wagamama, Zürich

Dieser Artikel wurde zuletzt am 28. August 2015 aktualisiert

Da sitzen wir also bei Getränk und Imbiss nichts ahnend im Tibits in Zürich, als auf einmal ein wagamama-LKW an uns vorbei fährt. Es gibt ein wagamama in Zürich?!

wagamama, Zürich

„Waga-was?“ fragt mein Schweizer Freund erstaunt. Und so kommt es wie es kommen muss, ein paar Stunden später sitzen wir am Ufer der Sihl unter einem Sonnenschirm und nehmen unseren Lunch bei wagamama.

Das erste Mal hörte / las ich von wagamama irgendwann Mitte der 90er; das ursprünglich Londoner Restaurant, das mittlerweile über 100 Filialen weltweit besitzt, war DER Geheimtipp für Asia-Nudelsuppen und asiatische Fusion-Küche. Das wagamama Kochbuch ist demzufolge natürlich ein Beststeller.

Wie alle Ketten lebt das wagamama vom seiner Corporate Identity – die Restaurants gleichen sich überall.

Ein großer Raum, lange Tische mit Bänken, eine offene Küche: sehr stylish. Das japanische Essen wird absolut frisch zubereitet.

schreibt etwa Chili & Ciabatta über ihren Besuch in der Londoner Filiale 2004, und genau so, plus natürlich die Modernisierungen die in 6 Jahren im Inneneinrichtungssektor passiert sind, sieht auch die geräumige Filiale in Sihlporte aus.

Das Essen allerdings scheint sich seit den Frühzeiten des Ladens doch verändert zu haben, oder liegt es an Zürich? Oder an mir? New Kitch on the Blog vermeldet noch dieses Jahr über wagamama London:

einer wie ich finde rundum wunderbaren Restaurantkette mit Bedienung, unglaublich stylisher Einrichtung und – most important – knackig frischem Essen, geschmacklich grandios

In der späten Mittagszeit ist es hier nicht allzu voll, ausser draussen, wo man angenehmerweise fernab des Verkehrs sitzen kann. Es gilt wait-to-be-seated, der Service ist aber fix und freundlich. Etwas unpraktisch sind beim Wind, der durch die Stadt pustet, die papiernen Platzsets, und Papierservietten, so man noch nichts zum Beschweren hat. Dann ordern wir: drei Asiaphile in einem Asia-Nudelladen. Die Bestellungen werden in kryptischen Angaben auf die Platzsets gekrakelt; was aber anschliessend dennoch nicht verhindert dass der Service keinen Plan hat wer was bestellt hat. Rein von der Optik her wirkt das ein wenig „billig“, Kuligekrakel auf dem Platzset zu finden.

N. ordert etwas, das als kare lomen auf der Karte steht (oben im Bild zu sehen), mit der Beschreibung „ramen nudeln in unserer würzigen lomen suppe, serviert mit grillierten black tiger krevetten oder pouletbrust, sojasprossen, salatgurke, koriander und limette“, zu haben in ‚chicken‘ oder ‚ebi‘, er entscheidet sich für die Shrimp-Fassung.

Als Getränke wählen wir Eistee, N. einen Arizona Eistee aus der stylischen Flasche, mit Granatapfel, Herr datenhamster und ich den hausgemachten Ice Tea (Pfefferminz-Limette-Orange), angenehm unsüß, mit feiner Minznote und eher zitronig denn Orangen-Limetten-mässig, aber lecker.

N.s Suppe entpuppt sich als das, was man in Singapur und einigen Teilen Malaysias als Laksa bezeichnen würde, in Kuala Lumpur auch schon mal als dry curry mee. Er ist mit seiner Wahl zufrieden, und das will was heissen, denn seine Mutter ist Malaysierin. Ich koste kurz und finde die Suppe auch gut.

Als Vorspeise habe ich für uns drei ein Dreierset Duck Goyza bestellt, laut Karte „knusprig gebackene teigtaschen gefüllt mit entenfleisch, lauch und poulet, serviert mit scharfer kirschen hoi sin sauce“. Die kross gebackenen Teigdreiecke, die eher an Springrolls als an Gyoza gemahnen, schmecken angenehm nach Ente; die dazu gereichte dunkle Dippsauce ist viel zu süß und alles andere als scharf, Fruchtketchup kommt dem näher…

Mein Liebster bestellt Chili Chicken Ramen, „ramen nudeln, scharfe hühnerbrühe, grillierte pouletbrust in scheiben, sojasprossen, garniert mit koriander, frühlingszwiebeln, chili und limette“.

wagamama-chicken-chili-ramen

Witzig ist dass die Suppen mit Stäbchen und einer Art Bambuskelle statt Löffel serviert werden. Die grossen Keramikschüsseln haben ein erdiges Flair und gefallen mir gut.

