Die Gurkenpanik

26. Mai 2011
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Eigentlich habe ich gar keine Zeit mich über EHEC auszulassen — ausserdem tut das momentan im Web sowieso fast jeder. Die aktuell ausgebrochene Gurkenpanik allerdings reizt mich derart, dass ich nun doch ein paar Worte dazu verlieren will.

EHEC, eine durch eine bakteriophage DNS-Intrusion mutierte Variante des grundsätzlich erst mal ganz normalen Darmbakteriums Escherichia coli, kurz E. coli, ist gesundheitsgefährdend – und zwar stark. Das Bakterium kann blutigen Durchfall und Nierenschäden verursachen, und im schlimmsten Fall geht das Ganze tödlich aus. EHEC geht im allgemeinen aus Darmbakterien von Wiederkäuern (vulgo: Scheisse, Gülle) ins Wasser über. Eine Infektion mit dem Bakterium erfolgt meistens (indirekt) über verunreinigtes / nicht gut gereinigtes Wasser.

So weit die Fakten. (Lassen wir mal aussen vor, dass an MRSA jährlich zwischen offiziell 15.000 und inoffiziell eher 40-50.000 Menschen sterben – niemand warnt Leute davor ins Krankenhaus zu gehen…)

Beim Auftreten der ersten Fälle in Norddeutschland lautete die Warnung der Behörden erst mal ganz allgemein, Hygiene in der Küche walten zu lassen (keine Einwände, auch ohne EHEC). Und weil hauptsächlich Frauen betroffen waren, ging man davon aus, dass der Erreger in Gemüse zu finden sein müsse – ist ja auch logisch: Frauen essen mehr Gemüse als Mäner, richtig? Und bereiten öfter Nahrung zu, gelle? Also muss es ja Gemüse sein.

Realistischer wäre der Hinweis gewesen, dass man sich zwar über Fleisch und Milchprodukte durchaus anstecken kann, wahrscheinlicher aber ist, dass jemand irgendwo sein Grünzeug mit Gülle oder nicht gut geklärtem Abwasser gedüngt hat.

Heute früh oder schon gestern lautete die Warnung des Robert-Koch-Institutes dann: esst keine Gurken, Tomaten und Salate aus Norddeutschland, weil da ja die meisten Fälle auftreten. Und ich dachte nur, WTF?

Mal ganz abgesehen davon dass so eine breite Rundumschlagwarnung vor allem die trifft, an denen es nicht liegt – norddeutsche Gemüsebauern und Großmärkte verspürten quasi sofort einen dramatischen Order- und Umsatzrückgang – kann man bereits mit ein bißchen gesundem Menschenverstand feststellen wie blödsinnig die Warnung ist (aber hey, ich bin ja auch kein Wissenschaftler…)

In Norddeutschland gibt es Ende Mai weder Gurken noch Tomaten aus Freilandanbau, sondern nur aus Gewächshäusern, im Unterglasanbau kann aber keine Gülle verwendet werden. Und wenn *ich* Salate und Gurken und Tomaten aus der Region kaufe, dann in Bio-Qualität, die ebenfalls auf Gülle verzichtet. Und wer seine Gurke schält (die im lokalen Discounter vorrätigen kommen übrigens aus holländischem Unterglasanbau) kann auch weiterhin unbesorgt seine Gurke essen – was also soll das? Und Nahrungsmittelhändler kaufen global ein und verkaufen global – gut vorstellbar ist, dass eine verunreinigte Charge aus Gottweisswo im Hamburger Großmarkt gehandelt wurde – aber was weiss ich schon…

Die letzte Meldung nun lautet, dass spanische Gurken die Schuldigen seien. Und das überrascht mich kein bißchen.

Spanien hat im Jahr 2010 8 Millionen Tonnen Obst und Gemüse exportiert. Die meisten Fruchtgemüse (und Melonen und Zitrusfrüchte) enthalten schon per se über 85% Wasser, und für ihren Anbau werden zusätzliche große Wassermengen benötigt. Spanien ist ein Land, das seit Jahrzehnten mit steigender Desertifikation kämpft, und in dem die wasserintensive Landwirtschaft immer noch stark subventioniert wird, obwohl die Regenfälle den Bedarf schon lang nicht mehr decken. Muss es uns da wirklich wundern, dass alle Wasserquellen angezapft werden, auch nicht gut gereinigte Abwässer? Es ist in meinen Augen pervers, aus einem Land, dem das Wasser ausgeht, jedes Jahr fast 7 Millionen Tonnen Trinkwasser in Form von Obst und Gemüse zu importieren. Und die Rechnung bezahlen wir auch mit Erregern wie EHEC.

