Joghurt-Test, die zweite: Kirschjoghurt Death-Match

Dieser Artikel wurde zuletzt am 22. Juni 2014 aktualisiert

Neue Joghurts solo testen ist eine Sache. Ich wollte aber wissen, wie sich das neue Produkt im Vergleich schlägt – ist der Danone Fantasia nun besser, oder schlechter als seine Markenkollegen, oder tut sich das alles nix? Deswegen habe ich im Supermarkt nach drei weiteren Marken-Kirschjoghurts im selben Preissegment geangelt.


Es treten an:

Landliebe Joghurt auf erlesenen Kirschen

Joghurt mit 15 % Kirschzubereitung aus Vollmilch mit mindestens 3,8 % Fett im Milchanteil.
Joghurt, Kirschzubereitung (10 % Kirschen, Glukose-Fruktose-Sirup, 2 % Kirschsaft aus Konzentrat, modifizierte Stärke, Rote Beetesaftkonzentrat, Zucker, Karottenkonzentrat, Hibiskuskonzentrat, Verdickungsmittel Pektin, natürliches Aroma), Zucker.

Zutatenliste in einer schlecht zu lesenden und recht kleinen Schreibschrift aufgedruckt.

Ehrmann Der Urige Vollmilchjoghurt auf Frucht Sauerkirsche

Joghurt unterlegt mit 12% Kirschen, 3,5% Fett im Milchanteil
Joghurt, Kirschzubereitung (mit Kirschen, modifizierter Stärke, Verdickungsmittel: Pektin und Guarkernmehl, färbendem Karottenkonzentrat, natürlichem Aroma), Zucker

Zutatenliste in halbwegs lesbarer Schreibschrift in annehmbarer Grösse

Danone Fantasia Kirsche

Joghurt, Kirschen, Zucker, modifizierte Stärke, Säureregulatoren Citronensäure, Natriumcitrat, färbende Konzentrate (Karotte, Hibiskus), Verdickungsmittel Carrageen, Xanthan, Aroma.

Zutatenliste praktisch unlesbar in winzigem Druck am Becherrand.

Müller Froop – Kirsch-Banane
60 % Joghurt, 33% Fruchtzubereitung (Wasser, Zucker, Kirschsaft* aus Kirschsaftkonzentrat, Bananenpüree*, Kirschen*, Zitronensaft aus Zitronensaftkonzentrat, Speisegelatine, färbende Frucht- und Pflanzenkonzentrate (Karotte, Holunderbeere), Aroma, Stickstoff), Milcheiweiß, Zucker, Traubenzucker, Aroma
* Frucht im Endprodukt: 12%

Zutatenliste auf der Seite des Bechers klar gedruckt und gut lesbar.

Der Froop ist eigentlich nur drin, weil ich unbedingt Froop drin haben wollte, da die doch mit „Fruchtalarm“ im Becher werben – da mein lokaler Supermarkt an diesem Tag aber nur Kirsch-Banane hatte, musste es halt dieser werden.

Schauen wir mal weiter…

Froop, Landliebe und Ehrmann halten sich an den klassischen 150-Gramm-Becher, im „praktischen Doppelkammerbecher“ (Danone über Danone) von Fantasia sind 122 Gramm drin. Alle Becher sind aus Plastik, bei den erstgenannten mit einem Metallfoliendeckel, Danone mit beschichtetem Kunststoffdeckel.

Bei Edeka kostet derzeit Froop (im Angebot) 29 Cent, Danone 29 Cent, Ehrmann 39 Cent, und Landliebe im Pseudo-Plastik-Gläschen sogar 49 Cent. Auf eine Bio-Variante habe ich übrigens bewusst verzichtet, hier ging es mir gezielt um die reinen „grossen“ Marken.

Als erstes interessierte mich wie der Joghurt ’nackt‘ schmeckt. Vom Danone Fantasia wusste ich das bereits – säuerlich, recht dünnflüssig, ein wenig schleimig, und mit einer komischen süssen Obernote. Die Kombination aus Zucker und Joghurt gefiel mir gar nicht. An den Joghurt unter der Fruchtschaummasse von Froop ranzukommen erwies sich als schwierig, jedenfalls war es nicht ohne Löffelkontamination möglich, deswegen kann ich dazu nur dagen dass die Konsistenz angenehm cremig war. Landliebe ist sehr deutlich gesüßt, wirkt im Becher (wie auch Ehrmann) fast stichfest, ist aber ebenso dem cremigen Mouthfeeling angepasst. Der Ehrmann-Joghurt, der beinahe aussieht wie im Becher gereift, ist ebenfalls cremig, und als einziger Joghurt nicht gezuckert. Hier gibt’s auch für den reinen und guten Geschmack der eingesetzten Joghurt-Kultur einen Daumen nach oben.

