Food, Inc.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 22. Juni 2014 aktualisiert

Im Flieger zwischen Hamburg und Bangkok hatte ich viel Zeit Filme anzuschauen, darunter auch Food, Inc.

Der von Kritikern hoch gelobte Film, in dem u.a. Eric Schlosser (Fast Food Nation) und Michael Pollan zu Wort kommen (tatsächlich ist der Film eng an Pollans Buch The Omnivore’s Dilemma angelehnt) befasst sich im wesentlichem mit der (us-amerikanischen) Nahrungsmittelindustrie und ihren Auswüchsen.

Das beginnt bei der industriellen Massen“fertigung“ von Hühnern in Riesenanlagen, und der Erpressung einstmals selbständiger Geflügelzüchter durch die großen Geflügel-Konzerne der USA in ein ökonomisch und ökologisch ruinöses System, das geht weiter mit der Tatsache, dass (genmodifizierter) Mais zum Erdöl der Nahrungsmittelindustrie geworden ist – fast alles lässt sich aus Mais herstellen.

Corn feeds the steer that turns into the burgers, becomes the oil that cooks the fries and the syrup that sweetens the shakes and the sodas, and makes up 13 of the 38 ingredients (yikes) in (…) Chicken McNuggets. Indeed, one of the many eye-openers(…) is the prevalence of corn in the American diet; of the 45,000 items in a supermarket, more than a quarter contain corn.

Tendenz steigend.

Zwar sind wir in Europa teilweise noch weit von den irrwitzigen Bedingungen sowohl der US-Landwirtschaft als auch ihrer Supermärkte entfernt – aber vielleicht nicht so weit wie wir denken, wenn wir uns unsere eigenen nicht selten irrsinnigen Agrarsubventionen ansehen.

Food, Inc. zeigt aber auch die andere Seite – florierende Unternehmen, die mit sustainability und Bio-Produkten einen Markt erobert haben, der – wie auch bei uns – zunächst nur über Billig-Billig zu funktionieren schien, weil geschmacks- und qualitätsbewusste Verbraucher die guten Produkte annahmen – und Konzerne bereit sind zuzuhören, wenn es um ihre Umsätze geht. So ist der Film auch ein bisschen ein Lehrstück über die tatsächliche Macht des Verbrauchers, der etwas ändern kann, wenn er denn weiss, was die Konzerne mit den Nahrungsmitteln tun, wie und wo sie entstehen. Das ist letzten Endes auch die Message von Food, Inc: Nur mit Transparenz in Sachen Produktionsmethoden und -bedingungen (auch für die abhängigen Produzenten) können wir gut informierte Entscheidungen treffen, die für Mensch und Tier gleichermaßen vernünftig und langfristig verträglich sind.

Vieles von dem was der Film thematisiert, wusste ich und kannte ich, an einigen Stellen halte ich die Schlussfolgerungen für zu pauschal, an anderen für zu zurückhaltend. Bezeichnend ist allerdings dass z.B. im Bereich Geflügelproduktion keiner der kritisierten Konzerne auch nur zu einer Stellungnahme oder Gegendarstellung vor der Kamera bereit war, und deren Subunternehmern mehr oder weniger gedroht wurde, auf keinen Fall jemanden in ihre Produktionsanlagen zu lassen.

Food, Inc. ist einer dieser Filme, die eigentlich ins Abendprogramm zur besten Sendezeit gehören. Es ist spannender als jeder Krimi, und betrifft uns alle – mit jedem Jahr noch etwas mehr.

Lohnt sich auch für hartgesottene Eat-local- und Bio-Foodies noch anzusehen. Mais-Snacks würde ich dabei aber besser nicht knabbern.


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Appetit bekommen? - Hungry for more?

3 Antworten

  1. [OT] Bei YT fast direkt dazu gefunden 🙂

    BOOM!!!

  2. zorra sagt:

    Ich habe mir den Film auch vor ein paar Wochen angeschaut. Ich hoffe, dass wir in Europa die Auswüchse dieses Trendes noch abwenden können. Es liegt an uns…

  1. 31. Juli 2010

    […] der Jury erhalten. Die Dokumentation, deren Erzählweise bisweilen an Michael Moore oder auch an Food Inc. erinnert, berichtet von der Suche von Filmemacher Josh Fox aus Pennsylvania nach Informationen […]

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