Pizzoccheri mit Frau Loreta

Dieser Artikel wurde zuletzt am 28. August 2015 aktualisiert

2013-09-06-casa-tome-19Unterwegs auf einem sehr schönen langen Wochenend-Trip durch Graubünden, passenderweise mit wunderbarem Spätsommer-Wetter gekrönt, hatte ich Gelegenheit, in der Casa Tomé, einem alten Bauernhaus in Poschiavo, das heute ein lebendiges Museum ist, Halt zu machen.

Die Casa Tomé ist ein altes Bauernhaus in der Tradition der Region, das im Innenstadtbereich von Poschiavo vollständig so erhalten ist, wie die Menschen dort über Jahrhunderte gelebt haben – bis 1992 war das Haus von zwei Schwestern bewohnt, deren kompletter Hausstand einschließlich persönlicher Gegenstände dort verblieben ist.

Sie lebten in dem alten Steinhaus mit schweren dicken Mauern und steilen Holztreppen, winzigen Fenstern (ausser in der guten Stube), mit ihren Tieren im angebauten Stall, mehreren Öfen, ohne Strom, ohne Toilette, mit einem einzigen Kaltwasserhahn. Obwohl mich „Heimatmuseen“ normalerweise nicht so sehr interessieren, ist die Casa Tomé, Bestandteil des Museo Poschiavino, ein faszinierendes Stück Zeit- und Kulturgeschichte – vielleicht, weil es eben keine zusammengetragene Sammlung von Einzelobjekten ist, sondern ein beinahe voyeuristischer Blick in das Leben realer Menschen.

(Alle Bilder die ich dort gemacht habe kann man hier bei Flickr sehen).

Lebendig wird das Museum auch durch einige Freiwillige, die dort Kurse geben und den Schaugarten pflegen. Loreta Ferrari hat sich an diesem Tag die Zeit genommen, mit uns Pizzoccheri, eine typische Spezialität der Region, zu kochen – schon beim ersten Spaziergang durch Poschiavo waren mir viele schöne Bauerngärten mit zahlreichen verschiedenen Gemüsen aufgefallen.

Ein paar Eindrücke aus der Casa Tomé:

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Zum Museum gehört ein kleines Schaugärtchen, in dem neben blauen Kartoffeln und typischem Puschlaver Pflücksalat auch ein altes Apfelbäumchen zu finden war, sowie Buchweizen und bunter Mangold.

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Loreta zeigte uns, wie man den Teig für die Pizzoccheri – ein ganz einfaches Nudelgericht mit einem Anteil an steingemahlenem Buchweizenmehl, das (wieder) in der Region produziert wird – herstellt, die Nudeln ausrollt, und erklärte die typischen Bestandteile des Gerichtes (darunter Möhren, Kartoffeln, und eben auch Mangold).

Als Quintessenz habe ich mitgenommen, dass jede Familie in der Region ihr eigenes Rezept hat, und bestimmte Gemüse nach Verfügbarkeit und vor allem persönlichen Vorlieben zugegeben werden, und man darüber notfalls auch ausgedehnte Diskussionen führen kann 😉 Wichtig sei vor allem VIEL Gemüse, und am Ende ein kräftiger Guss heisses Butterschmalz.

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In dieser Küche wurde das Essen original auf dem alten Holzofen zubereitet.

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Das fertige Essen:

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Dazu gab es das leckere Puschlaver Brot, auf dem nächsten Bild zu sehen, und eine im Ort gefertigte Mortadella, die sich als eine überaus köstliche Streichmettwurst entpuppte. Ganz einfach, und sehr lecker.

Wer das Gericht einmal selbst ausprobieren möchte: Ein stilechtes Rezept für die Pizzöcar ala pusc’ciavina hat Robert von Lamiacucina im Angebot.

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Disclaimer

Dieser Ausflug wurde ermöglicht durch die Region Graubünden in der Schweiz – vielen Dank! Eine inhaltliche Beeinflussung meiner Artikel fand nicht statt; sämtliche Bilder wurden von mir selbst erstellt, und die Texte geben meine persönliche Meinung wieder.

Appetit bekommen? - Hungry for more?

1 Antwort

  1. 29. September 2013

    […] ich ja schon schrieb, habe ich kürzlich ein sehr schönes langes Wochenende im Schweizer Kanton Graubünden verbracht. […]

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