Meran kulinarisch

Dieser Artikel wurde zuletzt am 4. Februar 2017 aktualisiert

Meran kulinarisch

Wie könnte es anders sein, als dass über einem Bericht zu den kulinarischen Seiten Merans ein Bild einer Speckplatte steht? Doch das schöne Meran hat noch viel mehr zu bieten, das das Herz des Foodies höher schlagen lässt.

Auch von früheren Besuchen in der Stadt an der Passer hatte ich noch gute Erinnerungen an bis unter die Decke vollgestopfte Spezialitätenlädchen mit dem Feinsten, das die Region zu bieten hat – und das ist nicht wenig. Von Weinen und Obstbränden über Würste, Speck, Schüttelbrot bis zu getrockneten Pilzen, feinen Essigen, handgemachten Nudeln und allerlei Süßem und Eingemachtem reicht das Repertoire.  Als Foodie ist das Einkaufen besonderer Lebensmittel im Urlaub für mich so eine Art Passion; fremde Lebensmittelmärkte erkunden ein fester Bestandteil meiner Routine in anderen Städten. Dieses Mal jedoch führte mich die Einladung der Marketingesellschaft Meran in die Ferienregion Meraner Land… und das bedeutete: noch mehr Möglichkeiten, wunderbare Spezialitäten und ihre Erzeuger kennen zu lernen.

Nur gut, dass ich per Flieger (und Mitfahrgelegenheit) unterwegs war, das hätte sonst teuer werden können 🙂

Schon wenn man durch Meran spazieren geht, vorzugsweise im Sommer an einem frühen Morgen, kann man allerlei entdecken, das das Herz des Foodies höher schlagen lässt.

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(Der frühe Morgen hat drei Vorteile: es ist noch leer auf den Straßen und man kann in Ruhe schauen; es ist – im Sommer – noch angenehm frisch; und ein Teil der Läden hat zu, so dass man erst mal nicht dem Shoppingwahn verfallen kann ;))

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Berkel

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In dem Haushaltswarengeschäft mit den Pasta-Ausrüstungsgegenständen haben Frau Cucina Casalinga und ich übrigens jeweils eine lange Tarteform mit Hebeboden von Staedter gekauft, die es aus unerfindlichen Gründen nicht auf unserer Seite der Alpen gibt. Das Lädchen, Frasnelli Haushalts- und Stahlwaren, ist ein klassischer tief in die Häuserreihe der Laubengasse hineinführender Schlauch, ein ganz altmodischer Laden, in dem man bestimmt ein Stündchen stöbern könnte – und ganz viel tolle Dinge finden… seit 1911 ist das Unternehmen an dieser Stelle zu finden.

Am frühen Samstagmorgen war allerdings noch geschlossen, und so spazierte ich weiter zur landesfürstlichen Burg Meran, vor dem der Meraner Bauernmarkt stattfindet.

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Der ist nicht groß, nicht mondän, er hat auch nicht das Flair eines großen Wochenmarktes – statt dessen stehen hier wirklich die Bauern aus der Region und verkaufen frisch, zum Teil aus dem Kofferraum oder von der Transporterladefläche, ihre Gemüse und Früchte, Brot, Milchprodukte, Honig, Würste, und was sonst noch so anfällt. So stand ich am hintersten Ständle, betrachtete die Auslagen, darunter eine einzige kleine Schale Pfifferlinge, als eine Frau vorbeikam, stehen blieb, den Standinhaber mit Vornamen ansprach, meinte „oh du hast Eierschwammerl? Nehm ich!“ und schon waren die Pilze weg 😉

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Spannend fand ich vor allem, dass hier Dinge nebeneinander auf dem Markt waren, die bei uns nie gleichzeitig aus derselben Region kommen könnten – Holunderblüten und Aprikosen etwa. Das ist natürlich durch die unterschiedlichen Klimazonen auf kleinstem Raum bedingt, die man hier findet.

Das Meraner Land bietet durch seine Lage in verschiedenen Meereshöhen eine Vielzahl von Temperaturbereichen und Anbaugebieten; so liegt der Ortskern von Meran zwar auf 325 m über NN, der höchste Punkt erreicht jedoch schon 1621 Meter; die Nachbargemeinde Schenna erstreckt sich von 400 bis auf sage und schreibe 2781 m über NN – hier treffen alpin und mediterran aufeinander, und das spiegelt sich natürlich auch in den kulinarischen Traditionen und Angeboten der Region wieder.

Zum Lifestyle in der Stadt gehört dann auch, einen Morgen-Kaffee in einer eher sehr südländisch anmutenden Kaffeebar einzunehmen, und zwar egal ob man 18 ist oder 88.

