Albergo Belvedere, Alp Grüm

Dieser Artikel wurde zuletzt am 6. März 2017 aktualisiert

Wie ich ja schon schrieb, habe ich kürzlich ein sehr schönes langes Wochenende im Schweizer Kanton Graubünden verbracht. Nach einem ausführlichen Spaziergang durch Chur führte uns die Reise mit einem Salonwagen am Bernina-Express zum ersten Stopp der Tour, nach Alp Grüm. (Bilder von der Fahrt kann man bei Pastasciutta sehen).

Als wir dann auf 2091 Metern über NN aus dem Zug stiegen, erblickten wir zunächst ein japanisches Schild.

Albergo Belvedere, Alp Grüm

Alp Grüm ist ganzjährig nur per Bahn erreichbar, es gibt eine im Sommer befahrbare Zufahrtsstraße (eine ‚Saumstraße‘ genannte Schotterpiste) , die aber nur für die Anwohner frei gegeben ist. Die Japaner waren von der Bahn- und Bergbautechnik (der Bahnhof stammt aus dem Jahr 1926) so begeistert, dass sie sich das alles genau ansahen und auch gleich die Technik mitnahmen 😉

Die Sache mit dem Auto hat noch einen weiteren Nebeneffekt… es gibt keine Straße zum Bahnhof. Mit Gepäcktransfer war es demzufolge Essig. Was bedeutete, dass wir alle etwas keuchten, als wir diesen Blick auf unsere Herberge werfen konnten.

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„DA müssen wir hoch?“ Besonders die Besitzer von Rollkoffern hatten hier ziemlich zu kämpfen, ich mit meinem Outdoorrucksack dagegen kämpfte nur mit der nicht vorhandenen Fitness und der Asthmatikerlunge…

Der Ausblick von oben entschädigte dann aber doch für die Mühe.

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Die Albergo Belvedere liegt auf 2189 m über NN – wie anstrengend doch nicht mal 100 Höhenmeter sein können 😉

Von der Terrasse hat man einen wunderbaren Blick über Graubünden, zur Seite genießt man bei klarem Wetter auch noch den imposanten Anblick des Palügletschers.

Battesta und Annamaria Albin betreiben ihr Gasthaus auf dem Berg von Ende Mai bis Ende Oktober. Und Annamaria verrät mir bei einer Stippvisite in der großen Küche, dass bei ihr „nichts aus der Tüte“ kommt. Auf einer Ablage steht eine Flasche Sojasauce. Die gehöre ihrem Mann, erklärt sie, ebenso wie die Packung Gewürzpulver eines großen Herstellers, „an das Regal komm ich ohnehin nicht dran.“ Und fügt mit einem Kopfschütteln hinzu, dass sie nicht ganz wisse, was er an Sojasauce findet.

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Gekocht wird auf einem großen Gasherd und mit einem Holzofen, der aber mit Presslingen aus Holz aus einem nahen Sägewerk befeuert wird, nicht mit selbst geschlagenem Holz, da die Pellets weniger Mühe machen, und mehr Brennwert liefern. Ob sie darin auch ihr Brot selbst backe, will ich wissen, und Annamaria lacht: „Nein, wir können ja nicht alles selbst machen, aber Kuchen, den backen wir schon frisch selbst.“

Sie koche mit regionalen Zutaten und an Gewürzen benutze sie das, was sie eben da hat, vor allem Kräuter aus dem eigenen Gärtchen und Kübeln, die auch draussen auf der Terrasse stehen, und Salz und Pfeffer, mehr brauche man ja schließlich nicht. Und das stimmt, wenn man wie Annamaria mit so guten Zutaten und dann noch so gut kochen kann!

Für’s Abendessen – wir werden über Nacht bleiben, und sind in einfachen Stuben unter dem Dach der Herberge untergebracht – wird uns eine große Tafel hergerichtet.

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Das Dinner, das Annamaria für uns zubereitet hat, besteht aus Capuns (die, wie wir gleich erfahren, überall anders gemacht werden),

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einem bunten Gartensalat,

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Polenta, und einem Kalbsbraten mit Eierschwämmli und Sauce (in großen Schüsseln aufgetragen, so dass jeder sich selbst nach Gusto bedienen konnte),

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und mit einer etwas größeren Pause dann noch einem kleinen feinen Dessert, einer Zwetschgenmousse.

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Alles ist ausnahmslos lecker, und hier würde ich mich jederzeit gern bekochen lassen.

Am nächsten Morgen, vor dem Frühstück, haben uns die Wolken geschluckt.

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Aber (der Tipp von Annamaria, sich den Sonnenaufgang mit Blick nach Westen (!) auf den Gletscher hin anzusehen, war super) für mich Frühaufsteherin hat sich der Gletscher dann genau im richtigen Moment einmal kurz enthüllt.

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Die Lage auf dem Berg hier oben ist einfach phantastisch – und selbst wenn man nicht hier übernachtet (von der Gemeinschaftsdusche sollte man sich nicht schrecken lassen, alles ist picobello sauber), lohnt sich der Ausflug hier hinauf, nicht bloss wegen des sensationellen Blicks über das Engadin, sondern auch wegen des leckeren Essens, das man hier findet, und wenn es nur Kaffee und Kuchen auf der Terrasse im Sonnenschein sind.

Hotel Belvedere
albergo | ristorante
Alp Grüm

Ende Mai bis Ende Oktober durchgehend geöffnet.

www.belvedere-engadin.ch

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

1 Antwort

  1. lamiacucina sagt:

    Die langen Capuns haben wir hier auch schon gegessen. Bis nach Poschiavo hinunterlaufen mögen wir nicht mehr. Aber auch der flachere Teil vom Ospizio Bernina bis Alpe Grüm ist hübsch.

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