Rotflossenwels

Dieser Artikel wurde zuletzt am 21. März 2017 aktualisiert

„Was ist eigentlich Rotflossenwels für ein Fisch?“ fragte ich mich, als neulich in einer Supermarkt-Anzeige ebenjener tiefgefroren beworben wurde. Ein Blick in die Suchmaschine brachte mich nur begrenzt weiter – Rotflossenwelse sind (wie einige Welsarten) bei Aquarianern und Teichbesitzern verbreitet… dann stiess ich auf einen mehrfach zu findenden Artikel über die Messe „Fish International“ im Februar in Bremen.

Noch gilt er als Geheimtipp. Doch das ändert sich womöglich bald. Schließlich wird der asiatische Rotflossenwels auf der „Fish international“ in den Bremer Messehallen auf der Bürgerweide einer großen Zielgruppe präsentiert.

Mit anderen Worten, der Rotflossenwels ist ein Neuankömmling auf deutschen Tellern und soll promotet werden.

Bei Wels denke ich automatisch an Catfish (und an A Friend of the Earth), und Catfish ist der einzige Fisch, mit dem ich bislang schlechte Erfahrungen gemacht habe, begegnete mir doch vor Jahren ein Catfish-Filet der Marke modrig-fischig-schlammig. Tatsächlich findet man in Catfish-Foren auch Fotos dieses Fisches, die darauf hindeuten woher er seinen deutschen Namen hat. Die Fische können bis zu 130 cm groß und bis zu 80 kg schwer werden, in den Handel kommen aber eher kleinere Exemplare, aus gutem Grund.

Hemibagrus wyckioides, so weiss auch das Fischinformationszentrum, lautet der lateinische Name dieses Tierchens, das wahlweise als „Hemibagrus“ oder „Asiatischer Rotflossenwels“ in den deutschsprachigen Fachhandel kommen darf, wo ich ihn als Frischfisch erstanden habe.

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Die Werbetexte lesen sich vollmundig:

Der Fisch wächst in den klaren Gebirgsflüssen Vietnams auf und erhält dadurch einen reinen Süßwassergeschmack.

Selten so gelacht… tatsächlich gibt es Hemibagrus-Arten, die in klaren Flüssen im vietnamesischen Inland aufwachsen – ich meine: Forellen gibt es auch in alpinen Bergseen und -bächen; das heisst aber nicht dass die Forelle im Supermarkt daher käme; ich habe 99 Cent je 100 Gramm Frischfisch bezahlt, dafür importiert man mir auch geangelten Fisch aus asiatischen Bergbächen, janeeisklar ;). Und Catfish verbinde ich nunmal eher mit schlammig-warmen Gewässern…

Schaut man in die englischsprachige Wikipedia, wird schon eher ein Schuh draus:

Hemibagrus wyckioides is a species of catfish (order Siluriformes) of the family Bagridae. It is occasionally called the Asian redtail catfish.

These catfish originate from the Mekong basin and are reported from Chao Phraya, Mae Klong and peninsular Thailand river systems.

Hemibagrus are aquacultured in Asian countries.

Das Mekong-Delta wäre nun nicht ganz *meine* Vorstellung eines klaren Gebirgsflusses. Dass ein Fisch, den man im großen Umfang (und nur so lohnt sich das) importieren will, aus Aquakultur kommt, kann man sich an einem Finger abzählen.

Und wie schmeckt er nun?

Die Fischverkäuferin bemühte sich, mir in seltsamen Halbsätzen mit Deuten auf andere Fische der Auslage irgendeine Erklärung zu geben, ich hatte aber den Eindruck sie hat den Fisch selbst nie probiert, „irgendwo zwischen normalem Welsfilet und Pangasius“ kam am Ende dabei raus. Die Filets selbst riechen nach gar nichts, nicht nach Fisch, aber auch sonst nach nix. Was ich damit gemacht habe, und wie es geschmeckt hat, steht im nächsten Artikel.

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

4 Antworten

  1. Evi sagt:

    Danke fürs Recherchieren. Bei uns im Großhandel war der heute im Angebot, ohne dein Posting hätt ich ihn liegen gelassen. Ich bin gespannt wie er schmeckt und was mein Grätenphobiker dazu sagt. 🙂

  2. sslider sagt:

    Habe vor ein paar Tagen diesen Fisch zum erstenmal probiert
    und muß sagen,das er ziemlich gut schmeckt.Er eignet sich sehr gut zum braten,da es ein sehr festes Fleisch ist das nicht leicht zerfällt.Aus Faulheit;))habe ich ihn nur gesalzen,gepfeffert,paniert und dann ab in`s Rapsöl.Top

  1. 16. April 2010

    […] haben wir mit dem Rotflossenwels […]

  2. 29. November 2010

    […] habe ich übrigens bei Petra – Foodfreak – eine nette Abhandlung gefunden – KLICK Print […]

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