Alpenländische Gastfreundschaft im Falschauerhof

Dieser Artikel wurde zuletzt am 4. Februar 2017 aktualisiert

Meran - Falschauer Hof - WandAus der sommerlichen Hitze Merans führt uns unsere kulinarische Tour durch die Ferienregion Meraner Land ein ganze Stück hinein ins Gebirge, genauer ins Ultental. Ursprünglich hatten wir einen Besuch bei der Bio-Bäckerei Ultner Brot auf dem Plan gehabt, unser Gastgeber ist jedoch erkrankt, und so geht es – nachdem sich das Morgenprogramm ohnehin verzögert hat – ohne weiteren Stopp nach St. Gertraud, auf 1500 m Höhe, wo es noch angenehm frisch ist – zum Falschauerhof.

Der Falschauerhof ist ein typischer „Hofschank“, das heisst ein Bergbauernhof, der seine Türen für Wanderer und Hungrige öffnet, man sollte sich aber im Voraus anmelden. Dann wird hier von den Inhabern, Elisabeth und Sepp Gruber, in der alten Bauernküche leckere Südtiroler Hausmannskost zubereitet, und wenn man nett fragt, darf man auch gern in die Töpfe schauen und Elisabeth bei der Arbeit zusehen und ein Schwätzchen mit ihr halten.

Barbara, die die Tour für uns organisiert hat, erzählt, dass sie vor einiger Zeit mit Besuchern zu einem Knödelkochkurs am Vormittag hier war – das hätte mir sicher auch viel Spaß gemacht, und ich denke darüber nach, wie cool es doch wäre, nochmal ein Foodbloggertreffen hier abzuhalten…

Meran - Falschauer Hof - Nebengebaeude

Meran - Falschauer Hof Hofschank

Unter der Marke „Roter Hahn“ vereint der Südtiroler Bauernbund 1.600 authentisch geführte Höfe in allen Teilen des Landes.

Mit den Produktlinien „Urlaub auf dem Bauernhof“ (mit gleichnamigem Katalog), „Bäuerliche Schankbetriebe“ (Broschüre „Bäuerlicher Feinschmecker“) und „Qualitätsprodukte vom Bauern“ (Broschüre „DelikatESSEN vom Bauern“) weisen die Südtiroler den Weg für den Reisetrend der Zukunft:

„Roter Hahn“ steht für Qualität und unverfälschtes Reise-Erlebnis. Urlaub auf dem Bauernhof in Südtirol – Brauchtum, Natur und Leben hautnah.

So der Pressetext der Vereinigung Roter Hahn, die diese Art des Tourismus präsentiert und fördert. Agriturismo wird in Italien ohnehin sehr viel stärker als Chance wahrgenommen als z.B. in deutschen Landen.

Zurück zum Ursprünglichen, das muss aber nun nicht heißen, das man zwischen fliegenwedelnden Kühen und Ziegen auf der Alm sitzt und Speckbrot isst (wenn daran auch nichts verkehrt ist), sondern unsere Gastgeber für den heutigen Tag haben in der guten Stube ihr gutes Porzellan aufgetischt, und das was hier als „einfache bäuerliche Küche“ durchgeht, hat es nicht ganz ohne Grund auch in den Gault Millau geschafft.

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Die Zutaten für das heutige Mahl kommen zum größten Teil aus eigener Produktion und dem klassischen Bauerngarten hinter dem Haus; der Hirsch den wir wenig später genießen dürfen, kam „von der Wiese da hinten“, erzählt Sepp Gruber, während er uns gut gelaunt einen Wein kredenzt.

„Da hinten“, da stehen auch die Ultener Urlärchen, ein Naturdenkmal mit 3 alten Lärchen, die nach letztem Kenntnisstand auf etwa 850 Jahre Alter geschätzt werden.

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Nach einer „kleinen“ Vorspeise – einem Speckteller mit feinem Kraut-Radieschen-Salat und einem Brotkörbchen, von dem besonders das stark nach Fenchel und Anis schmeckende, rösche Schüttelbrot begeistert – genießen wir erst mal ein Glas Wein, einen ausgesprochen schönen Grünen Veltliner aus Südtirol, und schauen uns um, denn wir sitzen buchstäblich in der guten Stube des Ehepaars Gruber, neben dem Kachelofen, und das Zwiebelmusterporzellan entführt uns in vergangene Zeiten. Das Fleisch, Geräuchertes vom Schwein und Rind, stellen die Grubers selbst her, und es wird traditionell im Haus geräuchert.

