Malabar-Pfeffer

12. Dezember 2012
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Schon vor geraumer Zeit fragte bei mir eine Agentur sehr freundlich an, ob ich mir denn vorstellen könne, ihren Malabar-Pfeffer zu verkosten und darüber zu schreiben. Nun benutze ich zwar seit Jahren fast ausschließlich Tellicherry Pfeffer (der ebenso von der Malabar-Küste in Indien stammt), aber neuen Gewürzquellen bin ich nie abgeneigt, Ganz besonders nicht, da sich die Produzenten und der Vertrieb mit Versprechen wie “ökologisch einwandfrei”, “fair”, und “Geschmacksoffenbarung” schmücken.

Der Gewürzhandel ist – wie die meisten dieser “Kolonialwaren” (Tee, Kaffee, Kakao…) ein Geschäft mit Gewinnmargen die meist vollkommen an den Produzenten vorbeigehen. Direkte Handelsprojekte, wie auch z.B. der direkt und fair gehandelte Kaffee von Coffee Circle, bringen dabei den Produzenten sehr viel mehr als die “großen” teuer zertifizierten FairtradeSiegel. In diesem Sinne ist auch das Projekt “Pfeffer aus dem Tigerreservat” von Ecoland eines, das ich unterstützenswert finde.

Als Verkostungsprobe erreichten mich dann die beiden obigen Mühlen, die mir im Design bekannt vorkamen – klar: Perfetto ist die Feinkostmarke von Karstadt. Hier auf der Begleitseite von Perfetto gibt es ein paar mehr Infos zum Pfeffer (und Kalahari-Salz) und ein Interview mit dem Mann, der das Projekt Malabar-Pfeffer aus dem Urwald überhaupt erst angeschoben hat.

Genauer geht allerdings die Ecoland-Site selbst ins Detail:

Im Zentrum der Western Ghats befindet sich der Lake Periyar Nationalpark, der berühmt ist für seine unglaubliche Artenvielfalt. Wildlebende Elefanten, Tiger, Leoparden und Büffel sind dort keine Seltenheit. Inmitten des Nationalparks wird dieser einzigartige Pfeffer von den dort ansässigen Ureinwohnern, die noch in Stammesgemeinschaften leben, nach den Ecoland Bio-Richtlinien ohne jeglichen Einsatz von Chemikalien angebaut. Es werden ausschließlich die aromatischen, traditionellen Pfeffersorten verwendet, die ansonsten vom Aussterben bedroht sind. Die Erntemengen sind nicht sehr groß, dafür ist das Aroma dieses Pfeffers unglaublich intensiv.

Womit wir zum wichtigeren Punkt kommen: dem Geschmack.

Vorab: Plastikmühlen, die im Zweifel weggeworfen werden, halte ich für absolut die falsche Verpackung für ein Produkt, das mit “öko” und “nachhaltig” wirbt – und sie sind auch nicht angenehm zu benutzen. Ich habe eine anständige Pfeffermühle mit Keramikmahlwerk, die ein Leben lang hält, und würde meinen Pfeffer dann lieber im Beutelchen kaufen – vielleicht auch einem dort produzierten, das ist ein weiteres Stück Wertschöpfungskette für die Region. Immerhin gibt es den Pfeffer und das Salz auch im (Nachfüll?-) Glas, denn die Mühlen sind im Prinzip nachfüllbar.

Das Kalahari-Salz: Für mich schmeckt es nach Salz. Einen signifikanten Unterschied zu meinem feinen Meersalz kann ich nicht ausmachen, auch dass das Meersalz bitterer schmecken soll kann ich nicht bestätigen, und ich habe relativ feine Sensoren für Bitteres. Ob es ‘nachhaltig’ ist, Salz aus dem Süden Afrikas nach Europa zu transportieren, mag jeder für sich selbst entscheiden. Mir wäre es den erheblichen Preisaufschlag – im Gegensatz zu, zum Beispiel, Maldon Sea Salt Flocken – nicht wert.

Der Malabar-Pfeffer: Für so ein lokal begrenzt produziertes Produkt finde ich den Namen unglücklich gewählt; Malabar ist eine große Region, in der viel Pfeffer angebaut wird. Die Pfefferkörner sind sehr gleichmäßig (was passiert mit den kleineren?), und in der Tat schmeckt der Pfeffer sehr intensiv, mit interessanten Schärfe-Spikes, und sehr aromatisch. Das ist ein Produkt, das ich gerne (in anderer Verpackung) kaufen würde. Und siehe da: Bei Ecoland im Onlineshop gibt es den Pfeffer, als grünen, weissen und schwarzen ganzen Pfeffer, im von mir erwähnten Säckchen zu je 180 Gramm; das ist auch eine Menge, mit der man in der Küche arbeiten kann – und kostet die Hälfte des auf “excellent” umgebrandeten Produkts.

Das Fazit, wenn es auch vermutlich nicht ganz das ist, was sich die Agentur davon erhofft hat: der Pfeffer aus dem Urwald ist ein tolles Produkt; die Präsentation in der Gourmet-Linie des Warenhauskonzerns Karstadt wird einem nachhaltig produzierten Gewürz aus kleinbäuerlichen Strukturen mit Fairtrade-Anspruch aber nicht gerecht, und wäre für mich eher ein Hindernis es zu kaufen. Das Rebranding auf ‘Excellent’ finde ich im Kontext ebenfalls unklug; es ist ja gerade die Tatsache, dass es sich hier nicht um eine gestreamlinetes Massenprodukt einer Marke handelt, die – neben dem Geschmack – dieses und andere handwerklich hergestellte Lebensmittel so spannend und begehrenswert macht, und das sind die Produkte, nach denen echte Genießer und Foodies suchen.

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5 Responses to Malabar-Pfeffer

  1. 12. Dezember 2012 at 9:34

    Ich kann beim Salz einen deutlichen Unterschied ausmachen. Dieses Kalahari-Salz schmeckt für mich mehr nach Steinsalz als nach Meersalz. Dabei fand ich den Geschmack der Kristalle eher stumpf und kein bisschen fein wie Meersalz.

  2. claudia
    12. Dezember 2012 at 11:29

    Ich stimme den Ausführungen zum Pfeffer bzgl. der Vrpackung zu. Wir haben den Ecoland Pfeffer mal in Schwäbisch Hall im Hotel kennen gelernt. Seitdem kaufe ich ihn im Ecoland Shop und bin damit sehr zufrieden. Ähnlich guten Pfeffer zu relativ günstigen Preisen habe ich auch schon im Weltladen gekauft, allerdings schmecke ich dort Qualitätsschwankungen. Für uns gilt, entweder Ecoland oder Weltladen wenn es um weißen oder schwarzen Pfeffer geht. Nie stumpf im Geschmack wie man das in anderen Haushalten bzw. Restaurants maches Mal schmeckt und dann noch PC!

    • FoodFreak
      12. Dezember 2012 at 16:59

      Danke für Deine Rückmeldung: so etwas im Restaurant bzw. Hotel zu entdecken ist ja auch sehr fein!

  3. 12. Dezember 2012 at 13:54

    Tja, wenn man eine Frage stellt, darf man sich nicht wundern, wenn eine ehrliche Antwort kommt. Mal schauen, was sie daraus machen.
    Gut gemacht, Petra!
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    • FoodFreak
      12. Dezember 2012 at 16:59

      Naja, Pressemitteilungen abschreiben ist ja die Aufgabe von Fachzeitschriften :) – ich gehe mal davon aus, dass eine Agentur, die jemandem wie mir sowas anbietet, ihre Hausaufgaben gemacht hat und weiss was sie tut.

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