Ein sri lankisches Curry-Dinner

Dieser Artikel wurde zuletzt am 16. Oktober 2016 aktualisiert

curry dinner, Sri Lanka styleAuf Sri Lanka haben wir sehr schnell festgestellt, dass es dort – sieht man mal von den Touristenzentren ab – keine nennenswerte gastronomische Kultur gibt. Gegessen wird zu Hause, in der Familie. Anders als in etwa Singapur, Hongkong oder Malaysia, wo Essengehen eine ganz normale und soziale Tätigkeit ist, geht man in Sri Lanka nur essen, wenn man mehr Gäste hat als man unterbringen kann, etwa bei Hochzeiten, weswegen wohl auch jedes (auf dem Land gelegene) Restaurant mit ‚weddings‘ wirbt.

Darüber hinaus findet man viele bakeries, kleine Backshops, die Kuchen, Brot und Gebäck verkaufen, und hier und da chinesische Restaurants gut versteckt im ersten Stock von Häusern. Bei Cafés ist bereits Fehlanzeige. An den Straßen verkaufen Stände noch curry puffs, frittierte Snacks zum aus der Hand essen, aber das war’s auch.
(An den Stränden sieht die Situation anders aus, da essen ja auch primär Touristen).

Wir hatten das Glück, in Kandy in einem Guesthouse zu wohnen, in dem jeden Abend von Hausangestellten für die Familie und auf Wunsch auch für die Hausgäste typisch sri lankisch gekocht wurde, und natürlich sagten wir da gern zu. Die Küche, die wir dort kennen lernen durften, erinnert in den Grundzügen an die Küche Südindiens, ist aber etwas klarer und feiner im Geschmack, zumindest der Stil der dort gekocht wurde.

Eine sri lankische Mahlzeit umfasst eigentlich immer Reis und Curry. Die einfache, ‚arme‘ Version wäre ein Dal mit Reis, je mehr Gerichte auf dem Tisch stehen, umso edler das Mahl, zwei Gemüsegerichte, ein Dal und ein Chutney werden aber als Standard angesehen, ein Fleischcurry (meist Huhn) macht daraus eine besondere Mahlzeit. Den Essensstil haben wir dann später im Hotel in Negombo beibehalten, da es sich auch dort bei den Curry-Tafeln um die beste, günstigste, abwechlsungsreichste und vor allem leckerste Wahl handelte.

Gefreut habe ich mich, auch Gemüse kennenzulernen die es bei uns nicht gibt, etwa Drachenbohnen, oder eine Kürbisart, die aller Wahrscheinlichkeit nach eine Bittermelone oder aber eine Luffa war, beide in sehr fabelhaft gewürzten Gemüsecurrys.

Für unser nachempfundenes sri lankisches Abendessen habe ich mich der besseren Verfügbarkeit wegen für ein Curry mit Zucchini entschieden, ein einfaches Kartoffelcurry, das dort regelmäßig zu finden war, und ein Hühnercurry nach ungefähr diesem Rezept, das dem, was wir dort gegessen haben, am nächsten kommt (mehr dazu unten). Außerdem ein generisches Rote-Linsen-Dal, für das ich hier kein Rezept liefere, davon gibt es ausreichend im Netz und in indischen Kochbüchern.

Ausgesprochen lecker (und sofort fest ins eigene Repertoire aufgenommen) fanden wir das (scharfe) Zucchini-Curry.


Zucchini Poriyal

adaptiert nach einem Rezept von Curry in Kadai

1 mittelgroße Zucchini
1 lange Bananenschalotte oder 1 kleine rote Zwiebel, in feine Halbringe zerteilt
2 kleine grüne Chilischoten, in dünne Ringe geschnitten
1 TL Kreuzkümmelsamen
1 TL braune Senfsamen
3 EL Öl
1 Prise Kurkuma
etwas Koriandergrün

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Die Zucchini gut waschen, längs achteln und in halbzentimeterdicke Scheibchen zerteilen.

In einer Pfanne das Öl erhitzen. Kreuzkümmel und Senfsamen hineingeben, aufpoppen lassen. Nun die Kurkuma, Chiliringe und Schalotte zugeben. 1 Minute braten, dann die Zucchini in die Pfanne geben. Garen bis sie weich ist, eventuell 1-2 Esslöffel Wasser zugeben. Mit etwas Koriandergrün bestreuen.