Bevor ich tiefer löffele, noch ein Blick auf die Zutatenlisten. Landliebe benutzt als einzige Firma Glukose-Fructose-Sirup in seiner Fruchtzubereitung – der Sirup gehört zu den Top-Dickmachern und Diabeteserzeugern dieses Planeten. Es kommt (immerhin) „nur“ natürliches Aroma zum Einsatz, aber neben Pektin auch modifizierte Stärke als Verdickungsmittel. Die ist nicht nur für Glutenallergiker hässlich, sondern kann auch aus genverändertem Mais hergestellt sein.

Die Verwendung ebendieser Stärke ist auch mein Haupt-Kritikpunkt am Ehrmann-Joghurt – kein Mensch braucht drei verschiedene Verdickungsmittel in einer Fruchtmasse, deren einziger Zweck es ist unter relativ flüssigen Joghurt gerührt zu werden. Guarkernmehl, der dritte im Bunde neben dem Pektin, kann ausserdem für Soja-Allergiker auch kritisch sein

Dass ich Zitronensäure und Natriumcitrat ebensowenig in meinem (Danone-) Joghurt haben möchte wie Carrageen habe ich andern Orts schon festgehalten.

Interessanterweise verwendet Müller für Froop Speisegelatine – vermutlich um den Fruchtschaum im Becher stabil zu bekommen, und lässt dafür alle anderen Verdickungsmittel weg. Positiv ist hier vor allem das Zitronensaftkonzentrat statt der industriell gefertigten Zitronensäure hervorzuheben, dafür leistet sich Müller aber gleich zwei Mal Aroma, und – nimmt man die Fruchtzubereitung mit rein – gleich drei Mal Zucker. Die präzise Angabe der tatsächlichen Fruchtmenge ist ebenfalls gut.

Damit zur wie immer alles entscheidenden Frage: Wie schmecken denn die?

Danone Fantasia – der nicht wirklich gelungene Basisjoghurt wird durch die Zugabe der verdickten gesäuerten und aromatisierten Kirschmasse nicht besser – diesen Joghurt mochte ich nach zwei Testlöffeln nicht weiter essen.

Landliebe
– wie erlesen die paar Kirschen auf die Gesamtmasse Joghurt sein mögen, kann sich jeder selbst ausrechnen. Der Liebste fand ihn ‚besser als den Danone‘, mithin essbar, ich fand ihn übermässig aromatisiert, da stach mir so ein Hauch Bittermandel/Amarettoaroma in die Nase und den Mund. Das ist ein Aromatyp den ich noch stundenlang nachschmecken kann – wäre für mich ungenießbar.

Froop spielt in einer eigenen Liga, schon weil hier Banane mit im Spiel ist. Der Joghurt schmeckt intensiv fruchtig – vermutlich eine Kombination aus Bananenpüree, Zitronensaft und Aroma – mich erinnerte er allerdings an das (verabscheute) Rhabarberkompott meiner Oma, vermutlich die Säure in Kombination mit Banane, denn Bananenpüree mischte sie auch unter ihren Rhabarber. Der dreifache Zucker sorgt dafür, dass das ganze kinderverträglich quietschsüss ist – passt ja zur Zielgruppe der Werbung.

Matchwinner ist, nicht unbedingt überraschend, der Ehrmann Der Urige. Die Kirschzubereitung schmeckt tatsächlich nach Kirschen und fast gar nicht künstlich, der naturreine ungezuckerte Joghurt dazu macht aus dem Urigen zumindest geschmacklich einen annehmbaren Fruchtjoghurt, während die anderen Testteilnehmer übersüß und überaromatisiert sind. Punktabzug gäb’s hier aber nicht nur für die vielen Verdickungsmittel, sondern auch weil auf dem Becher etwas von „Sauerkirschen“ steht – und danach schmeckt es nicht.

Fazit: ’spitze‘ ist keiner der Joghurts, kaufen würde ich davon auch keinen wieder. Im grossen und ganzen tun sich aber die ‚grossen‘ Marken offensichtlich nicht viel, bei allen gäbe es was zu beanstanden und an selbstgemacht kommt sowieso keiner von denen heran.

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

14 Antworten

  1. markus sagt:

    Guten Morgen Petra,

    danke für diesen ausführlichen Joghurt-Test. Ich selbst bin ja begeisterter Joghurt-Fan und probiere eigentlich alles was es hier so im Supermarkt gibt.

    Es stimmt schon, dass die „natürlichen“ Joghurts extrem nachgesüßt sind – allerdings fehlt mir für das selbermachen einfach die Zeit und das Wissen.