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Gutes Essen, könnte man jetzt einwenden, gibt es fast überall – ganz besonders in Italien, und auch die österreichischen Nachbarn sind nicht eben für schlechtes Essen bekannt. Das Besondere an Südtirol ist, denke ich, das Zusammentreffen der Kulturen und kulinarischen Traditionen auf der einen Seite, und die tiefe Verbundenheit der Produzenten mit ihrer Region auf der anderen Seite – immer mehr Hersteller greifen auf traditionelle Produktionsmethoden zurück und produzieren lieber Qualität mit regionalem Siegel und Anspruch als Massenware .- ein Markt, auf dem sie ohnehin nicht gewinnen könnten.

Ganz beispielhaft dafür steht Ulli Wallnöfer, Geschäftsführer des Südtiroler Genussmarktes PUR, für mich der wohl begeisterndsten Adresse in Meran, um Lebensmittel einzukaufen.

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In dem „Genussmarkt“ im Meraner Kurhaus werden auf 450 Quadratmetern rund 1.400 verschiedene Südtiroler Erzeugnisse verkauft – nein, in Szene gesetzt, denn hier stammt alles aus Südtirol – ob es die Bezüge der Barhocker vor der integrierten Kaffeebar sind, die aus lokaler Filzproduktion stammen, die Holzbretter aus heimischen Hölzern, von der Decke hängende handgedrechselte Lampen aus lokalem Kastanienholz, oder die zusammen mit einer Kunsthochschule von lokalen Künstlern designten Gläser und Wasserflaschen für das – natürlich – Meraner Mineralwasser.

Prost #meetmerano

Hier, am langen Kastanienholztisch im Nebenraum, haben wir das große Vergnügen, mit Ullrich Wallnöfer Speck zu verkosten, und mit ihm über die verschiedenen Qualitäten und Produktionsmethoden und sein Verständnis von regional und hochwertig produzierten Waren zu plaudern, und schon bald ist klar: hier sitzt uns ein Überzeugungstäter im besten Sinne gegenüber.

Unsere Produkte sind saisonal und regional begrenzt und deswegen manchmal auch nicht zu bekommen. Aber genau das macht sie attraktiv und glaubwürdig.

sagt Wallnöfer, und ergänzt, dass die Bauern schon manchmal überascht seien wie er und sein Geschäftspartner den Laden im alten Kurhaus ausgestattet haben und ihre Produkte präsentiert werden – der Erfolg gibt den beiden jedoch Recht. Der Großteil seiner Kundschaft sind nicht etwas die Touristen, sondern Einheimische, erklärt er uns, Stammkunden, die wegen der Qualität wiederkommen. Würde ich in Meran wohnen, ich wäre dort sicher auch Stammkundin.

Kurzweilig führt Ulrich Wallnöfer uns durch die Specksorten, die er erst mal für eine „kleine“ appetitanregende Verkostung hat auffahren lassen. Denn Speck ist nicht gleich Speck, wie wir zwar schon wussten, aber nun auch mit Augen, Nase und Zunge feststellen können.

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Im einzelnen sind das:

Südtiroler Bauernspeck: 37 Bauern beteiligen sich derzeit am Projekt Südtiroler Bauernspeck. Die Schweine stammen ausnahmslos von Südtiroler Bergbauernhöfen und werden nach definierten, traditionellen Kriterien aufgezogen und gefüttert. Zu Speck verarbeitet wird dieses hochwertige Fleisch von der Metzgerei Steiner aus Niederrasen, die die Schweine auch selber schlachtet und somit den gesamten Produktionsprozess kontrolliert. Der Speck wird anschließend 8-9 Monate gelagert.

Speck von einheimischen Schweinen der Dorfmetzgerei Holzner: Das besondere daran ist die längere Reifezeit von ca. 8 Monaten. Metzgermeister Alexander Holzner aus Lana verzichtet gänzlich auf die Verwendung von Nitritpökelsalz und produziert somit ein sehr natürliches, gut verträgliches „Speckunikat“.

Gourmet Speck – Speckmanufaktur Schmid: Der Speck wird ausschließlich aus Schweinen der Rasse „Gran suino Padano DOP“ hergestellt und ca. 9-10 Monate gelagert. Diese speziellen Schweine haben einen hochwertigen Fettanteil, da sie mit erstklassiger Nahrung aus Mais, Gerste und – wie bei echtem Parmaschinken üblich – mit Molke aus der Parmesankäse-Produktion gefüttert werden. Diese Speckspezialität rundet ein vielfältiges Specksortiment ab und ist exzellent auch mit Melone zu essen.

