The Everything Thai Cookbook

8. Februar 2013
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Ende 2009 waren wir mit Freunden im Thailand-Urlaub, genauer gesagt (zum zweiten Mal) auf Ko Samui, und eigentlich hatte auf dem Plan für diesen Urlaub auch ein Kochkurs beim traditionellen Samui Institute of Thai Culinary Arts gestanden.

Aus zwei Gründen kam es nicht dazu – der eine war die Tatsache, dass ich die Preise für die Tageskurse, die mir nur Dinge zeigen würden die ich bereits kannte und beherrschte, als vergleichsweise unverschämt empfand; der zweite Grund war, dass wir gegen Ende des Urlaubs, wo das gegebenenfalls angestanden hätte, drei Tage mit der übelsten Fischvergiftung unseres Lebens zubrachten (zugezogen in einem recht noblen und teuren Seafood-Restaurant, das nur am Rande bemerkt).

So kam es also, dass ich kurz vor der Heimreise für den Gegenwert eines Einpersonen-Vierstunden-Kochkurses (1950 Baht, oder etwa 49 Euro) statt dessen Thai Food von David Thompson (in der englischen Ausgabe, die deutsche kostet das Doppelte) und The Everything Thai Cookbook: From Pad Thai to Lemongrass Chicken Skewers–300 Tasty, Tempting Thai Dishes You Can Make at Home bestellte, die mich zu Hause erwarteten.

Über den Thompson schreibe ich ein anderes Mal, wenn ich daraus noch so etwa ein Dutzend Rezepte gemacht habe, etwas das für The Everything Thai Cookbook längst zutrifft – dabei war das zu Beginn keineswegs absehbar.

Denn meine erste Reaktion beim Durchblättern des Buches war ein tief empfundenes Was für eine Geldverschwendung!. Nicht nur, dass die Autorin allen Ernstes behauptet, Sojasauce sei ein adäquater Ersatz für Fischsauce, oder dass 2-3 Habanero-Chilis statt 2-3 birds eye-Chilis eingesetzt werden könnten; eine existenzielle Zutat wie Galgant taucht genau einmal auf (im Glossar, in dem sie anmerkt, dass sie im gesamten Buch Galgant durch Ingwer ersetzt hat), nein, nicht einmal bei Tom Kha Gai (wörtlich Suppe-Galgant-Huhn) macht sie sich die Mühe, zu erwähnen dass man hier Galgant verwenden könnte, nein sollte… auf die verschiedenen Basilikumarten wird gar nicht erst eingegangen, statt dessen steht überall nur generisch ‘basil’ (wie Thaiküche mit italienischem Basilikum schmeckt, dürfte zumindest unter interessante Erfahrungen fallen…)

Und dann ist der Titel schlicht irreführend. Ich habe die Gesamtzahl der Rezepte nicht händisch überprüft, aber allein der Rezeptindex am Ende listet

  • 7 Gerichte aus Kambodscha
  • 6 Gerichte aus Vietnam
  • 9 Gerichte aus Indien,

das Kapital Regional Cuisines bietet Küche aus halb Südostasien auf, und unter den 42 dort gelisteten Rezepten findet sich noch deutlich mehr aus Indien, Singapur, Vietnam und den Nachbarstaaten, im Kapitel Thai-Inspired Cooking stehen weitere 29 Rezepte, die eher typisch amerikanisch und mit Thai-Aromen versehen sind, plus einige Nicht-Thai-Irrläufer quer durchs Buch. Im besten Fall stammen also schon mal mindestens 71 der 300 versprochenen Rezepte gar nicht aus Thailand.

Auf der anderen Seite muss man der Fairness halber anmerken, dass man natürlich auch in Thailand von den Nachbarn inspirierte Gerichte isst; dass chinesische Küche in Bangkok ebenso einen festen Platz hat wie roti mit kaya, eine typisch malayisch-indonesische Spezialität; die Küche des Nordens hat mehr gemein mit der von Myanmar und Laos als mit der Kokosküche des Südens – die Nachbarländer haben viel von der thailändischen Küche beeinflusst und umgekehrt. Dennoch ist ein Anteil von gut einem Viertel nicht-thailändischer Rezepte für ein Everything Thai Cookbook meiner Ansicht nach recht hoch.

Und jetzt kommt das Aber.

Irgendwann probierte ich dann doch ein Rezept aus dem Buch, und das war ziemlich gut. Und dann noch eins. Und noch eins. Und stellte fest: das, was in dem Buch versammelt ist, schmeckt tatsächlich (so man ‘basil’ mit bai horapa übersetzt, und ggf. mal schaut, ob irgendwo Galgant angemessen wäre statt Ingwer). Verschiedene Salate, Dipps, Gemüse- und Fleischgerichte haben den Weg in meine Küche gefunden, und schmeckten ausnahmslos lecker und vergleichsweise authentisch; aktuell kleben ungefähr 10 Post-its im Buch für Dinge, die ich noch machen will.

Zu den Highlights gehört ein (nicht gebloggtes) Pepper & Garlic Pork, das schmeckt wie aus den kleinen Restaurants in Südthailand; aber auch das beste Rezept für indische Samosas das mir je begegnet ist. Noch keines der Rezepte die ich probiert habe enttäuschte – alles klappte, schmeckte, und würde ich wieder machen, und die Bandbreite an Gerichten ist so groß, dass man immer wieder Neues findet. Natürlich brauche ich kein “Rezept”, wie ich Thai-Duftreis koche, und auch “frittierten Tofu mit Dippsaucen” als eigenes Rezept aufzuführen halte ich für zumindest fragwürdig (um nicht zu sagen Zeilenschinderei), ist aber eben auch dem Jedermann-Anspruch der Buchreihe geschuldet.

Mittlerweile hat sich das Buch einen festen Platz in meiner Riege asiatischer Kochbücher erobert; es ist eins das ich zur Hand nehme, wenn ich schnelle, frische Küche ohne Tamtam suche, oder auch mal nach vietnamesischer und kambodschanischer Küche abseits meiner gewohnten Kochpfade, und dass keine Bilder drin sind, stört mich ja ohnehin nicht.

Rezepte aus dem Buch in diesem Blog:

Fazit: nach einem ersten Schreck und einigen erfolgreichen Rezepttests ziemlich empfehlenswert für alle, die gern thailändisch kochen.

Appetit bekommen? - Hungry for more?

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3 Responses to The Everything Thai Cookbook

  1. 11. Februar 2013 at 12:16

    Interessanterweise habe ich Samosas in Thailand kennen- und lieben gelernt. Vielleicht ist das eine oder andere Rezept, das wir als original-indisch (oder sonst woher) kennen, bei den Thai inzwischen so beliebt, dass sie es adoptiert haben? Das würde evtl. das Auftauchen der Rezepte in diesem Büchlein erklären.

    • FoodFreak
      12. Februar 2013 at 5:57

      wie ich ja schon schrieb, natürlich sind die Küchen von der Umgebung beinflusst. Aber auch wenn zB meine Generation mit Miracoli respektive Spaghetti Bolo als Familienessen aufgewachsen ist, würde ich nie so weit gehen es als ‘typisch deutsch’ zu bezeichnen ;)) zumindest nicht in dieser Generation – und so ähnlich ginge es mir mit Samosas in Thailand, besonders da Kartoffeln in der Thaiküche so gar keine Rolle spielen. (Und, wie auch erwähnt, das Rezept an sich ist ja auch super ;))

  2. 13. Februar 2013 at 21:46

    Oh, das scheint dann genau das richtige Buch für mich zu sein ;-) Kommt sofort auf meinen Wunschzettel…

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