Projekt Senseo: Senseo Cafe Latte

Dieser Artikel wurde zuletzt am 28. Dezember 2014 aktualisiert

Ein besonders verwöhnendes Kaffeeerlebnis von der ersten Berührung bis zum letzten Tropfen

verspricht Senseo auf der Rückseite der Packung des hier vorgestellten Kaffees.

„Aber wieso trinkst Du überhaupt Senseo?“ fragte mich nicht ganz unbegründet eine Freundin.

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Mit diesem Artikel beginnt eine neue Reihe zu Senseo in diesem Blog. Hintergrund war die Anfrage einer Agentur, ob ich denn nicht mal die neuesten Sorten von Senseo verkosten und ehrlich meine Meinung dazu abgeben wolle. Ich warnte die Dame vor, dass ich ein sehr kritischer Kaffeetrinker bin, und verwies auch auf mein Projekt Tassimo. Sie antwortete frohen Mutes, dass sie wirklich an meiner Meinung interessiert seien und es okay sei, wenn ich die auch unverblümt schreibe. Und so kam es, dass vor einigen Wochen eine Senseo-Kaffeemaschine im Haushalt datenhamster/Foodfreak Einzug hielt.

Die Hardware stellen wir Euch demnächst vor.

Die Senseo-Artikel in dieser Reihe sind Koproduktionen, sowohl von datenhamster als auch von Foodfreak verfasst und überarbeitet.

In der Lieferung befand sich besagtes Maschinchen, eine Senseo Viva Café, sowie die drei (neuen bzw. rezeptmäßig überarbeiteten) Sorten Cappuccino, Café Latte und die Kakaomischung Senseo Chocobreak, bei der ich mich als erstes frage, ob Kakaoprodukte seit neuestem lila sein müssen…

Vorbildlich fand ich übrigens das Angebot (nicht den Druck, sondern das Angebot!) die Maschine nach dem Test auch wieder zurückzunehmen / abholen zu lassen, so ich das möchte. Wie andere Foodblogger aus leidvoller Erfahrung wissen, ist das keineswegs immer so, manche Agenturen reagieren geradezu irritiert bis pampig, wenn man ihre milden Gaben nicht in der eigenen Küche behalten will. Wie auch beim Projekt Tassimo werde ich beim Projekt Senseo am Ende eine Zusammenfassung schreiben, dann erfahrt ihr auch, wie es weiter geht mit der Maschine.

Ebenso wie für die Tassimo-Aktion habe ich ausserdem zusätzlich noch ein paar andere Varianten Senseo-Pads zugekauft, um beurteilen zu können, wie denn der Kaffee aus dem System generell schmeckt, diese Sorten stellen wir im Lauf des Projektes ebenfalls vor.

Und nun zum ersten Kaffee…

Nachdem Senseo im August letzten Jahres das Verpackungsdesign verändert hat, musste Anfang dieses Jahres die Zusammensetzung dran glauben. Bei uns landete also die neue Version des Senseo Cafe Latte. Diese „Milchschaumspezialität“ zeichnet sich vor allem durch die „neue Rezeptur“ aus – da wurde ganz dreist Röstkaffee ersetzt. Das „Gute“ musste für löslichen Kaffee Platz machen. Auch wenn „Wir testen für Sie“ da anderer Meinung ist.

Doch eins nach dem anderen. Wir haben den neuen Senseo Cafe Latte vor uns liegen. In der Packung sind 8 der Pads. Diese kosten so um die 2,70 Euro. Je nach Angebotspreis zahlt man also für eine Tasse mit etwa 125 ml Inhalt (mehr zu dieser obskuren Tassengröße dann im Artikel über die Maschine) um die 30 bis 34 Cent. Das ist für einen Milchkaffee erst mal nicht teuer, vor allem wenn man es mit Starbucks vergleicht. Leider entspricht auch die Qualität dem Preis. Der Geruch des Pads erinnert bereits deutlich an Instantprodukte. So deutlich, dass er schon abstossend ist. Von einem Milchkaffee erwarte ich nun mal nicht, dass er nach einem Instantpulver riecht. Das hier verspricht dagegen die Packung:

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Bereiten wir uns also einen Senseo Cafe Latte zu. Das ist dank der Maschine ganz einfach. Das Pad wird in den Halter für zwei Tassen gelegt und dann die Taste für eine Tasse gedrückt. Dass hier etwas nicht stimmt, sollte gleich jedem auffallen. Natürlich ist das so gewollt. Eine Tasse mit 125 ml ist schnell weg getrunken. Doch von einem Milchkaffee erwarte ich eine größere Menge und einen ordentlichen Milchschaum. Was ich allerdings nicht erwarte, ist das, was hier aus der Maschine kommt.