    Vielleicht sind meine Geschmacksnerven aber einfach schon so am Ende?! 🙂

    Gruß Markus

  2. FoodFreak sagt:

    Moin… selbermachen? Kaufe einen einfachen Basisjoghurt der dir auch pur schmeckt. Und eine gute Konfitüre / Marmelade der gewünschten Geschmacksrichtung (oder Fruchtkompott im Glas). Nach Wunsch selber anrühren = so viel Frucht und Süsse wie Du haben willst.

  3. markus sagt:

    Moin nach Hamburg! 🙂

    Habe selbst schon einmal natürlichen Joghurt mit Konfitüre gemischt, allerdings habe ich dies wieder gelassen, da ich gedacht habe der Zuckergehalt ist hier noch höher wie in den gekauften… kann aber auch an meiner Unwissenheit liegen. 😉

    Danke dir in jedem Fall für den Tipp. Was ich noch empfehlen kann ist Joghurt mit Honig… hmmmmn echt lecker.

  4. FoodFreak sagt:

    Oh ja, am liebsten griechischer Joghurt mit griechischem Thymianhonig… mhhh!

  5. markus sagt:

    Jupp.. allerdings habe ich einmal diesen hier probiert: http://www.preisvergleich.de/report/showReport/ReportID/344066/id/2054090 und war schwer entäuscht.. kann aber auch an meinen verdorbenen Geschmacksnerven liegen. 😉

  6. FoodFreak sagt:

    Ieh, nein. Auf keinen Fall mit Honig drin (ist eh nur aromatisierte Zuckerzubereitung). Der beste griechische Joghurt ist von TOTAL. Dazu reinen Honig nach Gusto. Elinas hatte ich glaube ich auch mal den puren verbloggt, der ist ziemlich flüssig.

  7. markus sagt:

    Der Honig sieht auch nicht wirklich aus wie Honig… das ist irgend so eine Pampe… und schmeckt total ekelhaft.

  8. MacKenzie sagt:

    Das Ergebnis ist nicht wirklich überraschend. Danke trotzdem fürs „todesmutige“ testen 🙂

  9. Petra sagt:

    Toller Vergleich! Danke. Und jetzt wird es höchste Zeit, dass ich mal meinen Test von Fantasia schreibe… Aber viel muss man dazu mittlerweile nicht mehr sagen und mein Ergebnis klingt auch nicht viel besser.

  10. Véronique sagt:

    Ich kaufe eigentlich nur Joghurt pur, und bio, aber für einen mittagspäuslichen Notfall weiss ich jetzt, was ich eventuell essen könnte. Danke dafür. In diesem Eintrag fällt mir wieder auf, was ich gestern bei Ulrike schon geschrieben hatte: Es scheint, dass man in Deutschland die Bestandteile eines Joghurts nicht auflisten muss, anders als was ich noch vor einer Woche in Frankreich gesehen habe (http://www.danonefoodservice.fr/var/chd/storage/download/pdf/DANONE_ORIGINES_NATURE_135_G_X_2.PDF und http://www.danonefoodservice.fr/danonews/fiche_produit/(ref)/3033490329952 auch zu sehen). Weiss jemand, weshalb es so ist? Ich dachte, man muss heutzutage – und vermutlich europaweit – jeder Zutat eines Produkts genau eintragen.

  11. winterspross sagt:

    Ich habe mir auch mein Kompott lange Zeit selbstgekocht, da ich mittlerweile Marmeladen prinzipiell zu süß finde. Leider hat sich jetzt herausgestellt, dass ich eine Fruktose-Unverträglichkeit habe, und jetzt esse ich Joghurt pur.

    War am Anfang schon hart, dass ich mir das Fruchtjoghurt abgewöhnt habe, nach Jahrzehnten zuckersüßer Pampe hat mir nämlich das Naturprodukt überhaupt nicht mehr geschmeckt. Traurig eigentlich.

    In Österreich gibts, soweit ich weiß, nur zwei der Joghurts, die du vorgestellt hast. Aber da ich meist bei Hofer bzw. am Bauernmarkt einkaufe, komm ich ja ohnehin nie zu den „Markenprodukten“…

  12. Selbermacherin sagt:

    Es muss unendlich schwer sein, eine Frucht aufzuschneiden und in Naturjoghurt einzurühren. Oder ein wenig selbstgekochte Marmelade. Es ist schon schade, wie Verbraucher verschaukelt werden.

  13. Selbstmacher sagt:

    @Selbstmacherin Glaubst du wirklich das Obst im Supermarkt ist besser, wenn man das reinschneidet? Ist doch alles auch voller Biozite.

  1. 20. Februar 2010

    […] den Danone Fantasia-Joghurts und dem Kirschjoghurt Death Match hatte ich erst mal die Nase voll von fertigen Fruchtjoghurts – ich mische mir Fruchtjoghurt […]

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