Wir sind nicht die ersten, denen es hier gefällt – in der Diele liegt ein aufgeschlagenes Exemplar von Abenteuer & Reisen, selbstredend sind die Grubers ganz stolz und doch auch ein bißchen peinlich berührt, dass sie in einem Artikel des Reisemagazins gefeaturet wurden – „die saßen einfach so da, haben was gegessen, wir haben uns nix gedacht, sie haben halt Fotos gemacht so wie ihr jetzt auch…“ erzählen sie von den beiden Reisejournalisten.

Falschauerhof

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Weiter geht es mit einem Knödeltris, einem typischen Gericht der Südtiroler Bauernküche, und die ‚aaahs‘ und ‚mmmmmhs‘ am Tisch wollen gar nicht abreißen, so köstlich ist das Trio aus einem Speckknödel, einem Spinatknödel und einem wunderbaren Kasknödel. Für Küche dieser Art würde ich jede Sterneküche gern jederzeit stehen lassen, denn das Essen von Elisabeth ist einfach nur hervorragend, schlicht, großartig, und man schmeckt die Qualität der Zutaten, und – man verzeihe mir das Klischee – die Liebe bei der Zubereitung.

Theoretisch könnte ich jetzt bereits satt und glücklich einen Verdauungsspaziergang machen, und so drehen wir ein Ründchen um den Hof und bestaunen den Bauerngarten, in dem ein wahres Füllhorn an Gemüsen und Kräutern wächst – so auch die zarten Möhrchen und der erste frische Fenchel, die das Haupt-Mahl begleiten.

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Speckbohnen, geschmorter Fenchel, zarte süße Möhrchen, rösche Röstkartoffeln, Pfifferlinge (aus dem Vorjahr), Stück von Kalbsinvoltini, gefüllt mit Mariataler-Käse, Speck und Salbeisalz und Hirschbeinscheibe vom Hirsch aus der Jagd hinter dem Haus – so ungefähr muss das Schlaraffenland aussehen, und auch für die Vegetarier in der Runde ist bestens gesorgt.

Meran - Falschauer Hof - Dessert

Zum süßen Abschluss gibt es noch eine Biskuitroulade mit Erdbeeren, und obwohl ich eigentlich sicher bin, dass nichts mehr in den Magen geht, passt diese zartflaumig-lockere Köstlichkeit dann doch noch irgendwo dazwischen…

Zwischen den Gängen ratschen wir ein bißchen mit den Gastgebern, und auch sonst hat man das Gefühl, hier kommt man als Fremder, und geht als Freund – das ist Gastfreundschaft, wie man sie nur noch in wenigen Gegenden findet. Sepp und Elisabeth sind auch zwei ganz besondere Menschen, die kennen zu lernen mir viel Freude gemacht hat.

Meran - Falschauer Hof - Wirtsleut

Wer einmal in die Region kommt, dem kann ich einen Ausflug ins Ultental auf den Falschauerhof nur allerwärmstens empfehlen – und nicht nur wegen des fabelhaften Essens.

Falschauerhof
Fam. Josef Gruber
St. Gertraud 14
39010 Ulten
Tel. +39 0473 790191
Mobil +39 349 0674975

Öffnungszeiten:
Ganzjährig, aber nur auf Vorbestellung, geöffnet.
Mittwoch und Donnerstag Ruhetag. Jänner geschlossen


Bilder z.T. mit freundlicher Genehmigung von Cucina Casalinga

Appetit bekommen? - Hungry for more?

2 Antworten

  1. Magdi sagt:

    Da bist du quasi bei mir vorbeigefahren:) Lisi war einmal die Freundin meines Schwagers, und ich stamme aus ST. Nikolaus im Ultental.

  2. Waren heute 5.9.2014 da und haben gegessen.
    Das Ganze ist ein absoluter „geheimntipp“ Allerbeste Zutaten, allerbeste Zubereitung, allerbester Geschmack,- und Gastgeber von denen man wirklich sagen kann: Wenn man geht ist man kein Gast mehr sondern Freund! – Das Essen ist jeden Cent wert. Und war wir – neben den unglauiblich schmackhaften Zutaten – am aller Wertvollsten fanden, das waren die unglauiblich offenen ehrlichen Gespräche von Mensch zu Mensch mit den Grubers! So sollte das Leben jeden tag sein!

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