Die Konsequenz sollte also nicht sein, esst keine Gurken mehr, sondern: esst saisonale und regionale Gemüse, wenn möglich vom Biobauern. Das wäre eine viel sinnvollere Aufforderung als die momentane mediale Panikmache.

Danke fürs Zuhören.


Nachtrag: Auch wenn es vielleicht banal ist: eine nachhaltige Landwirtschaft und Gemüseerzeugung verwendet selbstverständlich tierischen Dünger. Wie man an der Beschreibung des in 2006 Schlagzeilen machenden E. coli Skandals in den USA sehen kann, werden davon auch Biobetriebe nicht verschont. Dafür muss man aber auch wissen dass in Kalifornien so genannte Biolandwirtschaft nach anderen Maßgaben arbeitet und vor allem in industriellen Größenordnungen. Interessanterweise war aber auch hier vor allem das für die Bewässerung verwendete (nicht gut gereinigte) Wasser eine der wahrscheinlichsten Ursachen, die man nie genau klären konnte. Womit ich zu meinem Punkt zurückkomme, dass es u.a. der Irrwitz der intensiven Bewässerungslandwirtschaft in Trockenregionen – dort: Kalifornien – ist, der in diesen Größenordnungen für solche Kontaminationen hoch anfällig macht. Noch einmal: in diesem Artikel geht es mir NICHT darum Entwarnung vor EHEC zu geben. Was mich stört ist eine falsche und für alle Beteiligten nicht hilfreiche Übersimplifizierung komplexer Fakten. Das kann man besser und unaufgeregter lösen.

flattr this!

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26 Responses to Die Gurkenpanik

  1. schwerie421
    26. Mai 2011 at 13:47

    Gut gebrüllt, Löwe!

    Aber leider lesen das hier nicht die, die Panik machen, bzw. der Panik verfallen!
    Schade eigentlich!

  2. 26. Mai 2011 at 13:50

    Vielen Dank für Deine Ausführungen, die haben mir die Mittagspause versüßt.

    Die Frage ist doch aber: Wissen die Leute heutzutage noch, was saisonale Gemüse sind? Es ist doch *immer alles* zu bekommen, ob nun Erdbeeren im Januar oder Radieschen im November…

    Und die Medien machen aus einer “saure Gurken Zeit” nun eine böse Gurken Zeit….

    Persönlich find ich es auch übertrieben, aber die Leut vergessen ja schnell, bald werden auch wieder die Gemüse gegessen werden.

    Gruß, Elli

  3. Pingback: Politisches
  4. Eva
    26. Mai 2011 at 14:14

    Da bin ich ganz konform mit dir!
    Gut geschrieben.

  5. 26. Mai 2011 at 14:22

    Oder wahlweise eben Gewächshausgemüse vom Discounter :)

    Danke für die übersichtliche Klarstellung!

  6. 26. Mai 2011 at 14:27

    Ja, wirklich gut geschriebener Eintrag!
    Ich sehe das auch genau so wie du. Als ich heute las, dass ich keine Tomaten aus Norddeutschland mehr essen soll, habe ich schön gelacht.
    Viele Grüße aus Lübeck!

  7. eeek
    26. Mai 2011 at 14:34

    Auch wenn sowohl Presse als auch zahlreiche Tweets etwas anderes behaupten, hat das RKI nicht einzig vor dem Rohverzehr von Tomaten, etc. _in_ Norddeutschland und nicht _aus_ Norddeutschland gewarnt? So habe ich das jedenfall schon gestern hier gelesen: http://www.bfr.bund.de/de/a-z_index/ehec___enterohaemorrhagische_escherichia_coli-5233.html
    Man kann sicher darüber streiten, ob eine derartig allgemeine Warnung notwendig war. Aber die Überlegung, dass sich dort, wo es viele Krankheitsfälle gibt, ggf. noch kontaminierte Ware im Handel befindet, ist ja nun so blöd nicht.
    Zu Deinen Überlegungen zu spanischem Gemüse aber natürlich volle Zustimung.

