Kleine Apple Pies

Dieser Artikel wurde zuletzt am 16. August 2015 aktualisiert

Apfelernte in SchwieMus GartenBeim kürzlichen Besuch bei der Familie, Herr datenhamster hatte es in seinem Beitrag über die Apfelmarmeladen 2013 schon erwähnt, wurden wir genötigt. uns doch „ein paar“ Äpfel mitzunehmen – ein paar entpuppten sich dann als zwei randvolle Spankörbe, und es hätten durchaus noch mehr werden können.

Allerdings sind es die ersten frühen Klaräpfel, die nicht besonders gut zu lagern sind, und ich kann keine rohen Äpfel essen, aber auch Apfelmus hätte ich noch in der 2012er Edition haben können… mit anderen Worten: es war an der Zeit, Apfelkuchen zu backen.

Wenn etwas typisch amerikanisch ist, spricht man auch davon, es sei American as apple pie. Ich denke zwar, dass der Apple Pie ein Verwandter des guten gedeckten Apfelkuchens ist, und nicht zwingend eine amerikanische Erfindung, aber man muss es den Kolonisten auf der anderen Seite des großen Teichs lassen: von Pies verstehen sie was. Deswegen habe ich hier auch ein Rezept eingesetzt, das ich vor vielen Jahren auf der Website des amerikanischen Gewürzhändlers Penzeys gefunden habe. Besonders gut gefiel mir daran die systematische Schritt-für-Schritt-Erläuterung, weswegen ich die auch mit übersetzt hatte. Der nachstehende Rezepttext entspricht also dem Original für eine 26-cm-Springform bzw. Pieform, und so habe ich den Pie auch schon öfter gebacken (dazu gleich mehr).

Als traditioneller Apfel für einen Apple Pie gilt der McIntosh-Apfel, ein rot-grüner, knackig säuerlicher, spritziger Apfel mit guter Säurebalance. Nicht ganz zufällig wurde dieser Apfel der Namensgeber einer ganzen Rechnerfamilie bei Apple, und schließlich wurde „Mac“ sogar die arttypische Bezeichnung für die Apple-Rechner…

Klaräpfel sind nun alles andere als krachig und säuerlich, und sie zerkochen in der Piefüllung auch mehr als ein fester Lagerapfel, das sollte man nicht vergessen, und ggf. nicht zu viel Zimt und vielleicht sogar einen Hauch abgeriebene Zitronenschale zur Füllung dazugeben. Ob man die Äpfel geschält oder ungeschält benutzt, bleibt jedem selbst überlassen, und ich nehme auch eher Stücke als Scheiben – Scheiben sind bei einer großen Pie aber schon toll, wenn die Äpfel ihre Konsistenz halten.

apple pie, bei foodfreak.de


Amerikanischer Apple-Pie mit Zimt

nach einem Rezept von penzeys.com

Ergibt: 1 26-cm-Pie

Zutaten

TEIG

  • 345 Gramm Weizenmehl (Type 550)
  • 1 Teelöffel Backpulver
  • 1/2 Teelöffel Salz
  • 115 Gramm Butter, Zimmertemperatur
  • 100 Gramm Zucker
  • 2 Eier
  • 2 Teelöffel Vanilleextrakt

FÜLLUNG

  • 6 cups Äpfel, in Scheiben, (ca. 8 kleine)
  • 100 Gramm Zucker
  • 2 Teelöffel Ceylon-Zimt, gemahlen
  • 2-3 Teelöffel Pfeilwurzelmehl

