Slow Food Magazin

Dieser Artikel wurde zuletzt am 1. September 2015 aktualisiert

2012-12-26-slowfood

Bis vor etwa zwei Jahren waren wir Mitglied bei Slow Food. Im Grunde war unser Mitgliedsbeitrag nicht mehr als eine Spende an den Verein. Die Angebote von Slow Food haben wir eher selten genutzt, das einzige, was wir regelmässig nutzten, war das Magazin, das immer im Briefkasten lag. Schon damals gefiel uns das Magazin nicht sonderlich. Neben einigen interessanten Artikeln zu Produkten und ab und zu spannenden Adressen in bestimmten Regionen zogen wir nichts Brauchbares aus dem Magazin.

Als ich jetzt eine Pressemeldung des oekom-Verlags erhielt, in dem man bekannt gab, das Slow Food Magazin in Zukunft herauszugeben, bestellte ich mir ein Rezensionsexemplar. Ich wollte wissen, ob sich etwas verändert hatte. Nun, es hat sich nichts verändert. Absolut gar nichts. Dabei kann ich gar nicht sagen, was mich genau stört. Unkoordiniert nannte es jemand. Ich kann dem Magazin einfach nichts abgewinnen. Vielleicht stört mich auch, dass es der Lautsprecher eines Vereins ist und kein Food-Magazin. Vielleicht stelle ich die falschen Erwartungen an das Magazin.

Nehmen wir doch mal die aktuelle Ausgabe, Dezember/Januar 2012/2013, auseinander. Zuerst zwei Kolumnen von Slow FoodVorsitzenden. Gut, auf dem Posten muss man auch mal was sagen dürfen. Leserbriefe, ok. Kurznachrichten: Tierschutzbund, Witzigmann-Preis, Demo in Berlin, Schwermetalle in Schokolade. Ah, endlich ein Thema, das mich interessieren würde. Doch nicht mal zwei Spalten, also nicht mal eine halbe Seite ist dieses Thema wert. Der Werbekunde daneben bringt wohl mehr.

Ein Artikel mit dem Titel „Vom Verbraucher zum Verwerter. Für eine neue Sicht auf Lebensmittel“ klingt spannend, liest sich dröge. Wie übrigens ein Großteil des Magazins. Dann folgen Produktempfehlungen. Die erste komplette Seite, zu der ich sagen würde, ja, so könnte man das lassen.

Wir kommen nach Frankfurt. Die „Genussreise“ führt uns hier hin. Direkt zu Beginn ein Rezept für Frankfurter Kranz. Wo geht man in Frankfurt essen, wo kauft man ein? Natürlich mit dem Slow Food-Gedanken im Kopf. Das meinte ich oben mit Adressen in Regionen. Zieht man Karte, Rezept und Bilder ab, bleiben aber nur noch 1,5 Seiten Text über. Der Genuss stellt sich erst vor Ort ein, beim Lesen bleibt er auf der Strecke, denn der Text, die erwähnten 1,5 Seiten, formulieren nur noch ein mal die Liste unter der Karte aus.

Lauch hat Saison, sagt das Magazin, und liefert gleich Rezepte dazu. Gut. Darauf folgen Trüffel. Trüffel verbinde ich nicht mit Slow Food. Doch, werden jetzt einige sagen, das sind doch Delikatessen, das ist was Gutes, das muss man… Muss man? Seien wir doch mal ehrlich, wer der vielen Slow Food Mitglieder möchte einen Doppelseiter über Trüffel lesen, wenn er auch schöne Rezepte über alte Gemüsesorten oder andere einheimische Produkte bekommen könnte?

Acht Seiten gehen für Menüvorschläge mit Arche-Produkten drauf. Da gibt es nichts zu meckern, das muss ich sogar loben. Früher habe ich so Seiten aber nie entdeckt. Aber es ist ja Weihnachten, in der nächsten Ausgabe geht der normale Trott weiter. Der folgt auf der nächsten Seite: Kulinarische Spurensuche zum christlichen Fest. Ich weiss nicht, wie viele Migranten Mitglied bei Slow Food sind, aber gibt es so etwas auch mal zum Ramadan? Ich zweifle.

Einen Artikel über Partyplanung erwarte ich eher in anderen Zeitschriften, die zuhauf am Kiosk um die Gunst der reifen Geniesserin buhlen. Sehe ich den extra Kasten mit einem Auszug aus dem Knigge daneben, möchte ich den Artikel gar nicht erst lesen. Ich gebe zu, ich habe den Artikel auch nur überflogen, doch das, was ich gelesen habe, das hätte ich mit ein wenig gesundem Menschenverstand auch so schon entsprechend geplant.

Der Artikel über historische Festtafeln hätte mein Interesse geweckt, ginge es mehr um das Essen als um die Tafel. Spannend ist so etwas, wenn man es spannend schreibt. Doch was hat es mit Slow Food zu tun? Eben so frage ich mich, was die Zuordnung von Cocktails zu Sternzeichen mit Slow Food zu tun hat? Muss das Magazin jetzt wegen dem Jahreswechsel auf der Esoterik-Astrologie-Welle reiten?

Oh, ein Artikel über Muscheln, denke ich mir, der mit Geschmackslabor betitelt ist. Ich bin ja nicht so der Muschelfreund, das könnte interessant werden. Doch was die Erwartungen an den optischen Gesamteindruck der Seite zunichte macht, ist schon der zweite Satz. „Welche auf Muschelkalkböden gewachsenen Weine…“ leiten den Weintest ein, den ich schon immer unnötig fand. Wobei unnötig nicht das richtige Wort ist, denn Wein kann man auch spannend beschreiben, wie originalverkorkt.de beweist. Spannend dagegen der Artikel über das „Weinland Brandenburg“. Der hätte gerne länger sein können. Ebenso der Artikel über den Käsekuchenladen in Berlin.

„Elisabeth Mann Borgese und das Drama der Meere“ hat nichts mit Überfischung zu tun, sondern mit einer Ausstellung, und „Scharfes Teil“ nichts mit Chilisorten sondern mit Messern. Das Thema Slow Food ist auch hier verfehlt, meinem Sattelschwein ist es egal, mit welchem Messer es geschnitten wird. Nach den Restaurant- und Buchtipps folgen dann die Vereinsnachrichten und Veranstaltungstermine. Das verdient dann aber auch kein Hochglanzmagazin mehr.

Bin ich zu kritisch? Bin ich zu anspruchsvoll? Ich weiss es nicht. Dieses Magazin ist vieles, aber fast nichts, was ich von einem Slow Food Magazin erwarte. Sicher geht es da vielen anders, doch als Verlautbarung eines Vereins, der sich das bewusste Geniessen und den verantwortlichen Umgang mit Lebensmitteln und Natur auf die Fahnen geschrieben hat, erwarte ich mehr Lebensmittel und weniger Durcheinander.

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

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