    • FoodFreak
      26. Mai 2011 at 15:50

      Was die kontaminierte Ware im Handel angeht gebe ich Dir schon recht; aber wir reden von im Raum Hamburg ca. 400 Fällen. überspitzt gesagt können die auch alle Lebensmittel XY aus einer Großmarktkiste gegessen haben, die ein Mitarbeiter mit siffigen Fingern angegrabbelt hat. Die Franzosen bezeichnen EHEC auch als die Krankheit der schmutzigen Finger. Deswegen war übrigens auch der Verdacht auf Erdbeeren nicht so abwegig, bei der Vielzahl von Erntearbeitern durch deren Hände das Produkt im Wortsinn geht.

      Bei einer unklaren (sic) Faktenlage einer Metropolregion mit rund 4 Mio Einwohnern zu erklären, sie solle auf bestimmte Gemüse von lokalen Händlern verzichten, ist nicht nur imho unnötige Panikmache (die Süddeutsche titelte schon von Seuche), sondern auch vollkommen sinnlos. Außerdem schert es eben erneut alle Produzenten über einen Kamm. Mit gezielten, sachdienlichen Informationen ist den Menschen denke ich besser gedient als mit pauschalem Ohwirmüssendamalnewarnungraushauen-Coveryourass.

  8. 26. Mai 2011 at 14:46

    Sehr informativ, gut geschrieben, vielen Dank!!

  9. Pipkin
    26. Mai 2011 at 14:53

    Nunja. Die Warnung, im norddeutschen Raum erstmal keine Tomaten, Salate und Gurken zu verspeisen, kann ich schon verstehen. Gemeint war ja nicht aus Norddeutschland stammendes Gemüse sondern hier verkauftes Gemüse (unabhängig davon, wo es herkommt). Es wäre wohl auch nicht sinnvoll gewesen, diese Warnung zu differenzieren (Gewächshausprodukte ja, anderes nein), da die meisten Menschen dafür nicht komplex genug denken können (die Warnung wegen der Überanstrengung wieder ausblenden) und diese Unterscheidung sowieso nicht treffen können, weil sie das eine Gemüse nicht vom anderen unterscheiden können. So eine Warnung muss heutzutage so kurz und simpel sein, dass sie in die Twitter-Zeichenlänge passt. Sonst ist sie zu unhandlich, wird nicht verstanden und spricht sich nicht rum.

    • FoodFreak
      26. Mai 2011 at 15:05

      Ich bin durchaus Deiner Meinung was die nötige Differenzierung angeht; wenn Du einen Blick auf den verlinkten Artikel zur medialen (darum geht es mir) Wahrnehmung der Empfehlung des RKI wirfst, findest Du aber, dass auch Politiker vor Gemüse aus Norddeutschland warnen und Hamburger Betriebe genau untersucht wurden. Daran gibt es _per se_ gar nichts auszusetzen – meine Kritik richtet sich eben gegen die mediale Panikmache, die heute früh zB noch bei BILD darin gipfelte vor Gemüsen aus Norddeutschland zu warnen.

      Ich bin absolut der Meinung, dass man EHEC nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte, und für Hygiene, Vorsicht und Einsatz von eigenen Gehirnzellen sowieso. Johanna Normaleinkäuferin liest aber _weder_ Twitter noch die Empfehlungen des RKI. Und eine pauschale Abstrafung von unzähligen Gemüsebauern (ganz abgesehen davon dass die Leute eher mehr als weniger Gemüse essen müssten) hilft da gar nix. Um im Bild zu bleiben: niemand rät von Krankenhausaufenthalten wegen MRSA ab ;) )

