Tibits in Zürich

Dieser Artikel wurde zuletzt am 28. August 2015 aktualisiert

Unter den Gastro-Empfehlungen für Zürich, die mich auf verschiedenen Kanälen erreichten, fand sich ein Name immer wieder: Tibits. Tibits ist ein vegetarisches Self-Service-Restaurant, momentan mit Filialen in Zürich, Wintherthur, Bern, Basel und London, und ein, wenn man so will, Ableger des Schweizer Tempels der vegetarischen Küche, des Hiltl.

Tibits in Zürich

Nun liegen meine Vegetarier-Tage ja schon ein paar Takte zurück, aber ich bin gutem vegetarischem Essen unter bestimmten Bedingungen durchaus nicht abgeneigt, deswegen antwortete ich, als wir nach einem ein wenig verregneten Spaziergang über den Markt am Bürkli-Platz (traumhafte Bio-Gemüse) am späten Vormittag Hunger hatten, meinem Schweizer Freund auf die Frage, wonach mir denn der Sinn stünde, mit „Wie wär’s mit Tibits?“

Passenderweise gab’s einen Geocache in der Nähe; gemütlich spazierten wir hinüber zu dem Restaurant, in dem auch mein Züricher Freund noch nie gewesen war. „Das Tor zum Zürcher Seefeld, Nähe Bellevue, Bahnhof Stadelhofen und Opernhaus.“ kann man auf der Website lesen, und dass sie keine Reservierungen annähmen – das war um 10:30 Uhr an einem Werktag auch gar kein Problem, es war vergleichsweise leer.

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Wir beäugten das Angebot. Ab 6:30 bis 10 Uhr oder so gibt es ein Buffet mit Frühstücksvarianten; danach geht man zum Ganztagesangebot über, auf dem Buffet prangten also eher Jalapeno Poppers und vegetarisches Curry als Frühstücksitems. Uns stand aber der Sinn nach etwas mehr Frühstücksartigem.

N. nahm einen Grüntee (Mu-Dan, eine Teerose, bei der ich schade fand dass wir nicht vorbereitet waren, die hätte man ja nochmal aufgießen können, also mitnehmen) und eine Art Brownie der sehr sehr reichhaltig war; T. hatte Schoggibrioche, Kuchen und Kaffee, und ich „hausgemachte Passionsfrucht-Limonade“ und ein Antipasti-Sandwich.

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Die Sandwichauswahl fand ich ein bisschen langweilig, bzw. es hat mich gestört dass es nur vorgefertigtes gab und keine Option angeboten wurde selbst etwas zusammen zu stellen; auf den meisten prangte Tofu, worauf ich nicht wirklich scharf bin; und Süsses mochte ich schon gar nicht. Süsses allerdings gab es in Hülle und Fülle…

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Das Ambiente des Tibits ist sehr modern und urban – angeblich wählt die Designern Trisha Guild, deren Buch auch zur Ansicht auslag, die Farben höchstpersönlich aus, wenn alle 3 oder 4 Jahre neu gestrichen wird. Für’s Auge ganz nett, fand ich den Laden aber etwas zu viel Design und etwas zu ungemütlich für meinen Geschmack. Die hippen In-People der Stadt Zürich allerdings scheinen sich das Tibits als angesagte Location ausgesucht zu haben.

Die Preise waren ebenfalls recht „hip“ – man merkt dass man sich in einem In-Laden in bester Sahnestücklage befindet; vom Buffet ist man, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, CHF 4,95 je 100 g los, was ein stolzer Preis ist, wenn man mal so eine gefüllte Jalapeno-Schote oder einen Löffel Schoko-Kokoscreme-Pudding auf seinem Teller hat…

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Die Auswahl auf dem besagten Buffet allerdings war phänomenal, eine Reise durch die Küchen der Welt, bei der sicher jeder, der sich das leisten kann und will, etwas findet, auch hartgesottene Fleischfanatiker werden hier ohne Tier auf dem Teller satt.