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Auf Sri Lanka war an fast allen Gerichten eins der unverzichtbaren Gewürze nicht etwa der Ceylon-Zimt, sondern frische Curryblätter. Ich kenne Curryblätter mittlerweile in getrocknet, in der tiefgefrorenen bzw. in europäischen Asienläden zu findenden Variante, und frisch vom eigenen Busch (leider eingegangen, Ersatz muss her). Die frischen in den Tropen gewachsenen Blättchen sind nicht nur erheblich aromatischer, sondern auch ganz zart, so dass man sie problemlos mitessen kann – das würde ich mit denen die ich hier bekomme nicht empfehlen. Ohne die Curryblätter wäre aber zum Beispiel das Kartoffelcurry unvollständig. Ehe man sie weglässt, lieber ein paar getrocknete nehmen.


Mildes Kartoffelcurry

nach Curry and Comfort

4-5 große Kartoffeln, längs in dünne Spalten zerteilt
1 mittelgroße Zwiebel, in Ringen oder gehackt
1 lange grüne Chilischote, längs aufgeschlitzt (ein paar Kerne herausschütteln)
1-2 Knoblauchzehen, in Scheiben
10-15 Curryblätter
1 kleines Stück Zimtstange, ca. 5 cm
1/2 TL Kurkuma
200 ml Kokosmilch
Salz
1 Limette, Saft

Alle Zutaten mit Ausnahme der Kokosmilch und der Limette in einen Topf geben. Genug Wasser angießen, dass die Kartoffeln darin garen können. Zum Kochen bringen, köcheln bis die Kartoffeln weich sind. Vorsichtig den Großteil vom Wasser abgießen, dann die Kokosmilch zufügen, erneut zum Kochen bringen und 2 Minuten köcheln lassen. Kräftig mit Salz würzen, und zu guter letzt mit Limettensaft abschmecken.


Last but not least das Hühner-Curry. Ich habe mich relativ eng an CookEatBlog orientiert, allerdings Huhn ohne Knochen verwendet. In Kandy gab es das Curry mit in kleine Stücken gehacktem Huhn mit Knochen, dessen Geschmack an Kaninchen erinnerte – eine Folge der Zitronenmarinade. Das Curry in Kandy war allerdings auch länger geschmort (durch die Knochen) und enthielt kein Kokos, sondern eine sämige Schmorsauce. Anstelle selbst gemachtem (oder zugekauftem) geröstetem sri lankischem Currypulver kam bei mir eins aus Malaysia zum Zuge. Wichtig ist, dass es sich um ein dunkles und scharfes Currypulver handelt.


Sri Lanka Hähnchencurry

adaptiert nach CookEatBlog

500 g Hähnchenbrustfilet
2 EL Zitronensaft, frisch gepresst
1-2 Knoblauchzehen, durchgepresst
3 cm frischer Ingwer, fein gerieben
Salz und Pfeffer
3 Teelöffel scharfes Currypulver für Fleisch; im Idealfall: geröstetes Curry aus Sri Lanka
3 Esslöffel Pflanzenöl
8-10 Curryblätter
2 Zwiebeln, in Ringen
1 Stück (5 cm) Zimtstange
4 grüne Kardamomkapseln, geöffnet
1 Gewürznelke, zerdrüclt
2 Esslöffel Tomatenmark
1 mittlere Tomate, gehackt
250 ml Kokosmilch
brauner Zucker, ca. 1 Teelöffel

Das Huhn in mundgerechte Happen schneiden (auf Sri Lanka wird immer noch traditionell mit dem Fingern gegessen), mit Zitronensaft, Ingwer, Knoblauch, Salz, Pfeffer und dem Currypulver mischen und mindestens 30 Minuten marinieren lassen.

Das Öl in einer großen Pfanne oder einem flachen Topf erhitzen, die Curryblätter darin 1 Minute braten, dann die Zwiebeln zugeben und Farbe nehmen lassen, bis sie bräunlich und weich sind. Nun das Huhn zugeben und unter Wenden anbraten. Gewürze, Tomatenmark und 150 ml Wasser hinzugeben, gut umrühren, und abgedeckt ca. 20 Minuten auf kleiner Flamme simmern lassen. (Huhn mit Knochen braucht länger).