      • Pipkin
        26. Mai 2011 at 16:05

        Stimmt. Die Mediale Panikmache geht mir auch auf den Keks. Ich hatte vor einiger Zeit schon festgestellt, dass verblüffend lang keine Seuche, Pest, Grippe etc. über uns geschwappt ist. Habe mit Freunden schon gewettet, wie das nächste Ungetier heißen wird, das nach Schweinegrippe, Rinderwahn und Vogelgrippe (?) etc. kommen mag. Mein Tipp war “Hunde-Lepra”, die von Haustieren auf Menschen und von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Hundefutter hätte unter Verdacht gestanden. Am Tag darauf Fleisch im allgemeinen. Aber, um die Situation noch unkontrollierbarer zu machen, müssten die Erreger auch im Kot von Stadt-Tauben zu finden sein.
        Bei solchen Geschichten richtet sich mein Blick in den Medien immer auf die Spaltentexte der leiseren Meldungen. Da spielt die Musik. Was wird gerade übertönt? Ein neues Gesetz?

        Johanna Normaleinkäuferin soll das alles ja gar nicht verstehen. Das ist ja nicht Sinn der Sache. Verunsicherte Menschen lassen sich besser lenken.

        Gewisse Zeitungen oder bildreichen Blättchen sind eben nur sekundär Informationsquellen und primär Unterhaltungsmagazine, die mit Emotionen (in diesem Falle Angst) Geld verdienen. Gewisse Politiker wollen vor allem Wählerstimmen. Beide wollen nicht in erster Linie das Wohl von Johanna Normaleinkäuferin.

        Das traurige ist: es liegt einzig in der Hand von Johanna, schlauer zu werden.

  10. Willy
    26. Mai 2011 at 14:54

    Danke für diesen Artikel. Ich hatte heute gerade eine Diskussion mit meinen Arbeitskollegen zu diesem Thema. Kannte aber da leider diesen Artikel noch nicht.
    Dafür sind die Brötchen im Automaten z. Zt. ohne Tomate und Gurke.

  11. 26. Mai 2011 at 15:09

    Natürlich wird im Bioanbau Gülle verwendet. Gedüngt wird immer – hier eben biologisch und nicht chemisch.

    • FoodFreak
      26. Mai 2011 at 15:11

      korrekt, aber z.B. im demeter-Anbau aufbereitet, und immer aus dem Mist entsprechend gesunder Tiere.

  12. 26. Mai 2011 at 15:11

    Viel schlimmer ist die Tatsache, dass in den ersten Berichten von deutschem Bio-Gemüse erzählt wurde.

    Deutsches Bio-Gemüse aus Spanien … wie verrückt ist das denn, läßt sich aber sicher gut “verkaufen” ?

    Ob jetzt wirklich alle deutschen Gurken- und Salatanbauer Pleite gehen steht auf einem anderen Platz des Tisches.

    In diesem Sinne :-)

  13. 26. Mai 2011 at 15:31

    ist es nicht wieder typisch, dass soswas nur in Deutschland passiert? Die Mehrheit der Verbraucher dort schaut doch nur auf den Preis, je billiger desto besser……Qualität scheint doch eher eine kleine Nebenrolle zu spielen, dann muss man sich auch nicht wundern! In Frabkreich kostet derzeit eine frz. Gurke 1,39€, und, wie teuer war die Killerhurke???

  14. @schusterjunge
    26. Mai 2011 at 16:17

    Keine Gülle im Bio-Anbau? Ist nicht das Gegenteil davon richtig? Im Bio-Anbau ist Kunstdünger Tabu, eine enge Verzahnung von Pflanzenbau und Tierproduktion und damit ein möglichst lokaler Gülle/Mist -> Ackerbau-Kreislauf erwünscht, erlaubt oder gar vorgeschrieben! In der laschen Variante (EU-Bio-Siegel) darf sogar Gülle aus konventioneller Tierproduktion verwendet werden, und über den Nachweis, dass multiresistente Keime aus der Antiobiotika-verpesteten Viehhaltung über den Verzehr von rohem Gemüse bereits auf den Menschen übertragen wurden, hat der WDR erst kürzlich berichtet:
    http://www.wdr.de/tv/markt/sendungsbeitraege/2011/0516/00_antibiotika.jsp.

    Hier liegt in meinen Augen der größere Skandal!