Bezeichnenderweise haben auch die Bauern der Region, vor allem die Senner, früher (und bis heute) Molke aus der Käseproduktion an ihre Schweine verfüttert, die dadurch besonders gut schmeckten. Es handelt sich also eigentlich nicht um eine Übernahme der Tradition aus der Region Parma, sondern um die Wiederaufnahme alter Produktionsmethoden.

Nackenspeck / Coppa vom Bergbauernhof Stockerhof: Im Sinne der Vielfalt haben wir auch den Nackenspeck vom Bauernhof Stockerhof / Naturns verkostet. Eine sehr bäuerliche Variante der ansonsten in der Emilia Romagna bekannten Schweinefleischspezialität – schmeckt allerdings durch den Fenchelanteil und auch sonst fast wie eine Fenchelsalami, weniger wie traditionelle Coppa. Auf jeden Fall ein sehr spannendes Produkt.

Bauchspeck Hofer: Im Gegensatz zu den anderen Speck.Varianten, die aus dem Schinkenstück hergestellt wurden, ist der Bauchspeck, wie der Name schon sagt, ein traditioneller Speck aus dem Schweinebauch, der in feine Streifen geschnitten serviert wird – er schmeckt ausgezeichnet, hat einen festen Fettanteil und eine rauchige, würzige Note.

Als Begleitung gab es hervorragenden Südtiroler Wein, und damit wir alle nicht vom Fleisch fallen, dann noch eine kleine Brotzeit hintendrein (das Bild ganz oben). Wobei Brot hier nur eine Beilage ist, die sich unter den ganzen Spezialitäten versteckte – zu denen auch sehr überraschende, fabelhafte Käse aus der Region gehörten.

Zum Abschluß machten wir noch einen kurzen Abstecher in den angenehm kühlen, derzeit aber relativ leeren Speckkeller des Hauses – die ideale Zeit zum Schlachten ist nunmal Herbst und Winter.

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Rundum gesättigt und glücklich führte uns unser Weg nach diesem Verkostungsmarathon noch ins Meraner Weinhaus. Das alt eingesessene Weinhaus ist *der* Spezialist für Südtiroler Wein, aber auch für feine Spirituosen.

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Eigentlich hätten wir gern ausführlicher Wein verkostet, aber die Außentemperaturen erlaubten uns dann nur einen kurzen Abstecher zu den Weinen der Kellerei Tramin, dem Weingut des Monats.

Jeden Monat stellt das Weinhaus acht Weine eines Südtiroler Spitzenwinzers vor, und daneben noch 8 Vergleichsweine aus Italien; konstant kann man hier 40 Sorten Wein verkosten. Ein ganz besonderer Hingucker (und Publikumsmagnet) ist der Verkostungsautomat an der rückwärtigen Wand.

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Das Enomatic-System soll dabei nicht den (freundlichen und fachkundigen) Haus-Sommelier überflüssig machen, sondern den Kunden ermutigen, sich den vorgestellten Weinen selbsttätig und ohne eventuell „abschreckende“ Fachsprachberieselung nähern zu können – es wird sehr gern angenommen. Die Kunden können sich an der Kasse eine Wertkarte kaufen,  und damit selbsttätig von den angebotenen Weinen auswählen was und wieviel sie möchten.

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Mit einem Besuch bei PUR und beim Meraner Weinhaus hat man schon sehr viel, aber noch längst nicht alles von den kulinarischen Spezialitäten erkundet – und das macht Lust auf mehr.

So vielfältig wie die Geografie und die Klimazonen der Region ist auch das kulinarische Angebot – von der Hofschank bis zum Zwei-Sterne-Restaurant ist alles dabei.

Adressen:

Meraner Weinhaus & Vinothek
Romstrasse 76
39012 Meran

PUR Südtirol
Genussmarkt
Im alten Kurhaus
Freiheitsstr. 35
39012 Meran

Frasnelli
Haushaltsartikel & Stahlwaren
Lauben 262
39012 Meran

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

4 Antworten

  1. restaurant wiesbaden sagt:

    Immer einen Besuch wert! Das Ambiente ist spitze, das Essen schmeckt lecker und ich fühle mich immer wohl! *****

  1. 11. August 2013

    […] Meran kulinarisch (2) […]

  2. 28. April 2014

    […] es sich aber im PUR Genussmarkt, der im Kurhaus Meran zu finden ist. Von ihm hatte ich bereits bei Petra gelesen uns wusste, dass dieser feine Laden, der ausschließlich regionale Produkte verkauft (und […]

  3. 17. März 2017

    […] Mal allerdings verweilte ich ein wenig länger, und hatte dank einer Bloggerkonferenz unter dem Titel #meetmerano auch reichlich Gelegenheit, die […]

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