Kokosmilch zugeben, zum Kochen bringen, alles auf starker Hitze einkochen lassen, dann mit Salz, Zucker, und ggf. Zitronensaft abschmmecken.


Beim nächsten Mal würde ich wahrscheinlich keine Kokosmilch nehmen (da schon das Kartoffelcurry mit Kokosmilch gemacht ist), und statt Wasser Hühnerbrühe, plus etwas mehr Zwiebeln und mehr von dem Currypulver.

Dazu habe ich ein Mango-Chutney aus dem Glas serviert, aber auch jedes andere südindische Fruchtchutney würde passen, und wer will frittiert noch ein paar Papadums aus. Eine volle Mahlzeit wird das Ganze mit reichlich (Basmati-) Reis, auf den man auch, besonders wenn man nur vegetarisch kocht, noch knusprig gebratene Schalottenringe geben kann.

Guten Appetit!

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11 Antworten

  1. alligateuse sagt:

    Das liest sich schon sehr schmackhaft und scheint auch sehr einfach nachzukochen zu sein. Das werde ich dann alsbald mal ausprobieren. Danke für diesen tollen Tipp!

  2. Antje Radcke sagt:

    „Zucchini Poriyal“ wird sofort ausprobiert – habe noch ein große Zucchini im Kühlschrank (und die Gewürze sowieso immer da). Danke für die Anregung!

  3. Barbara sagt:

    Danke für diese Einblicke in die Küche und Restaurantsituation Sri Lankas. Ich war noch nie in diesem Land und konnte mir das nicht so richtig vorstellen. Falls ich mal hinfahre, merke ich mir Euer Guesthouse, das klingt ja gut, wenn da frisch gekocht wird.

    • FoodFreak sagt:

      Das Guesthouse, das man auch bei Tripadvisor findet, heisst Madugalle Guesthouse, und seine Inhaberin Kumari. Von außen sieht es völlig unscheinbar aus, aber hinter der Fassade einer besseren Doppelgarage verbirgt sich ein altes sri lankisches Haus einer „Adels-“ Familie. Darüber gibt es sicher auch in unseren beiden Reiseblogs noch Berichte 🙂

  4. Danke für den interessanten Einblick! Ich werde hier sicher etwas davon auftischen, zumal das geröstete Sri Lanka Currypulver schon in größeren Mengen im Haus ist 🙂

  5. Helga Unland sagt:

    Hallo,
    in Sri Lanka habe ich ebenfalls vor ein paar Jahren die Einheimischen Lokale und Gerichte testen können. Diese Currygerichte haben mich begeistert, obwohl mir manche zu scharf waren. Seit dem bin ich froh, wenn ich neue Rezepte finde. Vielen Dank für Deine Mühe hier.
    Den Currybaum kann man bei Rühlemann.de als Pflanze kaufen. Und auch viele andere die in der Indischen Küche benötigten Kräuter.
    Grüße Helga

    • FoodFreak sagt:

      ja, Rühlemanns kenne ich, das ist ja nicht soo weit weg – Leider sind mir aber schon zwei Curryblattpflanzen eingegangen. Vielleicht haben andere Leute mehr Glück :)- Ich freue mich immer, wenn ich frische curry leaves finde – die letzten habe ich auf dem Wochenmarkt in Den Haag gekauft…

  6. Josie sagt:

    Das es dort keine Restaurants gibt, stimmt nicht so ganz. Es gibt an jeder Ecke welche, nur sehen die eben nicht so aus, wie wir sie aus Deutschland kennen. Sie sind wesendlich kleiner und verkaufen dort, so hab ich es immer empfunden, hauptsächlich Kotthu. Sri Lanka ist als Reiseziel wirklich zu empfehlen! Vor allem, wenn man offen ist, eine neue Kultur kennen zu lernen. Denn die ist in Sri Lanka einfach wunderbar.

    • FoodFreak sagt:

      naja, das ist aber doch letztlich genau das was ich schrieb: dass es eher Snack Food gibt (und die anscheinend unvermeidlichen Chinarestaurants). Was die Kultur angeht, bin ich ganz bei Dir!

      Im Augenblick würde ich allerdings nicht nach Sri Lanka reisen wollen, die Gefahr einer Dengué-Infektion wäre mir entschieden zu hoch.

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