    Gegen EHEC, Salmonellen und andere Erreger aus der Gülle gibt es wahrscheinlich einen guten Trick: Gülle zweistufig vergären, am besten mit thermischer Behandlung vor dem Fermentationsprozess. Erzeugt pflanzenverträglichen, hygienischeren Dünger und nebenbei Energie aus Biogas! Und das viel sinnvoller und ökologischer als die perverse Erzeugung von Biogas aus extra dafür angebautem Mais. Aber ich schweife ab…

    • FoodFreak
      26. Mai 2011 at 16:22

      Siehe meinen Nachtrag unter dem Artikel. Und nein Du schweifst nicht ab, das ist ein durchaus valider Punkt der in die Betrachtung hinein gehört. Die Fermentation wird ja zB bei demeter-betrieben vorgenommen.

  15. MemyselfandI
    26. Mai 2011 at 16:24

    Ich habe schon vor langer Zeit beschlossen, mich nicht durch derartige Panikmache in eine Angst treiben zu lassen, die ungesünder sein kann als die Schweinepest, Rinderwahn und Killergurke zusammen. Ich lebe vegetarisch und versuche stets mich gesund zu ernähren. Wasche regelmäßig meine Hände. Ich rauche nicht, ich trinke nicht (Alkohol) und treibe Sport und putze mir regelmäßig die Zähne. Ich trinke viel Wasser und gehe regelmäßig an der frischen Luft spazieren.

    Mehr kann ich nicht tun. Wenn mir eine verspeiste Killergurke das Leben madig soll, bitte. Mir könnte auch beim Spaziergang ein Flugzeug auf den Kopf fallen. Ich habe mir heute in einem Norddeutschen Supermarkt einen Salat, Tomaten und Gurken gekauft und diese gegessen. Und das Flugzeug am Himmel ist auch oben geblieben. Warnungen können durchaus Sinn machen und wichtig sein. Aber diese Panikmache nervt. Vielen Dank für Ihren Beitrag!

  16. 26. Mai 2011 at 17:12

    guter text, stringente argumentation, interessante kommentare. schön, dass du dir doch die zeit dafür genommen hast.

    bloß deinen satz

    „Und wenn *ich* Salate und Gurken und Tomaten aus der Region kaufe, dann in Bio-Qualität, die ebenfalls auf Gülle verzichtet.“

    oben finde ich problematisch, weil damit der eindruck erweckt werden könnte, gülle wäre grundsätzlich ein problem, falsch oder was auch immer. diejenigen, die immer schon zu wissen glaubten, dass der tierische mist ja unhygienisch und grundsätzlich gesundheitsschädlich sei, würden hier eine argumentationshilfe bekommen, die aber gar nicht stimmt.

    im sinne der von der biolandwirtschaft intendierten kreislaufwirtschaft ist der tierische mist wie du eh später schreibst ein ganz wesentlicher faktor. selbst weinbauern, die bisher keine tiere hatten, beginnen, wenn sie z. b. nach demeter-richtlinien produzieren, tiere zu halten, damit sie diesen kreislauf gewährleisten können und nicht mist von anderen (bio)betrieben zukaufen müssen. und das ist ja das problem: wenn tierhaltung und flächenbewirtschaftung entkoppelt werden, dann gibt es auf der einen seite extremen überfluss (im wahrsten sinne, foer schreibt z. b. sehr anschaulich darüber) mit allen negativen folgen, auf der anderen seite aber keine möglichkeit mehr, herkunft und qualität des tierischen düngers zweifelsfrei zu überprüfen oder gar als bauer/bäuerin selbst zu bestimmen. das ist ein riesenproblem, das sich mal jemand (mit viel zeit ;-) ) genauer anschauen sollte. @schusterjunge hat sich darüber offenbar auch gedanken gemacht.

    du hast das zwar im nachtrag kurz ergänzt, aber es ändert nix daran, dass man oben im text „drüberstolpern“ könnte. „bio-qualität, die ebenfalls auf gülle verzichtet“ ist eben eine falsche schlussfolgerung in deinem ansonsten so wichtigen (und richtigen) text.

    btw: habe diesen kommentar im textverarbeitungsprogramm geschrieben und jetzt in das kommentarfeld reinkopiert, weil ich direkt in diesem feld nur mit extremer zeitverzögerung (bis hin zum firefox-aufhängen) tippen kann, komisch.

    ps: als „rant“ (ich musste das wort erst nachschlagen, tja…) empfinde ich den text übrigens nicht, wenn ich das wort richtig interpretiert habe, nämlich als negativ besetzt.

