Der perfekte Tarte-Boden, und eine Pinienkern-Tarte

Dieser Artikel wurde zuletzt am 30. Mai 2017 aktualisiert

Für den Sonntagskuchen habe ich mir vergangene Woche das zweite Rezept aus dem Greyston Bakery Cookbook vorgenommen, eine Tarte mit Pinienkernen, dort elegant als Pignoli Tarte bezeichnet.

Pinienkern-tarte bei foodfreak.de
Bei den aktuellen Preisen für Pinienkerne stockte mir allerdings kurzfristig der Atem… die Markenware im großen norddeutschen Supermarkt kostete 2,99 € je 60 Gramm; im türkischen Gemüseladen gab’s ein Gläschen mit 80 oder 85 Gramm für 3,99 €. Wie im Rezept gefordert 2 cups der Kerne würden an ein Vermögen grenzen; ich habe weniger verwendet und ein paar Mandelstifte hinzugegeben.

Außerdem verlangte das Rezept nach almond paste, nicht zu verwechseln mit Mandelmus – Almond Paste entspricht in etwa deutschem Edelmarzipan.


Pinienkern-Tarte

aus: The Greyston Bakery Cookbook

Ergibt: 1 26-cm-Tarte

Zutaten

BODEN

  • 150 Gramm Weizenmehl, Type 550
  • 2 Esslöffel Zucker
  • 1/4 Teelöffel Salz
  • 100 Gramm Butter, kalt, in Stückchen
  • 2-3 Esslöffel Wasser, sehr kalt

UND

  • Butterschmalz

PINIENKERNFÜLLE

  • 85 Gramm Puderzucker
  • 120 Gramm Marzipanrohmasse
  • 50 Gram Butter, weich
  • 1 Esslöffel Zitronensaft, frisch gepresst
  • 1 Teelöffel abgeriebene Zitronenschale
  • 2 Eiweiße
  • 1 Prise Salz
  • 120 Gramm Pinienkerne
  • 80 Gramm Mandelstifte

Zubereitung

  1. Zutaten für den Boden schnell zu einem Mürbeteig verkneten (ich hab das im Food Processor gemacht). Teig zu einem Ball zusammenkneten und dann zu einer flachen Scheibe. In Frischhaltefolie wickeln und 1 Stunde kalt legen. Die Tarteform mit zerlassenem Butterschmalz einpinseln, ebenfalls kalt stellen.
  2. Den Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche dünn und etwas größer als die Form ausrollen. Die Form damit auskleiden. 30 Minuten kalt stellen. Ofen auf 200 Grad C vorheizen.
  3. Boden mit Backpapier auslegen. Hülsenfrüchte zum Blindbacken drauf füllen. 15 Minuten backen. (Laut Rezept soll man den Boden 10-15 Minuten backen, dann die Hülsenfrüchte entfernen, und weitere 5 Minuten backen bis der Boden goldbraun ist; mir reichte das so, siehe auch Bild unten).
  4. Pinienkerne und Mandelstifte zusammen in einer trockenen Pfanne anrösten bis sie duften und Farbe nehmen. Auf einem Teller auskühlen lassen. Eiweisse mit einer Prise Salz steif schlagen.
  5. Marzipan in eine Rührschüssel raspeln. Die weiche Butter und den Puderzucker mit dem elektrischen Handrührer einarbeiten. Zitronensaft und -schale zufügen und zu einer glatten Creme schlagen. 1/3 vom Eiweiß einrühren bis alles geschmeidig ist. Den Rest Eiweiß unterheben.
  6. Pinienkerne und Mandeln einrühren, die Masse auf dem vorgebackenen Boden verteilen und glatt streichen
  7. Bei 175 Grad ca. 30 Minuten backen bzw. bis die Oberfläche goldbraun ist.

Wie schon bei der Mokka-Kahlua-Mini-Torte aus demselben Backbuch fallen zwei Dinge ins Auge. Zum einen ist auch dieser Kuchen nicht typisch amerikanisch übersüß, sondern in der Süße eher auf der zurück genommenen Seite, was mir sehr behagt. Und zum anderen passten die Mengen erneut perfekt – auch das kann man keineswegs jedem Backbuch nachsagen.

Meine Tarte ist ein wenig zu dunkel geworden, ich habe sie einen kleinen Tick zu lang im Ofen gelassen – dem Geschmack tut das keinen Abbruch, sie lässt sich fast aus der Hand essen und schmeckt auch weder penetrant nach Marzipan, noch zu überbordend nach Pinienkernen. Einfach lecker. Den Vorschlag, die Tarte mit rum-angereicherter Sahne zu servieren, finde ich zwar durchaus anregend, aber sie schmeckt solo ganz prima.

Für mich ein extra Bonbon an dem Rezept, wenn man so will: Der verwendete Mürbeteig und ich kamen bestens miteinander klar. Mit Grundteigen ist das ein bißchen wie mit Ehepartnern, hat man einmal den richtigen und passenden gefunden, sollte man dabei bleiben. Ich habe mich schon mit vielerlei Mürbteigen für Tartes und Torten herum geschlagen, mal waren sie zu bröckelig, mal zu klebrig, mal nicht dünn genug, mal zu dick, mal zu viel, mal zu wenig…

Dieser Teig funktionierte für mich wunderbar, und das Beste daran ist: er passt perfekt in meine (relativ flache) emaillebeschichtete Tarteform mit Hebeboden mit 26 cm Durchmesser.

tarte crust, pre-baked
Er schmeckt super, ist dünn und knusprig und dabei mürbe genug, lässt sich gut handhaben, kurzum: passt.

Damit habe ich meinen perfekten Tarte-Boden gefunden, und werde auch dabei bleiben für andere Tartes.

Erneut schlägt sich das Greyston Bakery Cookbook hervorragend, ich glaube da habe ich einen guten Griff getan 🙂

 

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

9 Antworten

  1. KochSchlampe sagt:

    Der alltägliche Luxus muss sein.

    🙂

  2. nata sagt:

    Der Vergleich mit den Ehepartnern ist gut. Und die Tarte auch.

  3. petra sagt:

    Die Tate sieht zu sofort reinbeißen aus. Wird kopiert!

  4. petra sagt:

    Huch, wo sind denn meine Buchstaben geblieben? Liefer noch schnell ein r für die tarte und ein m fürs zum nach!

  5. Klabund sagt:

    sieht wirklich gut aus, und klingt kompliziert um damit zu prahlen 🙂 wird nachgekocht

  6. Sylvia sagt:

    Wird definitiv nachgebacken, diesen kleinen Luxus gönn ich mir! 😉

  7. la23ng sagt:

    Der Mürbeteig ist sehr gut und alleine eine Erwähnung wert.

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