Nasi Lemak (und Ikan Bilis)

Dieser Artikel wurde zuletzt am 21. März 2017 aktualisiert

Frau Magentratzerl wünscht sich kulinarische Urlaubserinnerungen von den Teilnehmern ihres Events:

Was esst Ihr im Urlaub? Kocht Ihr selbst auf dem Herd in der Ferienwohnung oder auf dem Campingkocher? Oder geht Ihr essen? Lauft Ihr über Märkte und durch Supermärkte und überlegt Euch, welche Leckereien Ihr mit nach Hause nehmen könntet? Kauft Ihr Kochbücher als Urlaubserinnerungen? Gibt es Erfahrungen, auf die Ihr gut hättet verzichten können? Gerichte, die so toll waren, dass sie jetzt regelmäßig auf Eurem Speiseplan stehen? Und die Flops?

Aaaaaalsooo…..

Wenn ich längere Zeit an einem Ort bin, habe ich gern die Option zu kochen, in einer Ferienwohnung zum Beispiel. Allerdings kommt das auch arg auf die Region an – in Südostasien, wo es an jeder Straßenecke fabelhaftes und günstiges Essen zu kaufen gibt, würde ich mich nicht hinstellen und kochen wollen. Märkte und Supermärkte im Ausland liebe ich total, und wünsche mir bei vielen, ich könnte sie einfach mit mir nach Hause nehmen – wie einen mexikanischen Fry’s in der ansonsten Lebensmitteldiaspora im südlichen Arizona, oder die unglaublichen wet markets aus Asien… aber auch französische oder belgische Supermärkte können ein Mekka sein; und überhaupt ist lokales Essen immer ein wichtiges Thema bei all unseren Reisen.

Auf mehreren Touren in Asien haben wir uns durch die Straßenküchen gefuttert, und auch viele Gerichte lieben gelernt, die ich heute koche – eins davon folgt gleich. Dabei haben wir eigentlich nie danebengegriffen – die Straßenküchen kochen nicht nur lecker und günstig, sondern man kann auch relativ bedenkenlos das einheimische Essen kosten (zumindest da wo wir gegessen haben). Was mich dann zu der Erfahrung bringt, auf die ich ganz super hätte verzichten können: die übelste Fischvergiftung meines Lebens, zugezogen (durch Ausschlussverfahren bei den Mitreisenden ermittelt) ausgerechnet in einem teuren, noblen Seafood-Restaurant an einer super touristischen Location. Die Details erspare ich Euch…

Auf Sri Lanka schließlich habe ich die srilankische Curry Cuisine schätzten gelernt, und seither schon einige Male sri lankisch gekocht. Aber das Gericht, das mich vielleicht wie kein zweites durch zwei Touren begleitet hat, die auch nach Malaysia führten, war Nasi lemak.

Nasi Lemak

Nasi lemak bedeutet wörtlich eigentlich „fetter Reis“ und heisst so, weil der Reis mit Kokosmilch gekocht wird. An Straßenständen kann man oft für ein paar Ringgit kunstvoll in Bananenblätter gewickelten Kokosreis kaufen, in dessen Innerem dann die Beigaben – meist Sambal und ein paar Erdnüsse – versteckt sind.

Der Preis steigt mit der Menge und Qualität der Zugaben. aber auch in Straßenküchen und einfachen Restaurants findet sich Nasi lemak – ob man nun am Low Cost Carrier Terminal in Kuala Lumpur sitzt und Hunger hat, an einer Bushaltestelle im Inland, oder vielleicht auch auf dem Penang Hill die Aussicht auf die Stadt genießt. Tatsächlich haben wir dort, an einer viel belaufenen Touristenattraktion, für umgerechnet 1,30 Euro ein ausgesprochen leckeres Nasi lemak gegessen, mit fabelhaften Ikan Bilis.

Und jetzt fragt Ihr Euch vermutlich: ikan was?

Das erkläre ich nach dem Rezept 🙂


Nasi Lemak

Ergibt: 4 Portionen

Zutaten

REIS

  • 3 Kaffeetassen Langkornreis
  • 2 Kaffeetassen Kokosmilch aus dem Tetrapack
  • 1 Kaffeetasse Wasser, plus 1 kleiner Schuss
  • 1 Schalotte, geschält, feine Halbringe
  • 1 Teelöffel Salz
  • 2 Pandanblätter, jeweils einen Knoten hineingeschlungen – optional

SAMBAL IKAN BILIS

  • 4 große Schalotten
  • 1 Handvoll getrocknete rote Chilischoten
  • 1 Esslöffel Belacan, ersatzweise Thai-Krabbenpaste (gkapi)
  • 4-5 Esslöffel Kokosöl
  • 1 Teelöffel Salz
  • 4 Esslöffel Tamarindenmus, aus dem Glas
  • 6 Esslöffel Wasser
  • 70 Gramm heller Rohrzucker
  • 1-2 Handvoll Ikan Bilis

UND

  • 4 Eier, hart gekocht
  • 1 Kaffeetasse rohe Erdnüsse mit dunkler Innenhaut
  • 1 Handvoll Ikan bilis
  • 1 Salatgurke
  • Koriandergrün
  • Kokosöl, zum Frittieren

