Gerösteter Blumenkohl | Kimchi-Remoulade

Dieser Artikel wurde zuletzt am 28. August 2015 aktualisiert

Mögt Ihr Blumenkohl?

Für mich ist Blumenkohl eines dieser Gemüse, die vor allem daran leiden, dass sie in deutschen Küchen und Kantinen oft sterbenslangweilig zubereitet werden. Als ich ein Kind war, gab es Blumenkohl nur ganz ganz selten, weil der zugekauft werden musste und nicht aus dem eignen Garten kam (das Kleinklima gab es nicht her), und dann schwamm er in weißer Sauce, oder wurde in der Allzweckwaffe meiner Großmutter ertränkt, Spargelcremesuppe aus dem quadratisch-praktisch-gut-Pack. Man kann also nicht sagen, dass ich eine besonders liebevolle oder enge Beziehung zu Blumenkohl hätte – etwas, das sich auch mit dem allgegenwärtigen vegetarischen Blumenkohlbratling in Mensa wie Kantine nicht unbedingt besserte.

Schätzen lernte ich Blumenkohl in Gerichten wie Aloo Gobi aus der indischen Küche, und in Salaten wie dem orientalischen gelben Blumenkohlsalat – und damit mir die Ideen nicht ausgehen, pflege ich hier im Blog auch eine Liste schöner Blumenkohlgerichte aus den Weiten der Blogosphäre.

https://twitter.com/TheRealNimoy/status/569762773204217857

Der Liebste sagt zu Blumenkohl meist, dass er lieber Romanesco isst (wie er auch grünen dem weißen Spargel vorzieht), aber bei Gerichten wie dem Blumenkohl in Orangensauce mag auch Herr @datenhamster das nicht so geliebte Gemüse. Und als uns am Wochenende günstig ein großer schöner Blumenkohl in den Einkaufskorb hopste, lag es an mir, ein passendes Rezept zu finden.

Statt nun meine Liste oder die beständig wachsende Evernote-Datenbank zu befragen, griff ich zu Vedge: 100 Plates Large and Small That Redefine Vegetable Cooking.

VEDGE ist ein veganes Restaurant in Philadelphia, betrieben von Rich Landau und Kate Jacoby. Nun bin ich ja nicht eben verdächtig, ein Fan veganer Restaurants zu sein (wenn ich auch durchaus ab und zu vegan indisch oder sri lankisch koche), aber das Buch gefällt mir wirklich hervorragend. Rich Landau erklärt hier im Interview seine Philosophie einer veganen saisonalen Küche, die mir einfach zusagt.

Noch besser gefällt mir das Essen, welches in dem Buch vorgestellt wird – vegetarische Kochbücher und auch Gemüseküche gibt es zuhauf, aber in Vedge merkt man, dass sich jemand wirklich kreativ und mit neuen Ideen an das Thema Gemüse heran gewagt hat.

Und funktionieren diese Ideen?

Wir fanden, ja, wenn ich auch beim Kochen kleine Veränderungen vorgenommen habe.


Gerösteter Blumenkohl | schwarzer Essig | Kimchi-Remoulade

nach: Vedge: 100 Plates Large and Small That Redefine Vegetable Cooking

Ergibt: 3 Portionen als Hauptgericht mit Brot

Zutaten

  • 1 Blumenkohl
  • 2 Esslöffel Rapsöl
  • 1 Teelöffel Salz
  • 1 Teelöffel schwarzer Pfeffer aus der Mühle
  • 2 Esslöffel Chinkiang-Essig
  • 1/2 Tasse vegane Mayonnaise
  • 1/4 Tasse veganes Kimchi, nicht abgetropft

Zubereitung

  1. Den Ofen auf 230°C vorheizen.
  2. Blumenkohl in Röschen zerteilen mit ca. 2.5 cm Stengel dran.
  3. In einer Schüssel den Blumenkohl mit dem Öl, der Hälfte vom Salz, und dem gesamten Pfeffer mischen und darin wenden. Auf ein Backblech geben, backen, bis die Röschen an den Spitzen dunkel werden und karamellisieren, ca. 8-10 Minuten,
  4. Den Blumenkohl wieder in die Schüssel füllen, den Essig darübersprenkeln, gut umwenden.
  5. In einem Mixbecher per Mixstab oder im Food Processor die Mayonnaise mit Salz und Kimchi mixen, bis der Kimchi gleichmäßig wie in einer Remoulade – mit erkennbaren Stückchen – durch die Mayo verteilt ist.
  6. Den Blumenkohl heiß aus dem Ofen auf einem Klacks der Kimchi-Remoualde servieren.

Das Rezept ist so (auf Englisch) im Kochbuch abgedruckt. Ich habe den Blumenkohl etwas länger und kräftiger geröstet – dadurch wird er etwas weicher und süßlicher. Die Mengen für Mayo und Kimchi habe ich ungefähr über den Daumen gepeilt, und natürlich keine veganen Versionen verwendet, sondern mit dem Mixstab selbst gemachte Mayonnaise, und den Kimchi, den mein Asienladen eben da hatte; ebenso habe ich die Blumenkohlröschen nur auf dem Blech in (Sonnenblumen-) Öl gewendet, und später den Chinkiang-Essig dort darübergeträufelt. Es ist ein ganz einfaches Rezept, und ratzfatz gemacht – allein dafür gibt es schon einen Daumen nach oben. Der schwarze Essig macht einen erheblichen Unterschied am Endergebnis durch die malzig-säuerlichen Aromen, die er einbringt.

