreifen 🙂

    • FoodFreak sagt:

      auf jeden Fall; und es gibt auch Mischungen, die ich gar nicht mehr kommerziell kaufen würde – Garam Masala zum Beispiel. Ein frisch gemachtes Punjabi Garam Masala schlägt einfach jede Tütenware um Längen (wenn ich auch schwer vermute, dass ein Ingo-Holland-Garam Masala dennoch grandios wäre) .

  2. Squeegy Beckinstein sagt:

    Sieht gut aus, aber wie Du sagst, wenn es Baba’s Meat Curry Powder gibt, wieso selber machen 😉 Das Curry Powder meiner Kindheit 🙂

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