Zubereitung

  1. Reis: Alle Zutaten in den Reiskocher geben, mit dem Reiskocher garen. Auffluffen, warm halten.
  2. Für das Sambal zunächst die Chilis mit kochendem Wasser übergießen und ca. 10 Minuten weichen lassen. Abtropfen, mit geschälten Schalotten im Elektrohacker zu einer groben Paste mixen (oder von Hand schneiden und dann mörsern).
  3. Im Wok das Kokosöl erhitzen. Die Ikan Bilis für das Sambal darin goldbraun und knusprig frittieren. Auf Küchenpapier abtropfen lassen (und nicht alle wegnaschen). Krabbenpaste im heißen Fett zerdrücken und kurz anbraten, dann die Chili-Schalotten-Mischung zufügen. Unter Rühren braten, bis sich das Öl von der Chilipaste trennt.
  4. Nun den Zucker, das Salz, Tamarindenmus und Wasser unterrühren, ungefähr 20 Minuten köcheln lassen, bis die Masse dick wird, ab und zu rühren. Am Ende die frittierten Bilis untermischen. Mit Salz und Zucker abschmecken. Vorsicht: scharf!
  5. Für die Garnitur die Eier pellen und halbieren, die Gurke dekorativ aufschneiden. Kokosöl in einem Wok oder kleinen Topf erhitzen, Zuerst die Erdnüsse darin dunkel frittieren, dann die Ikan Bilis knusprig ausfrittieren.
  6. Den Kokosreis mit dem Sambal, Ei, Erdnüssen, Gurke, Ikan Bilis, und etwas Koriandergrün anrichten und servieren.

In der malaysischen Küche gibt es ein paar wichtige Grundzutaten, und fast alle basieren auf Fisch. An der Ostküste wird keropok lekor gemacht und andere Krupuk-Varianten – das sieht im nicht geschnittenen, nicht frittierten Zustand aus aus wie riesige Würste oder Penisse aus Fischpaste, und ich musste beim Anblick der Fischwürste auf den Märkten immer an die „Fischpasteschnittchen“ in Raumschiff Titanic denken…

Die zweite Zutat ist Belacan (oder Belachan), eine fermentierte Krabbenpaste, die in Europa nur schwer zu finden ist – ersatzweise nehme ich Anchovis in Öl, oder gkapi, die thailändische Krabbenpaste, die man in den meisten Asienläden bekommt.

Hinter Ikan Bilis verbergen sich kleine getrocknete Fischchen. In Lumut, dem Tor nach Pangkor, hätte ich säckeweise spottbillig die besten Ikan Bilis Malaysias kaufen können, hätte ich denn nur Platz dafür gehabt… Ikan bedeutet Fisch, Ikan bilis sind Anchovis. Diese getrockneten Anchovies werden ausfrittiert in allerlei Gerichten wie eben diesem typischen Sambal zu Nasi lemak verwendet, und schmecken (so man denn Fisch mag) unglaublich lecker – Ikan bilis und Erdnüsse, die mit Chili frittiert wurden, sind auch ein beliebter Snack.

In Deutschland findet man diese Fischchen meist in der Tiefkühlung oder Kühltheke im Asienmarkt, da gibt es Tütchen mit Ikan bilis in unterschiedlichen Größen, ideal als Beigabe sind die 2-3 cm langen Fischchen; für das Sambal habe ich eine etwas feinere Größe genommen. Die großen sind dafür aber genauso okay, das Sambal sollte ohnehin etwas stückiger ausfallen als bei mir.

Pandanblätter habe ich leider dieses Mal keine aufgetrieben, weswegen mein Nasi lemak ohne die duftige Note der grünen Blätter auskommen musste; man kann es weglassen, aber wenn man es bekommen kann: unbedingt ausprobieren.

Gegessen wird dann einfach alles zusammen – vorsichtig ein wenig Sambal mit dem Reis mischen, und von den anderen Beigaben nach Gusto dazu essen. Ich habe irgendwie *immer* zuwenig frittierte Ikan Bilis, also ruhig ein paar mehr machen, und die Gurkenscheiben braucht man zum Löschen, wenn das Sambal so stilecht feurig ausgefallen ist wie bei mir. Im Sambal vereint sich dann auch wieder die klassische Aromenkombo hot (Chili), sour (Tamarinde), salty (Fisch und Salz) und sweet (Zucker).

Makan makan!

Blog-Event – Urlaub auf dem Teller (Einsendeschluss 11.09.2013)

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

5 Antworten

  1. Susanne sagt:

    Oh danke….was für ein Festessen. Da ich grade nicht weggkomme, hilft nur Nachkochen 🙂 Ich werde mal im Asiashop nach den Fischlein fahnden.
    Und was das Essen im Urlaub angeht, haben wir wohl dieselbse Auffassung.

  2. Dirk sagt:

    Vielen Dank für dieses tolle authentische Rezept. Ich habe zwei Fragen dazu:

    1. Kann es sein, dass die Menge an Kokosmilch etwas zu großzügig bemessen ist? Ich habe es zweimal gemacht und bisher kam mir der Reis immer zu süß vor.

    2. Da ich nur für zwei Personen koche und die Mengen grob abschätze, ist mir beim letzten Mal viel Sambal übrig geblieben. Kann man das fertige Sambal Ikan Bilis einfrieren?

    • FoodFreak sagt:

      Hallo Dirk,

      also für mich war die Menge stimmig. (Du benutzt aber schon ungesüßte Kokosmilch?) Du kannst jederzeit Kokosmilch durch Wasser ersetzen, wenn dir das so nicht behagt (oder reduzieren, wenn dein Reis weniger Flüssigkeit braucht).

      Das Sambal hält sich ziemlich lange einfach in einem Glas im Kühlschrank; sehr gut macht es sich auch in dem gerösteten Tomatensugo anstelle der dort verwendeten Chili, Knoblauch und Anchovismenge (einfach ein paar Klackse davon in die Form setzen).

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