Elisabeth Scotto – Wiederentdeckte Gemüse

Dieser Artikel wurde zuletzt am 1. September 2015 aktualisiert

(Nicht nur) als Bezieherin eines Bio-Gemüse-Abos interessiere ich mich für seltene und wieder entdeckte alte Gemüsearten, die ja mit den Biokisten bei mir bisweilen Einzug halten, auch sonst interessiere ich mich für mehr Vielfalt auf meinem Teller und den Erhalt alter Sorten. Schaut man auf die Angebotszettel der Supermärkte und in die Kochvorschläge der Fix-für-Tüten-Hersteller, scheint das Universum auf ein knappes Dutzend Gemüsesorten beschränkt zu sein. Aber ich will meinen kulinarischen Horizont erweitern, und sehe mich deswegen immer mal wieder nach Literatur zum Thema um, und hoffe natürlich auch auf Ideen zum Einsatz der unbekannten Köstlichkeiten.

In der Bibliothek habe ich

scotto

Wiederentdecktes Gemüse, von Elisabeth Scotto

gefunden.

„95 Rezepte“ verspricht das Cover des grossformatigen Hardcover- Buches von Kaleidoskop / Christian-Verlag, und die Kapitelüberschriften lesen sich viel versprechend:

  • Kürbisse
  • Wurzelgemüse
  • Blattgemüse
  • Würzende Gemüse
  • Fruchtgemüse

Beim Blättern entdecke ich Schwarzen Rettich, Knollenziest, Kapuzinerbart, Topinambur.. das lässt sich doch schon mal nicht schlecht an.

Doch das Buch enttäuscht. Auf 181 Seiten sind vor allem (wenig aussagekräftige) Bilder zu großem Format aufgezogen, kleine knappe Rezepte füllen komplette Seiten (grösser als A4), beinahe halbe Seiten werden unbedruckt gelassen – bei einem so grossen Format ein Ärgernis, Fotos seltener Gemüse (Portulak, Neuseeland-Spinat) bleiben dafür auf Taschenbuchabbildungsformat beschränkt – eine seltsame Auswahl.

Ebenso seltsam mutet mich die Auswahl der Gemüse und der Rezepte an.

Die Fruchtgemüse widmen sich ausführlich und mit reichlich Rezepten Zucchini, Tomaten, Paprika und Auberginen, lassen aber zum Beispiel eine vernünftige Warenkunde und Überblicke über die Sortenvielfalt vermissen; wie überhaupt fast jegliche Info zu den vorgestellten Gemüsen (einschliesslich Saison, Herkunft etc.) fehlt.

Das gesonderte Vorstellen von runden und langen Schalotten, roten, weissen und Haushaltszwiebeln, Schnittknoblauch, Kohlrabi, Knoblauch und Porree fällt für mich nun wirklich nicht unter wiederentdeckte Gemüse – es sei denn für Leute die generell kein Gemüse essen.

Überhaupt scheine ich bzw. einigermassen Kochbewanderte nicht die Zielgruppe zu sein… das einzige Rezept für schwarzen Rettich ist eines für „Rettich hobeln und mit Salatdressing anmachen“ (ja danke), wie man Sahnemeerrettich macht weiss ich auch, die Salatzubereitungen beschränken sich auf Klassiker – einzig das Kürbiskapitel bietet sowohl bei den Sorten als auch bei den Rezepten ein etwas vielfältigeres Angebot jenseits des Bekannten.

Keines der Rezepte lockt mich; ein Blick in die Blogosphäre liefert zu Knollenziest (Stachys), Pastinaken, Kürbissen, Mangold etc. sehr viel Spannenderes. Schade eigentlich. Zumindest für mich lohnt es sich nicht, dieses Buch zu kaufen.

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

4 Antworten

  1. Wirklich schade! So ein spannendes Thema (schon der Titel macht neugierig) so lau präsentiert… Da war wohl niemand mit Herz und Sachverstand bei der Sache.

  2. wer frz. lesen kann, der wird seine Freude mit dem Buch „Legumes de Joël“ von J. Thiébaut erschienen bei Flammarion haben!

  3. Susa sagt:

    Schade, Chance vertan. Gerade über Knollenziest (in HH nicht auffindbar) und Schwarzen Rettich bin ich in den letzten Monaten gestolpert und hätte für letzteren gern ein Rezept gehabt. Nur in einer alten e&t wurde ich fündig. Dort wurde er als Beilage dünn gehobelt. Hast Du eine Idee, wie man der Knolle beikommen kann?

  4. nesrin sagt:

    Mein Favorit ist Regional Küche.Ich denke,müssen wir nicht alles probieren.

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