Bei den Preisen ist das Selbstbedienungssystem, insbesondere draussen, ein bisschen komisch; wir saßen schliesslich in einer loungigen Sofaecke draussen unter einer grossen Markise, welche ebenso zuverlässig Sonne wie Nieselregen abgehalten hätte, und schauten den Passanten zu. Für eine Weile Füße ausruhen und einen Snack ist das Tibits durchaus zu empfehlen. Draussen darf übrigens geraucht werden, ein Punkt der mir nicht so behagt hat, weil ich im Dunst sass. Insbesondere die Belegschaft des Tibits hat von der Möglichkeit ausgiebig Gebrauch gemacht.

Ach ja, meine nicht eben güstige (aber lecker-erfrischende und nicht zu süße) Passionsfruchtlimonade hätte ich eher als „Schorle“ bezeichnet; und das Sandwich (es gab nur eine Sorte nicht besonders attraktives Sandwichbrot) habe ich beim Italiener des Vertrauens schon deutlich besser gegessen. Nicht dass es schlecht war, aber den deluxe-Aufschlag den man hier bezahlt war es nicht wert, dafür war das Gemüse zu geschmacksarm, das Brot zu fad, und alles in zu viel Pesto ersoffen. Gefehlt haben mir auch konkrete Inhaltsangaben zu diversen Produkten, die genauer ins Detail gehen; als Allergiker möchte ich wirklich nicht bei jedem Item nachfragen müssen, erst recht nicht in einem Restaurant mit „Gesund“-Image

Dafür habe ich die Chance genutzt, in die beiden Kochbücher von Herrn Hiltl zu schauen, von denen es ebenfalls Ansichtsexemplare gab (und die man vor Ort hätte kaufen können): Vegetarisch nach Lust und Laune und Hiltl: Vegetarisch. Die Welt zu Gast.

Beide boten interessante vegetarische Rezepte auf, mit Ideen aus den Ethno-Küchen der Welt aufgepeppt, die beim ersten Ansehen ebenso lecker wie einfach nachzumachen aussahen. Durchaus hübsch, aber ich weiss nicht ob es mir den auch hier recht exklusiven Preis für die rund 60 Rezepte je Buch wert wäre – vielleicht koche ich dafür aber auch schon zu lange vegetarisch und auch südostasiatisch…

Summa summarum: ein interessanter Stop, ein faszinierendes Ambiente, und eine nette Pause unter der Markise in der Zürcher Innenstadt. Aber nochmal müsste ich mir das nicht geben. Es gibt kulinarisch interessantere Dinge in der heimlichen Hauptstadt der Schweiz zu entdecken.

Tibits
Seefeldstrasse 2
8008 Zürich
www.tibits.ch

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

5 Antworten

  1. zorra sagt:

    Der Markt hat dir also gefallen. Im Tibits war ich noch nie, muss ich wohl jetzt auch nicht mehr. Danke für den Bericht.

    • FoodFreak sagt:

      Sagen wir mal, der Markt war… interessant, Ich muss mir bei Gelegenheit mal den in Oerlikon ansehen (und die von Billi auf Facebook erwähnten anderen in Luzern und so…). Erstaunt hat mich die große Menge an Blumen und die fast völlige Abwesenheit von Imbissbuden oder ähnlichem; die Bio-Bauern vor allem entlang der Strasse hatten allerdings ein wirklich fantastisches Gemüseangebot, u.a. traumhafte bunte Mini-Auberginen, tolle Tomaten und Peperoni, und Treviso und all so Sachen die bei uns kaum zu kriegen sind 🙂

  1. 13. September 2010

    […] sitzen wir also bei Getränk und Imbiss nichts ahnend im Tibits in Zürich, als auf einmal ein wagamama-LKW an uns vorbei fährt. Es gibt ein wagamama in […]

  2. 6. Januar 2011

    […] unserem Besuch im Tibits in Zürich – der mich bei allem Hype eher nicht vom Hocker gehauen hat – habe ich dort auch in die […]

  3. 7. Januar 2011

    […] – denn den Preis von fast 40 Euro war mir das Buch auch nach erster Durchsicht bei einem Besuch im Tibits, dem Self-Service-Ableger von Hiltl in Zürich, nicht […]

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