Bestechend ist, dass die Komponenten solo eher naja schmecken (die Kimchi-Remoulade ist lecker, aber sie hat eine knoblauchlastige Dumpfigkeit, die ich sonst mit Limette oder Zitrone abfangen würde) – zusammen gegessen wird daraus dann eine wirklich leckere Kombination, wenn ich sie auch eher als Snack oder Teil einer Art Tapas-Mahlzeit machen würde denn als Hauptgericht.

Das ist übrigens auch ein Detail, das mir an Vedge gefällt – die Gerichte sind eigentlich allesamt „kleine“ Tapasteller, die man teilen und mischen kann, und das hier wird sicher nicht das letzte Gericht aus diesem Buch sein, das meine Küche bereichert. Da es das erste Gericht daraus ist, reiche ich diesen Beitrag zu „Mein Kochbuch das unbekannte Wesen“ ein. Und weil ich mir ja immer wünsche, dass die Teilnehmer noch etwas mehr zu dem Buch schreiben, tue ich das jetzt hier auch mal.

Nach einer kurzen Einführung in die Philosophie von Vedge folgen Basics (Grundbrühen und ein paar Gewürzmischungen, die auch im Buch verwendet werden), „Small Bites and Small Plates“ (kleine Cocktailhäppchen), Suppen und Eintöpfe, „The Dirt List“ – kleine Gemüsegerichte die als beilagenartige Rezepte gedacht sind, frei nach der täglich wechselnden Liste dieser Gerichte im Restaurant, ein Kapitel über „Plates aka Mains“ – hauptgerichtähnliche Zubereitungen, und ein Kapitel mit ein wenig ungewöhnlichen Desserts. plus Brote, und zu guter Letzt beliebte Cocktails aus der Bar des Vedge sowie ein Rezept für Haus-Bitters.

Zu den Dingen, die bei mir fest auf den Nachkochen-Plan stehen, gehören zum Beispiel

  • Baby Cucumbers with Sambal and Peanuts
  • French Breakfast Radishes with Nori, Tamari, and Avocado
  • Parsnip and Chestnut Bisque with Mulled Wine–Spiced Onion Confit
  • Pho with Roasted Butternut Squash
  • Lentil Mulligatawny with Cilantro-Onion Salad
  • Portobello Stem Anticuchos
  • Spiced Little Carrots with Chickpea-Sauerkraut Puree
  • Zucchini with Pesto Trapanese

Dabei sind alle diese Dinge im Grunde einfach zu machen, das nach Bekunden des Autors „komplizierteste“ Gericht, das extra von der Restaurantversion herunteradaptiert wurde, ist „Eggplant Braciole“, auf der Mandoline fein geschnittene Aubergine, die geröstet wird, mit geröstetem Blumenkohl und Reis gefüllt, und mit einer Salsa verde serviert wird.

Vedge: 100 Plates Large and Small That Redefine Vegetable Cooking ist ein ausgesprochen feines, modernes, schönes und innovatives Gemüsekochbuch, das zwar dem Titel nach vegan ist, aber nicht nur für Veganer und Vegetarier tolle Ideen für die Gemüseküche liefert – eine echte Bereicherung meiner Kochbuchsammlung, wenn auch hier nur in der Kindle-Fassung. Und wer mal reinschnuppern möchte – bei Amazon gibt es auch eine Leseprobe für Kindle-Nutzer.

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

9 Antworten

  1. nata sagt:

    Diese ganzen Vorlieben und Abneigungen kommen so gut wie immer aus der Familie oder aus der Kindheit. Bei mir gibt es eine Generationen zurückreichende Geschichte mit Blumenkohl und Mayonnaise. Mein Vater war vor Freude ganz aus dem Häuschen, wenn er Blumenkohl zubereitete. Dann bestand ein erster Höhepunkt darin, etwas von dem rohen Gemüse zu ergattern, bevor der Rest in den Topf wanderte. Bis heute mag ich Blumenkohl in allen Variationen.

    Diese hier würde ich auch mal gerne ausprobieren. Wenn ich mich nur endlich mal zur Kimchiproduktion durchringen könnte…

    • FoodFreak sagt:

      hihi 🙂 – für 2014 plane ich eine Blog-Aktion (genauer kann ich das noch nicht eingrenzen) zum Thema Food-Projekte, Dinge an die man sich nicht so heranwagt, und Kimchi steht auf der Liste – darf ich dich vielleicht ggf. dazu ansprechen?

      • nata sagt:

        Du darfst mich selbstverständlich immer ansprechen. – Wobei ich mich an die Kimchiproduktion aus purer Arbeitsscheu bisher nicht heranwagte. Du glaubst gar nicht, wie schnell ich dann immer zu der Auffassung komme, dass frisches Sauerkraut mindestens ebenso gut ist.

  2. ich liebe blumenkohl, langweilig ist der hier auf keinen fall
    es gibt so viele möglichkeiten was man damit anstellen kann
    heute abend ist es dann wieder so weit, angebraten und mit sauerrahm, ich liebe momentan sauerrahm

    lg
    fio

  3. Kathi sagt:

    Hm, klingt ja spannend – das ganze Buch übrigens. Scheint mir allerdings, als müsse ich für viele der Rezepte erstmal noch in sehr exotischen Läden einkaufen gehen. Der schwarze Essig da kommt jedenfalls mal auf die Liste. Mal gucken ob good old Hongkongstore das führt ;). Wofür benutzt du den Essig sonst noch?

  1. 7. Oktober 2013

    […] geröstete Blumenkohl mit Kimchi-Remoulade hat uns sehr gut […]

  2. 24. Februar 2015

    […] … mit Kimchi-Remoulade […]

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