Vegetarischer Fisch

Dieser Artikel wurde zuletzt am 22. Juni 2014 aktualisiert

Die Widersinnigkeit des Titels ist mir durchaus bewusst, aber mal ganz ehrlich: sieht das nicht aus wie Fisch in Eihülle?

Genau genommen ist es eine

Chicoree-Piccata nach Hiltl

Bei unserem Besuch im Tibits in Zürich – der mich bei allem Hype eher nicht vom Hocker gehauen hat – habe ich dort auch in die beiden Kochbücher des Hauses Hiltl geschaut, das bereits Ende der 90er erschienene Vegetarisch nach Lust und Laune, neu immer noch für 39 Euro zu haben, sowie die 2009 erschienene Variante Hiltl: Vegetarisch. Die Welt zu Gast. Mir gefiel das neuere Buch besser (aber 44 Euro halte ich für leicht überzogen dafür), doch die meisten Gerichte kamen mir recht bekannt vor – Hiltl macht bei zweiterem Buch massive Anleihen in der lateinamerikanischen, malaysischen und Singapur-Küche; im ersten Buch ist es vor allem die klassische Körnli-. Tofu- und die indisch-vegetarische Kost.

Eine genauere Besprechung dieses Bandes folgt in den nächsten Tagen; ausgesucht hatte ich mir, weil es sehr interessant klang, die obige Piccata, die als „vegetarische Alternative zur Piccata Milanese“ angepriesen wird.

Das Rezept:

Chicoree-Piccata
Das typische Schnitzel Milanese für Gemüse-Fans
aus: Hiltl: Vegetarisch nach Lust und Laune

4 Portionen

4 Chicoree
4 dl Milchwasser (halb Milch, halb Wasser)
1 Lorbeerblatt
2 Nelken
Pfeffer
Meersalz
3 Eier
50 g Parmesan, gerieben
Paprika nach Belieben
30 g Butter
150 g Mehl
4 Zitronenschnitze

Am Vorabend: Chicoree längs halbieren und den Strunk entfernen. Über Nacht in Milchwasser mit Lorbeer, Nelken, Pfeffer und Salz einlegen.

Am nächsten Tag alles in eine Pfanne geben und den Chicoree weich garen. In einem Sieb abtropfen lassen. Dann den Chicoree auf ein Brett legen und flach drücken.

Eier, Käse und Gewürz verrühren.

Die Butter erhitzen. Die Chicoree-Hälften im Mehl wenden, anschliessend durch die Eimasse ziehen und auf beiden Seiten goldgelb braten. Mit einem Zitronenschnitz servieren.

Mit Tömatenspaghetti schmeckt die Chicoree-Piccata besonders gut.

Zunächst mal wird auf dem Bild im Buch „gelogen“ – abgebildet ist auf dem Foto zum Rezept im Teller mit Mehl nämlich ein roher, geviertelter Chicoree, und keineswegs der gegarte (der sieht weniger appetitlich aus). Sowas finde ich schon ärgerlich – dann sollte man halt ein andres Bild dafür verwenden, nicht geschöntes.

Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ergebnis; die Nelken stechen zu stark hervor, der Chicoree ist durch das in Milch Baden nicht aromatischer geworden, und auch nicht milder, er schmeckt etwas dumpf, und ich finde es am Ende schade um das schöne Gemüse. Ausgebacken schliesslich erinnert das Ganze tatsächlich an Fisch. Ich bin durchaus ein Gemüse-Fan, und ich mag Piccata Milanese – aber glücklich macht dieses Essen weder den Fleischesser noch den Gemüsefan.

Mit Tomatenspaghetti, wie im Rezept vorgeschlagen, würde mich der Chicoree vermutlich an Krankenhausküche oder die Kantine erinnern – eine seltsame Kombo auf jeden Fall. Solo, nur mit etwas Zitrone dazu, ist es ein kleines Essen für zwei. Ich habe schon leckereren Chicoree gemacht und auch schon vor 25 Jahren deutlich besser vegetarisch gekocht.

Kann mich nicht überzeugen. Und da ich aus diesem Buch noch nie etwas gekocht habe, reiche ich den Beitrag auch gleich für DKduW, Dein Kochbuch das unbekannte Wesen, ein.

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

5 Antworten

  1. Hesting sagt:

    Ich hätte darin tatsächlich nicht auf den ersten Blick Chicoree vermutet.
    Die Vorstellung, dazu Spaghetti mit Tomatensauce essen zu müssen, finde ich auch gruselig. Vielleicht ist es kindertauglich, vielleicht aber auch überhaupt nicht. *ratlos schau*

    Kannst Du es Dir ohne (oder mit weniger) Nelken und mit einem Stück Ziegenkäse zusätzlich in der Füllung vorstellen?

    • FoodFreak sagt:

      Ich glaube noch besser wäre es den Chicoree komplett durch Feta zu ersetzen 😉 nein ich denke das rettet für mich nix.

  1. 7. Januar 2011

    […] sei dafür die Chicoree-Piccata genannt die ich ausprobiert habe. Das ist nicht wirklich schlecht, aber es hat das Flair von […]

  2. 8. Januar 2011

    […] Piccata-Rezepte gibt’s putig bei mir und ganz aktuell vegetarisch (auch wenn’s nüch so aussieht) bei Foodfreak und fischig bei Chili und Ciabatta… Noch jemand in dieser […]

  3. 13. Januar 2011

    […] Letztens stolperte ich bei FoodFreak über die lukullisch nicht so erfüllende Kocherfahrung mit Chicoree-Piccata und wurde von spontaner Gier nach Lachs-Piccata befallen.  Gesagt, getan – letzten Sonntag […]

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