Mein erstes exotisches Essen

Dieser Artikel wurde zuletzt am 18. Juni 2016 aktualisiert

Paella txapelketa: Txapelduna

Die Metro wird 50, und anlässlich dieses Jubiläums erinnert sich Carmen Hillebrand vom MetroGenussblog an die kulinarischen Veränderungen und Neuerungen in Deutschland in diesem halben Jahrhundert.

Und wie haben wir selbst das erlebt? Die 50 habe ich noch nicht ganz voll, aber ich reihe mich mal ein in ihre Blogparade zum Thema: Mein erstes exotisches Essen – ein persönlicher Blick in 50 Jahre Gastronomiegeschichte Deutschlands.

Ich glaube ja, dass sich unsere gastronomische Kultur stark mit den Einwanderern (zwischendurch hießen sie mal „Gastarbeiter“, heute reden wir von Migranten, und alles klingt irgendwie falsch) aus Südeuropa verändert hat. Mehr noch als die gastronomische Kultur sind es die Speisen die wir als normal ansehen, die sich verändert haben. Vor den Zeiten italienischer Einwanderer (und Miracoli) hätte wohl kaum jemand Spaghetti Bolognese als Alltagsgericht in Deutschland gefunden; ich kann mich erinnern, dass ich als Kind rote Zwiebeln anschleppte, und meine Mutter die mit viel Skepsis im Garten anbaute (und seither jedes Jahr zieht).

Iberische, italienische, türkische Gemüseläden, Cafés, Restaurants sind heute ebenso „normal“ wie ein Asienladen. Das Verhältnis zu gutem, selbst gemachtem Essen scheint mir aber z.B. bei meinen portugiesisch- und türkischstämmigen Nachbarn ausgeprägter als bei den meisten, die sich als „deutsch“ verstehen… warum das so ist, möge eine andere Blogparade vielleicht ergründen.

Mein erstes „exotisches“ Essen fand jedenfalls im Alter von 9 Jahren statt, und nicht in Deutschland, sondern im ersten Urlaub den sich meine Eltern seit Jahren leisten konnten: auf der Insel Mallorca. Da mein Vater ein ziemlich krüscher Esser war, hatten meine Eltern sich ein „besseres“ Hotel mit einem guten Buffetangebot ausgesucht, und ich schlich am ersten Abend ausgesprochen irritiert um ebendieses Buffet herum, und kam mit einem Teller Möhrenraspel, Pommes Frites, und einer halben Zitrone zurück. Meine Mutter besah sich das Ganze kurz, und nahm mich dann an die Hand, um gemeinsam mit mir das Speisenangebot in Augenschein zu nehmen.

Neben einer für mich unüberschaubaren Menge von Salaten, an die ich mich nur vage erinnere – auf jeden Fall war ensaladilla rusa dabei, und marinierte Sardellen, und irgendwas mit viel Paprika – gab es vor allem Fischgerichte, die mir neu waren. Und was auf keinem Buffet fehlen durfte war: Paella.

Vermutlich war das erste, was ich auf Mallorca aus der spanischen Küche kennen gelernt habe, eher eine Art Albondigas, Hackbällchen in Tomatensauce, aber unter dem Aspekt Exotik betrachtet, zähle ich Paella als mein erstes wirklich exotisches Essen. Reis gab es zu Hause nur als Milchreis oder zu Frikassee oder evtl. gefüllten Paprika, aber so hatte ich noch nie Reis gegessen. Safran war mir ebenso neu wie gebackene Miesmuscheln oder gar die großen Mittelmeergarnelen, die stets heiß begehrt waren.

Überhaupt war so ein (in dieser Zeit sehr gut ausgestattetes) Hotelbuffet in der damals noch staatlichen Hotelkette Iberotel ein wahres Füllhorn an Entdeckungsmöglichkeiten, etwas, das ich nach dem ersten Kulturschock ausgiebig genutzt habe: Zeug in kleinen Mengen probieren zu können und eben stehen zu lassen, wenn es mir nicht zusagte. Die Option Pommes war schließlich immer als Rückversicherung da 😉

Und wer jetzt noch ein erprobtes Rezept für Paella sucht, wird hier bei Chili & Ciabatta fündig.



(Bild: sangutxujai, Lizenz: CC BY-SA 2.0)

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

1 Antwort

  1. Hallo liebe Petra,

    ein sehr schöner Artikel, wie ich finde. Ich bin selbst auch ein großer Fan der spanischen Küche. Mein Studium der spanischen Literaturwissenschaft hat mich für ein Semester nach Alicante verschlagen. Das war großartig! Tolle Tapas und noch tollere Paella der Mütter meiner Freundinnen. In Alicante habe ich auch das erste Mal Tintenfischringe mit Tinte gegessen. Das war wiederum nicht so ganz meins…Meinen spanischen Mitbewohnerinnen habe ich Glühwein serviert…den tranken sie mit großem Befremden. Sangria warm? Was dagegen sehr gut ankam: Ein Teestövchen. Diese deutsche Erfindung fanden sie sehr hilfreich!

    In diesem Sinne einen schönen Abend mit gutem Essen und Getränk!

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