Gordon Ramsays Plane Food @ LHR

6. November 2012
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Mit mehreren Stunden Zeit in London-Heathrow, namentlich im berühmten, ach-so-modernen Terminal 5, die passenderweise auch noch zur Mittagszeit und vor einem Langstreckenflug lagen, hatten wir uns fest vorgenommen, bei Plane Food essen zu gehen – wann bekommt man schon mal die Chance, zu sehen wie eine Gastro-Grösse sowas aufzieht?

Der Magen knurrte auch schon ganz ordentlich, und nachdem wir, just aus Hamburg angekommen, den Londoner Security-Irrsinn schliesslich hinter uns hatten, machten wir uns gleich auf den Weg ins Restaurant.

Das Restaurant liegt auf der oberen Ebene in Terminal 5, also da wo man dank Sicherheitskontrollen ohnehin durch muss, aber vom Trubel weg, so dass es relativ ruhig ist.

Die Einrichtung ist sehr modern, freundlich und elegant, hinter der langen Theke, an der es angeblich hervorragende Martinis geben soll (das wollten wir auf dem Rückflug testen, daraus wurde aber dank Verspätungen leider nichts), erstreckt sich eine lange Bank mit davor gestellten Tischchen und Sesseln; von der Bank hat man Ausblick auf die Bar und die halboffene (Glaswand) Küche. Hinter der Bank stehen zahlreiche weitere Tische, die einen Ausblick auf das Feld zwischen Terminal 5 A und B und ein paar dicke BA-747 ermöglichen; die große Glasfront des Terminals sorgt für viel Helligkeit.

Trotz Mittagszeit war es nicht voll, wohl auch den – verglichen mit Subway, Burger King & Co. – hohen Preisen der Location geschuldet; nach und nach kamen dann aber doch mehr Gäste. Vor dem Eingang ins Restaurant prangte eine große Tafel mit lateinamerikanischem Special (hier bei 23hq im Bild), ausserdem die normalen Menuangebote (hier auf der Website sind Beispielsmenus zu sehen).

Der Service war durchaus aufmerksam, nach dem obligatorischen wait-to-be-seated, das in Sekundenschnelle erledigt war, wurden auch fix Bestellungen aufgenommen. Trotz recht leerem Restaurant und Bestellung von der Standard- bzw. Tages-Special-Karte schien die Küchencrew aber etwas überfordert, zumal hier, von den frisch gemachten ‘fries’ abgesehen, hauptsächlich im großen Maßstab aufgewärmt wurde, wie wir bald feststellten.

Die Servicecrew wiederum schien in einer Art offenen Raumdeckung zu arbeiten, aber mit individuellen Tischen, und unser Kellner zeichnete sich vor allem dadurch aus, viel hektisch mit leeren Händen herum zu laufen und ansonsten hibbelnd am Kassenterminal zu stehen, während andere sich um Restaurantabläufe kümmerten. Effizient wirkte das alles nicht.

T. bestellte explizit zwei Gänge vom Lateinamerika-Special, und hatte eigentlich Vorspeise und Dessert (veal matambre & chimichurri sauce / flan con dulce de leche) haben wollen, plus passenden Wein. Ob das Folgende ein Kommunikationsproblem war oder Service-Unhöflichkeit lassen wir mal offen; als zum ‘veal matambre’ die extra bestellten hausgemachten Pommes frites nicht kamen, und auch mein Chicken and Cashew Curry weit und breit noch nicht zu sehen war, stellte sich heraus, dass zwei Gänge zwangsweise bedeutete, Vor- und Hauptspeise, und das Matambre nun ‘nur’ als Vorspeise kam. Well…



Anstatt Kalb lag im übrigen Rind auf dem Teller, was der Service auch angekündigt hatte. Das Fleisch schmeckte gut, die Chimichurri auch, für eine Vorspeise war die Portion sehr groß, das Fleisch war allerdings zäh und hätte gut noch eine Weile geschmort haben können.

Das Hauptgericht, milanesas de cerdo a la napolitana, war ein relativ (erneut) zähes trockenes Schnitzel mit guter Tomatensauce und Mozzarella überbacken, wobei die Auflage erheblich besser war als das Schwein; sogar der käseverachtende Gatte mochte die Tomaten-Mozzarella-Kombo. Okay, aber alles andere als top. Köstlich waren dagegen die Oliven dabei, die mir zugingen ;)



Mein “Chicken and Cashew Curry” entpuppte sich als ein sehr generisch-langweiliges Hühnercurry, das vor allem scharf war und dem eine recht dumpfe Curry-(Pulver-) Mischung in dick gebunder Sauce zugrunde lag; die Cashews fand ich nebst Rosinen im dazu gereichten Reis; die Hühnerstücke waren zu groß und zu trocken; nicht ganz das erwartete. Das kann jedes britische Curry House an einer Strassenecke in Yorkshire besser, es fehlte Pep, Zing, Frische, Aroma. Daneben lag ein frisch ausgebackenes Papadum, das zum Auflöffeln der Sauce und Neutralisieren geeignet war. Als Fan der indischen Küche hatte ich ein leises “Das ist jetzt nicht Euer Ernst?” im Kopf. Gemessen daran, dass Gordon Ramsay sich vor kaum einem Jahr noch auf Gordon Ramsay’s Great Escape: India herum getrieben und dabei auch sehr ansprechende indische Küche gekocht hat, fand ich das doppelt enttäuschend.

Die ausgewählten Weine – der zum Menu empfohlene Cabernet von Concha y Toro, sowie ein brauchbarer Chardonnay für mich – waren okay, rissen aber nicht vom Hocker. Auf ein Dessert, das mich eigentlich gereizt hätte, verzichteten wir, statt dessen orderten wir noch einen Espresso. Der kam aus einem Vollautomaten und hatte quasi keine Crema, der Kaffee schmeckte brauchbar, aber auch das hat man schon sehr viel besser gehabt.

Summa summarum: man kann an Flughäfen viel schlechter essen, ganz ohne Frage, und die Preise des Essens sind wohl eher der Ladenmiete in LHR zuzurechnen als der Marke Ramsay. Aber es steht nun mal Gordon Ramsay dran, und die Qualität des Gebotenen verdient den Namen Gordon Ramsay nicht – ebensowenig wie der Service, dem Gäste im Restaurant u.a. noch erklären mussten, dass sie es bevorzugen, wenn man die zum Hauptgericht bestellte Beilage auch nochmal mit in die Küche nimmt, wenn sie den halbrohen Fisch zum Nachgaren zurück gehen lassen. (Der Fairness halber: Das Gericht wurde komplett neu gemacht). – Ach ja: die handgemachten Pommes Frites, die in stylischen Stahlbechern gesondert serviert werden, sind wirklich gut. Das kann man für 3,25 £ plus Service Charge aber auch erwarten…

Fazit: muss nicht sein. Aber einen der Cocktails würde ich das nächste Mal probieren, wenn sich denn der Durchgang durch LHR gar nicht vermeiden lässt.

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3 Responses to Gordon Ramsays Plane Food @ LHR

  1. 6. November 2012 at 12:54

    Da kann ja Gordon bald mal im eigenen Restaurant aufräumen. ;-)

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