Immerhin sind die Farben der Verpackung gut getroffen. Es ist deutlich zu sehen, dass die Menge des Milchschaums praktisch vernachlässigbar ist. Der Kaffee selbst ist aber auch nicht mehr als ein guter Schluck oder zwei. Wer schon mal einen richtigen Milchkaffee getrunken hat, der dürfte spätestens jetzt ziemlich enttäuscht sein. Aber probieren wir doch mal einen Schluck. Nun, sicher schmeckt das hier nach etwas. Aber was auch immer es ist, Milchkaffee ist es sicher nicht. Wenn man mit der Prämisse ran geht, dass es ein Instant-Produkt ist und man das mag, kann der Cafe Latte von Senseo gar nicht mal schlecht sein. Wir mögen es allerdings gar nicht.

Das es hier unterschiedliche Meinungen gibt, zeigen zwei Einträge bei Facebook:

Was uns ebenfalls nicht gefällt ist die Zutatenliste. Während früher noch richtig Kaffee drin war

Gemahlener Röstkaffee (41%), Magermilchpulver (24%), pflanzliches Fett gehärtet, Glucosesirup, Stabilisator (E340), Aroma, Süßstoffe Acesulfam K

ist heute nicht mehr wirklich viel davon drin.

Magermilchpulver, Zucker, pflanzliches Fett gehärtet, Glukosesirup, löslicher Kaffee (7%), Stabilisator (E340, E452), Salz, Milchprotein, Trennmittel (E341, E551), Aroma, Emulgator (E481)

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Pads. Früher waren die Pads komplett biologisch abbaubar. Inzwischen wurde in das Pad ein Kunststoffeinleger gepackt.

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Es mag ja sein, dass das in der Fertigung und auch beim Auflösen des Instantpulvers in der Maschine für gleichmäßigere Ergebnisse sorgt, aber nachhaltig und umweltbewußt geht anders. Konnte früher das Pad in den Bio-Müll oder auf den Kompost geworfen werden, geht es heute in den normalen Hausmüll, oder man stellt sich hin und prökelt die Plastescheiben in die gelbe Tonne. Das passt nicht ganz zu meiner Vorstellung von einer bequemen Tasse Kaffee.

Davon unabhängig geht gehärtetes Fett in Nahrungsmitteln einfach gar nicht, egal in was, und bei zwei Trennmitteln, zwei Stabilisatoren und einem Emulgator lobe ich mir doch einen handgemachten Kaffee mit frisch aufgeschäumter Milch.

Ansonsten hier noch ein Rechenbeispiel. Die Wikipedia gibt zu Senseo an, ein Pad (alter Machart, vermutlich für reinen Kaffee ohne Zusatzzeugs) enthalte 7 g Röstkaffee. Das ist eine solide Tassenportion.  In den alten Milchkaffeepads dagegen – die wogen 11,75 Gramm – waren 41% Röstkaffee enthalten, oder 4,8 Gramm Röstkaffee je Pad. Dünne Brühe.

Im neuen „verbesserten“ Pad mit Milch und Aroma (immerhin nun ohne Süßstoffe) finden sich 7% Instantkaffee. Ausgehend von den 11,5 Gramm Inhalt, die die plastikbewehrten dicken Pads haben, sind das knapp 0,8 Gramm Instantkaffee. Auf den Einzeltassenportionen für kleine Tassen, die ich in Asien von Nescafé mitgenommen habe, steht etwas von 1,2 Gramm. 0,4 Gramm sieht zwar in der absoluten Menge nicht nach viel aus, ist aber immerhin 1/3 weniger Kaffee je Tasse…  zwar immer noch etwa genauso viel wie in den alten Pads, aber eben keine echte Tassenportion. Für mich ist das eine Mogelpackung. Es passt allerdings zu den viel zu geringen Mengen an Getränk, die die Maschine ausspuckt.