Weil ich auch eine Suppe will, aber nicht das Gleiche wie die beiden, und ich ausserdem wissen will wie die nicht aufgepeppte Fassung schmeckt, lautet meine Order nur Chicken Ramen – „chicken ramen ramen nudeln, hühnerbrühe, grillierte pouletbrust in scheiben, blattspinat, garniert mit menma und frühlingszwiebeln“.

Herrn datenhamsters Suppe ist relativ gut gelungen, auf unser beider Suppen thront allerdings dasselbe Hühnchen, das nicht sonderlich gegrillt aussieht, und ziemlich deutlich nach Five Spice und Hoisin, im char siu-Stil, vorschmeckt. Seine Suppe hat eine Note von roter Currypaste, die Schärfe und die Sprossen verleihen dem Ganzen Flair. Für europäische Verhältnisse ist das ganz okay, aber in den Hawker Centers in Südostasien habe ich sowas sehr oft sehr viel besser gegessen (und für einen Bruchteil des Preises, natürlich). Mit Ramen sind hier nur die Nudeln als solche gemeint; der Stil der Suppe ist eher chinesisch-thailändisch.

wagamama-chicken-ramen

Meine Suppe dagegen ist so langweilig wie nur irgendwas sein kann. Die Ramen schmecken nach gar nichts; wer schon mal in einer südostasiatischen Strassenküche Nudeln gegessen hat, weiss dass diese in einer eigenen Brühe dort vorgegart, geschwenkt und abgetropft werden, ehe sie in einer intensiven Basis-Brühe, dem Geheimrezept jedes guten Nudelsuppenstandes, landen. Und das ist dann auch der Punkt an dem ich maßlos enttäuscht bin, denn die verwendete Grundbrühe schmeckt, gelinde gesagt, wie Abwaschwasser.

Eine gute asiatische Brühe (wie sie auch im Wagamama Kochbuch zu finden ist) ist was andres. Der Spinat ist augenscheinlich auch nur in Wasser oder derselben blassgelben Entschuldigung von einer Hühnerbrühe zusammengefallen, und schmeckt vor allem grün. Hier wünsche ich mir das erste Mal eine Thai-Menage oder ein Angebot, wie es in Singapurs Nudelsuppenküchen üblich ist: eine Auswahl an Chilisaucen und Sojapasten und allerlei anderen Items zum individuellen Nachwürzen – oder wenigstens Sojasauce. Bei meiner bevorzugten Nudelsuppenbar hätte ich geargwöhnt, dass der Koch versehentlich vergessen hat Miso zuzugeben… Schliesslich peppe ich das Ganze mit ein paar Löffeln der Brühe aus den Chili Chicken Ramen zu etwas Essbarem jenseits von Krankenhaus-Schonkost auf und wünsche mir auch eine Koriander/Limette/Zwiebel Deko dazu.

Der Blick zu unseren Tischnachbarn zeigt, dass auf allen Gerichten mit Huhn die gleiche, identisch gewürzte Hühnerbrust liegt; die Udon-Gerichte sehen zumindest lecker aus, und die Portionen, auch des in der Schweiz ja fast mit Gold aufgewogenen Rindfleischs, sind sehr groß, etwas das man sich angesichts des auch hier gehobenen Preisniveaus (Innenstadt von Zürich halt) verständlicherweise so wünscht.

Unter dem Strich: Unserem Gastgeber in seiner Heimatstadt etwas Neues zeigen können (er will seine Mutter zum Laksa-Essen hierher bringen) und wagamama von meiner kulinarischen ToDo-Liste streichen können macht diesen Besuch zu einem sehr positiven Erlebnis; „japanisch“ ist das Essen auf keinen Fall, eher fusion-asiatisch.

Die ultimativen japanischen Nudelsuppen gibt es auf dem Kontinent meines Erachtens auch weiterhin bei naniwa in Düsseldorf, und an die Nudelsuppen in Thailand, Singapur, Malaysia, egal ob malaysisch, Thai, chinesisch oder japanisch geprägt, kann wagamama überhaupt nicht heran reichen.

Nett, aber reisst mich nicht vom Hocker. Noch ein Laden auf meiner been there, done that Liste abgehakt.

wagamama
Talstrasse 83
Sihlporte
8001 Zürich

Öffnungszeiten :
so – mi 11.30 – 22.00 uhr
do – sa 11.30 – 23.00 uhr

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