Navajo Cuisine @ The View, Monument Valley

Dieser Artikel wurde zuletzt am 6. März 2017 aktualisiert

2012-10-15-theviewBei unserem Roadtrip USA haben wir uns eine Nacht im fast schon legendären Hotel The View im Monument Valley gegönnt. Legendär schon deswegen, weil es das einzige Hotel im Monument Valley ist, und so gebaut, dass man von jedem Zimmer des auf einer Steilkante platzierten Hotels den Deluxe-Panoramablick auf das Monument Valley hat.

Die Zivilisation ist einige Meilen weit weg, der nächste Ort wäre Kayenta, wo es dann die übliche Burgerkettenkultur (wenn auch auf Navajo-Land) gibt; will man also in bequemer Entfernung etwas essen, bleibt quasi nur das hoteleigene Restaurant.

Küchenchef im Thew View ist ein Navajo, der eine klassische Ausbildung als Koch, u.a. bei Le Cordon Bleu, durchlaufen hat, und nun im Hotel die Küche seines Volkes behutsam modernisiert an die Kundschaft zu bringen versucht, und genau diese Navajo Cuisine wollten wir auch testen.

Das Restaurant liegt im Erdgeschoss, mit einem großen Panoramafenster (gebogen) zum Valley hin, und ist mit relativ rustikal wirkenden Holztischen und dem anscheinend unvermeidlichen psychedelischen Teppichboden eingerichtet. Wir bekamen schnell ein Tischchen für zwei am Rand, mit noch ein wenig Fenster nach draußen, und hatten schon Wasser auf dem Tisch und Menus in der Hand ehe wir richtig saßen.

Empfehlungen in verschiedenen Foren folgend, entschieden wir uns dafür, den Navajo Sampler, eine Zusammenstellung aus drei Schmorgerichten, und einen Navajo Taco Sampler, drei verschiedene Tacos im Stil der Ureinwohner, zu probieren. Wir teilten uns jeweils eine Portion, und das war auch mehr als ausreichend. Dazu gab es Navajo Tea, einen Kräutertee aus einer heimischen Pflanze, der sehr angenehm schmeckte, und mich an den griechischen Bergtee aus Syderitis syriaca erinnerte. Der Tee kam in kleinen Stahlkännchen, die bei Bedarf frisch mit heißem Wasser aufgefüllt wurden.

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Die Navajo Nation ist komplett trocken, der Besitz von Alkohol ist hier theoretisch sogar strafbar – Bier und Wein sucht mal also vergebens auf der Karte (außer in angeblich sehr grausigen alkoholfreien Varianten). Natürlich gibt es die gewohnten Softdrinks, und für den Amerikaner der es so will auch Riesenportionen von Burger und Pommes oder Lasagne, nebst Heinz Ketchup und dem gewohnten quietschgelben Spritzflaschensenf. Wir beobachteten, wie am Nebentisch geradezu gargantuanische Portionen herangeschleppt wurden.

Zum Essen gehörte ausserdem das unvermeidliche Wasser, hier mit reichlich Eis und in einem Servierkrug aufgetragen, was im Verein mit unseren beiden großen Speiseplatten den kleinen Tisch zum Ächzen brachte.

Nervig war, dass der Service, der offenbar auf ein volles Restaurant ausgelegt war, in unterschiedlicher Besetzung alle zwei bis fünf Minuten an unserem Tisch stoppte, um zu fragen ob alles in Ordnung sei, wir noch Wasser bräuchten, sie Tee nachfüllen sollten, wir noch Wünsche hätten… kurz war ich geneigt zu sagen: ja, in Ruhe essen wäre toll.

Das Essen:

2012-10-15-navajosamplerAuf dem Navajo Sampler befand sich noch einmal einer der Tacos, die auch auf dem Taco Sampler drauf waren. Die Tacos schmeckten sehr lecker, waren mit Navajo Fry Bread mit blauem Mais gemacht, und waren ebenso frisch wie fein gewürzt und gut abgestimmt. Die „Eintopfgerichte“ entpuppten sich als ein abgöttisch leckeres chili verde, also ein grünes Chili mit Schwein, ein recht gutes „red posole“ – mit anderen Worten ein flüssiges rotes Schweinefleischchili, das etwas mehr Wumms hätte vertragen können, aber im Verein mit dem Frybread dazu und einer kräftigen Dosis Limette (nicht gerade regionaltypisch) sehr angenehm war, sowie ein völlig unterwürztes Lammfleischgericht, das entsprechend langweilig und nichtssagend war. Bunte knusprige Maistortillastückchen in pink und violett bevölkerten die Platte um die Schalen herum. Dazu gehörte noch ein wässriger weicher blauer Maisbrei, stilecht mit in der Bärchenflasche dazu gereichtem Honig zu essen, der uns eher nicht vom Hocker riß, und zu den Tacos noch Crema fresca und eine Art Salsa im (warum?) Plastikdippschälchen.

Die Preise waren mehr als in Ordnung, keineswegs so überteuert wie man es an einer solchen prime location mit Panoramablick auf das Monument Valley erwarten würde; und dass im Restaurant nicht reserviert, sondern Plätze auf first-come-first-serve-Basis vergeben werden, machte an diesem Oktobertag auch keinen großen Unterschied, außer dass natürlich die Plätze mit der besten Aussicht zuerst weg sind.

Summa summarum: annehmbares Essen, dessen Authentizität ich zwar nicht beurteilen kann, dessen Zutaten aber einzeln und zusammen gut schmeckten, zu fairem Preis, plus ein übereifriger Service. Solange man die Finger von dem sehr generischen Fastfood lässt, welches das Restaurant bietet, und sich auf die Spezialitäten-Gerichte konzentriert, kann man hier gut und bezahlbar essen, und bekommt tatsächlich frisch zubereitetes Essen der Region und Nation – was will man mehr?

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

2 Antworten

  1. Interessant, danke für die ausführliche Beschreibung!

  2. Andrea sagt:

    Das finde ich gerade sehr interessant. Ich war vor vielen Jahren dort, da sah das alles noch nicht so ansprechend aus. Jetzt planen wir im August wieder eine Reise in den Westen – Monument Valley wollte ich nur auf der Durchreise mitnehmen, vielleicht bleiben wir jetzt doch eine Nacht. Danke für die umfassende Info!

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