Versucht man es dann mit der Zweitassentaste, kommt logischerweise nur noch dünnere Plörre raus.

Dafür, dass das effektiv nichts anderes als ein durch die Senseomaschine gedrückter Instant-Café-Latte ist, ist es ausserdem erheblich zu teuer. Die Einzelportion kostet zwar „nur“ 34 Cent, will man einen großen Becher voll ist man aber schon bei 68 Cent. Gehe ich im Vergleich mal von 15 Gramm Pulver (Herstellerangabe) für die 150 ml Tasse Krüger Cappuccino ungesüsst aus, kostet die Tasse da 16,5 Cent, der 300 ml-Becher also 33 Cent – so viel wie eine Portion Senseo, und das bei deutlich weniger Müll. Und ich kann sowohl Pulver als auch Wasser frei dosieren und nach Geschmack anpassen, ohne meine Kaffeemaschine zu hacken.

Fazit: Überteuerter Instantkaffee, der nicht mal sonderlich gut schmeckt, mit unnötigem Müllwahn.

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

9 Antworten

  1. Wir benutzen seit über 2 Jahren eine Senseo-Maschine, sind aber beinahe sofort von den Senseo-Pads zu Pads von anderen Anbietern umgeschwenkt, sogar die Pads vom Discounter schmecken z. T. wesentlich besser als die Senseo-Teile.

    • FoodFreak sagt:

      ich hatte seinerzeit die Twitter-Timeline nach Empfehlungen gefragt. als mein Favorit hat sich mittlerweile das Tchibo-Pad Caffé Crema ‚vollmundig‘ etabliert. Wäre mir für den Alltag immer noch zu teuer, schmeckt aber tatsächlich prima.

  2. Oh, den Twitteraufruf hatte ich übersehen. Mein Favorit sind die Pads von Lavazza. Dann hatte Aldi vor ein paar Tagen italienische Wochos, da hatten sie auch „italienische“ Pads im Angebot, die waren sehr, sehr gut, deshalb hier praktisch sofort ausverkauft. Die normalen Aldi-Moreno-Pads in der roten Verpackung schmecken mir ebenfalls, blau und koffeinfrei kannste knicken. Am schlimmsten finde ich „Dallmayr Classic“, unglaublich plörrig.

  3. TomTom sagt:

    Sowas würde mir niemals ins Haus kommen, ich bezweifle dass dieses Instantzeugs schmeckt, Kaffee ist für mich ein Naturprodukt und sollte auch mit natürlichen Lebensmitteln gebrüht werden. Bei diesen teuren Preisen kann man auch gleich ein Kapselsystem kaufen wie Beispielsweise Nespresso oder Lavazza A Modo Mio, besser und günstiger man brüht sich den Kaffee ohne Automat mit einer Pressstempelkanne oder einem Espressokocher.

    • FoodFreak sagt:

      tatsächlich kommt üblicherweise mein Kaffee aus der French Press oder Aeropress 🙂 – aber den Punkt „sollte auch mit natürlichen Lebensmitteln gebrüht werden“ verstehe ich nicht ganz. Ich brühe meinen Kaffee mit Wasser auf 😉

  1. 20. Juli 2013

    […] Rahmen des Senseo-Testes wurde uns  eine Senseo-Maschine überlassen. Schon länger hatten wir hier eine Packung von […]

  2. 24. Juli 2013

    […] Cappuccino musste, wie auch der Cafe Latte bei dem wir es schon erwähnt hatten, in die Frischzellenkur. Nicht nur eine neue Verpackung, […]

  3. 5. Oktober 2013

    […] Senseo Caffe Latte […]

  4. 15. April 2014

    […] darauf kam das Paket an. Eine Senseo Viva Café inclusive der neu aufgelegten Sorten Cafe Latte, Cappucino und Chocobreak. Hier soll es um die Maschine gehen, über die Sorten schreiben wir […]

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