    • FoodFreak
      26. Mai 2011 at 17:24

      Katha: Ja, ich gebe Dir Recht, das ist irreführend formuliert (heat of the moment) – nur: wenn ich das jetzt im Text richtigstelle, verzerre ich dann nicht die Diskussion? *seufz*

      Gerade eben hat sich per sehr giftigem Kommentar eine spanische Foodproduzentin über meine verzerrte Darstellung der spanischen Landwirtschaft bitterlich beklagt und ihrerseits scharf gegen die Holländer geschossen… *seufz*

      Nochmal für alle die bis hierher durchhalten: ich bin weder für Obst und Gemüse (egal ob bio oder nicht) das 2500 km auf der Straße zu mir unterwegs war, noch für beheizten Unterglasanbau in Holland (oder Schleswig-Holstein. fwiw). Mir ist bewusst dass es ohne sie nicht geht; das ist aber etwas anderes als sie für eine nachhaltige Lösung zu halten. Und solange ich die Wahl habe, die ich zum Glück als Anwohnerin eines großen Obst- und Gemüseanbaugebietes habe, kommt bei mir maximal die reife Tomate oder Gurke aus dem Vierländer Gewächshaus auf den Tisch.

      In diesem Zusammenhang auch noch eine ganz persönliche Anmerkung: wer meint mich in einem Kommentar persönlich anfeinden zu müssen, dem steht es frei seine Meinung in einem eigenen Blog zu veröffentlichen.

  17. duderino
    26. Mai 2011 at 17:21

    falsch, man ist nicht einfach davon ausgegangen, nur weil es hauptsächlich frauen waren, dass es deshalb nur gemüse sein konnte. man hat die betroffen personen nämlich befragt und darunter waren hauptsächlich personen, die sehr viel gemüse essen. die sind gar nicht so oberflächlich und dumm wie hier in typisch deutscher manier gehetzt wird. die reden sogar mit den leuten. verrückt oder?!

    • FoodFreak
      26. Mai 2011 at 17:27

      Ohne Dir zu nahe treten zu wollen, aber die Aussagen zu den Ursachen liefen u.a. darauf hinaus, dass man eben nicht mit den Betroffenen sprechen und feststellen konnte was sie gegessen haben, weil es ihnen dafür gesundheitlich viel zu schlecht ging.

  18. duderino
    26. Mai 2011 at 18:32

    Natürlich ist die Mehrheit der Leute noch ansprechbar. Es ist sogar eine der ersten Aufgaben eines Arztes, bei einem Patient, mit derartigen Anzeichen zu fragen, was er gegessen hat.
    Hier, das war gleich der erste Artikel dazu, den ich eben mal schnell über Google gefunden hatte: “Das Robert Koch-Institut warnt davor, rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate zu essen. Die EHEC-Erkrankten in einer Studie hätten diese Gemüse deutlich häufiger gegessen als gesunde Vergleichspersonen, teilte das Institut mit.”
    Quelle: http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1651947/EHEC-Gefahr-in-Tomaten-Gurken-Salat.html

    …die Studien gab es sicher nicht. Die lügen doch alle.
    Mal im Ernst, wieso immer nur diese Hetze und das Misstrauen? Egal um was es geht. Die Leute geben einfach eine Warnung raus und der Verdacht fällt momentan eher auf Rohkost. Übrigens habe ich vom Robert Koch-Institut auch nirgends gelesen, dass sie den Norddeutschen Bauern die Schuld geben oder sie verdächtigen. Wenn verschiedene “Zeitungen” etwas in der Art dazu dichten, dafür kann das Institut nichts. Sie veröffentlichen einfach nur ihre Ergebnisse.

    • FoodFreak
      26. Mai 2011 at 18:40

      Ich habe nicht behauotet dass es die Schuld des RKI sei; das ist doch exakt der Punkt warum ich diesen Beitrag geschrieben habe: weil mich der aufregungheischende Umgang der Medien (wie das laxe Aufstellen von Verhaltensempfehlungen bar jeder sicheren Faktenlage) irritiert.

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