UND

  • Backpapier
  • 1 1 Pie-Form, oder Springform ca. 26 cm

Zubereitung

  1. Wenn möglich, bereiten Sie den Teig einen Tag im Voraus zu und bewahren Sie ihn bis 1 Stunde vor der Verwendung im Kühlschrank auf. Das Rezept ergibt genug Teig für einen normalen Pie mit Teigdeckel, oder einen in einer tiefen Form gebackenen (deep-dish) mit einem Teiggitter als Verzierung.
  2. Alle Zutaten sollten Zimmertemperatur haben. Mehl, Backpulver und Salz in eine Schüssel sieben, beiseite stellen. In einer anderen Schüssel Butter und Zucker cremig rühren, dann die Eier, eins nach dem anderen, einarbeiten und zum Schluss den Vanilleextrakt. Nun die Mehlmischung in drei Portionen zugeben. Man kann den Teig in einer Küchenmaschine oder mit einem Handrührer, aber ebenso gut auch von Hand rühren. Den Teig in zwei Stücke teilen – einmal 2/3 des Teigs und einmal 1/3.
  3. Ein Stück Backpapier auf die Arbeitsfläche legen. Das grössere Teigstück darauflegen, mit dem Handballen zu einem Kreis von ca. 1 bis 1 1/2 cm Dicke formen (das macht später das Ausrollen einfacher). Mit Backpapier abdecken, in den Kühlschrank legen. Vorgang mit dem kleineren Teigstück wiederholen. An diesem Punkt können sie saubermachen und aufräumen und sich bis mirgen Zeit lassen. Wenn Sie unbedingt sofort weitermachen wollen, stellen Sie sicher, dass die Füllung fertig und der Ofen vorgeheizt ist, ehe Sie mit der Teigzubereitung beginnen. Anstatt den Teig wie oben beschrieben kaltzustellen, machen Sie dann am Punkt Teig ausrollen weiter.
  4. Füllung: Ein süsssaurer Apfel ist am besten für diesen Pie geeignet. Man kann ihn auch gut mit scheckigen Äpfeln oder Fallobst zubereiten. Die Äpfel werden geschält und dann in Stücke geschnitten, die man in eine große Schüssel gibt. Das Schneiden und Entkernen geht am schnellsten, indem man den geschälten Apfel aufrecht auf die Arbeitsfläche setzt und dann auf vier Seiten so nahe wie möglich gerade am Kerngehäuse herunterschneidet. Die so entstandenen Apfelstücke legen Sie mit der Schnittfläche nach unten auf das Schneidbrett und schneiden sie in je 5-6 Stücke. Zucker, Zimt und Pfeilwurzelmehl vermengen, über die Apfelstücke geben und gründlich wenden, so dass die Apfelstücke gut damit überzogen sind.
  5. Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen und auf Zimmertemperatur erwärmen lassen, ehe Sie ihn verarbeiten. Ofen auf 190 Grad C vorheizen. Apfelfüllung zubereiten. Pieform herausholen [und ausfetten]. Den grösseren Teigkloß nehmen, das obere Backpapier abziehen, das untere vorsichtig lösen, aber darunter lassen. Auf eine Arbeitsfläche geben, dann mit einem bemehlten Wellholz den Teigboden sacht von der Mitte her zu einem immer grösser werdenden runden Teigstück ausrollen. Falls der Teig etwas reißt, was aber selten ist, so macht das auch nichts. Im Idealfall ist der Boden etwa 4-5 mm dick; wenn Ihr Teigboden etwas dicker ist, tut das dem Gelingen und Geschmack des Pies aber keinen Abbruch.
  6. Wenn das Teigstück etwa 5 cm grösser ist als Ihre Backform, dann wird es Zeit, den Boden in die Form zu bringen. Nehmen Sie das Backpapier auf und drehen Sie es einfach über der Form um, dabei halten Sie die Hand unter den Teig, damit er nicht wegrutscht. Nun langsam in die Form gleiten lassen und den Teig rundum gut andrücken. Wenn Teig überhängt, diesen abschneiden (ein bisschen darf dranbleiben, um später die Kante der Form zu bedecken und den Teigdeckel mit dem Boden zu verbinden).
  7. Das kleinere Teigstück ebenso ausrollen und beiseite legen. Für ein Webmuster aus Teigstreifen braucht man pro Richtung etwa 6 Teigstreifen von 1 cm Breite. Evtl. müssen Sie den Teig einige Male neu ausrollen, um die Streifen zu bekommen. Wenn die Streifen zerreißen, keine Bange – sie backen wieder zusammen.
  8. Die Apfelfüllung in den Teigboden gießen, gleichmässig verteilen. Nun mit den Teigstreifen verzieren. Wenn sie brüchig sein sollten, einfach übereinander legen, so dass sich ein Gittermuster ergibt, bei glatten Streifen und mehr Übung können Sie auch ein Webmuster (über- und untereinander geschlungene Streifen) versuchen. Zum Schluss den Rand des Pies mit einer Gabel eindrücken um ein schönes Randmuster zu erzielen. Man kann auch andere Teigmuster verwenden. Wenn Sie einen Teigdeckel machen, dient die verzierte Kante auch, um mit dem Zahnmuster die beiden Teigstücke zu verbinden. Das Ganze nach Wunsch mit 1 EL Zucker bestreuen.
  9. 10 Minuten bei 190 Grad backen, dann weitere 45-55 Minuten bei 175 Grad C weiterbacken, bis der Teig goldbraun ist und die Apfelstücken weich. Falls der verzierte Rand schneller dunkel wird, diesen mit einem Streifen Alufolie abdecken. Pie vor dem Servieren wenigstens 1 Stunde (besser 2) abkühlen lassen. Rand mit einem Messer lösen. Pie zerteilen und (nach Wunsch) mit Vanilleeis servieren.

Seit meiner neuen Küche habe ich keine 26-cm-Springform mehr – das alte Geschraddel habe ich beim Aussortieren kurzerhand weggeworfen. Für den Zweipersonenhaushalt sind mir kleine Kuchen sowieso lieber (in meinem Schrank findet sich notfalls noch eine quadratische Springform in etwas größer). Aber ich hatte mir gerade in UK einen Satz cake tins gekauft, in 8-inch Durchmesser, mit herausnehmbaren Böden, und überschlug, dass die Teigmenge aus dem obigen Rezept für zwei dieser Formen ausreichen sollte.

2013-08-16-applepies

Im Rückblick würde ich aus den Teigresten wohl hübsche Formen wie kleine Blüten ausstechen und auf den Pies verteilen, statt mit dem Gittermuster zu basteln.

Als Zimt kam bei mir – wie auch im Hause Küchenlatein – Ceylon-Zimt zum Zuge, da ich den lieber mag als den in USA typischen Cassia-Zimt; die Füllungsmenge habe ich minimal und pi mal Auge runterskaliert. Statt Pfeilwurzelmehl, das ich nicht mehr da hatte, habe ich einen Esslöffel Tapiokastärke benutzt. Erneut: Ein Hauch Zitronenschale hätte dem Ganzen wohl gut getan.

Dien Apple Pies waren jedenfalls sehr lecker; eine davon habe ich an Nachbarn verschenkt, die gerade eine Aufmunterung nötig hatten und sich sehr über den unverhofften Wochenendkuchen freuten. Und wenn ich mal wieder Apfelüberschuss habe, backe ich wieder zwei – und friere eine ein.

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

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