Knorr Suppenbasis – Zwiebel-Cremesuppe mit Emmentaler

Dieser Artikel wurde zuletzt am 22. Juni 2014 aktualisiert

Wie kürzlich schon berichtet, teste ich mit den Konsumgöttinnen die neuen Produkte von Knorr: Knorr Suppenbasis.

Kurz nachdem das Paket mit meinen Test-Tüten kam (ich habe mich gestern von Knorr belehren lassen, dass es sich mitnichten um eine „Tütensuppe“ handele, sondern, Zitat, „eben, wie der Name bereits sagt, ein Basisprodukt für das Kochen einer frischen Suppe ist.“ ) habe ich mich an die Zwiebel-Cremesuppe mit Emmentaler gewagt, das ideale Produkt um in diesen Suppentest zu starten – denn der Liebste hasst Käse und ist auch Zwiebelsuppe nicht allzu zugetan, so dass ich die Suppe nur für mich gemacht habe.

An zusätzlichen Zutaten für die Suppen-Basis werden verlangt:

– 1 Esslöffel Öl
– 3 Zwiebeln
– 50 Gramm Emmentaler
– 100 ml Sahne (oder, auf der Rückseite wahlweise das hauseigene Rama Cremefine Produkt, das auch in die Nährwertkalkulation eingegangen ist).

Das Ganze beginnt so wie ich auch eine Zwiebelsuppe machen würde – Zwiebeln schneiden, anschwitzen, sekundenlang frage ich mich wofür brauche ich eigentlich das Produkt? – dazu später mehr… als die Zwiebeln in einem Esslöffel Öl (bei mir war das Olivenöl) angeschwitzt sind (5 Minuten anbraten lautet der Zubereitungsvorschlag) und Farbe nehmen, ringe ich mit mir ob ich vielleicht einen Schuss Weisswein angiessen sollte, wie ich das bei einer Zwiebelsuppe sonst auch täte. Dann aber beschliesse ich, mal ganz genau nach „Vorschrift“ vorzugehen um das Produkt in dieser Version zu beurteilen.

Es wird Wasser angegossen, 750 ml, dann der Tüteninhalt eingerührt – ein bräunliches Pulver, das schwach nach Zwiebel riecht – und aufgekocht, dann kochen lassen, zum Schluss Sahne und geriebenen Käse einrühren, aufkochen, fertig.

Schauen wir in der Zwischenzeit mal auf die Zutatenliste:


Als die Suppe mit dem Pulver drin aufkocht, schaue ich verdutzt in den Topf – die Konsistenz erinnert mich an Orangengelee beim Marmeladekochen, dicklich-kompakt blubbert die Masse vor sich hin. Ja kein Wunder… wenn 18% Zwiebeln nach der Stärke auftauchen kann ich davon ausgehen dass deutlich mehr als 18% von den 60 Gramm Tüteninhalt aus Speisestärke bestehen.

Stärke, 18% Zwiebeln, Hefeextrakt, Weizenmehl, Speisesalz, jodiertes Speisesalz, pflanzliches Fett, Fruchtzucker, Gemüsesaftkonzentrate (Selleriesaftkonzentrat, Karottensaftkonzentrat, Lauchsaftkonzentrat, Zwiebelsaftkonzentrat), Aroma, Gewürze

Nach einer Weile machen sich auch die (vermutlich gerösteten) Zwiebelbestandteile des Pülverchens im Geruch bemerkbar, es riecht in der Tat nach Zwiebelsuppe.

Vielleicht bin ich ja seltsam – aber wenn ich eine Tütensuppe (sorry, KNORR, das Produkt kommt aus einer Tüte, die mir eine Suppe verspricht = das ist meine Definition einer Tütensuppe) kaufe, suche ich den Quick fix – Tüte auf, in Wasser einrühren, kochen, wenn noch was da ist das dazu passt reinschnippeln. Die alten Suppentüten mit Zwiebelringen drin fand ich da ein ehrlicheres Produkt als hier, wo ich den Großteil der geschmacksgebenden Zutaten _extra_ kaufen muss…

So sieht das Ganze dann aus:

Hmja, wie auf dem Bild, daran gibt es nichts zu deuteln. 4 Portionen mit kaloriensparerfreundlichen 180 Kalorien je Portion soll das Produkt ergeben – in dieser Schale befinden sich vielleicht 1 3/4 Portionen. Zu dritt könnten normale Erwachsene davon vielleicht satt werden, bei hungrigen Kerls würde ich eher zwei Portionen veranschlagen – wirklich sättigen tut vor allem die den Magen füllende Stärke in Verbindung mit dem Käse, aber 4 Portionen? Niemals, bestenfalls als Vorsuppe oder Nebengericht.

Womit wir zum entscheidenden Punkt kommen: dem Geschmack.

An und für sich ist die Suppe gar nicht mal übel. Warum auch. Mit drei angeschwitzten Zwiebeln, 100 ml Sahne und 50 Gramm Käse sollte da etwas Ansprechendes bei rauskommen. Aber die Konsistenz ist… dicklich-schleimig, und das schleimige Mouthfeeling von massiv stärkegebundener Suppe kriegt man einfach nicht aus dem Mund, das ist so deutlich spür- und schmeckbar, dass es mir den Spaß an so einer Suppe verhagelt. Ohnehin verstehe ich nicht, warum die Suppe derart massiv abgebunden wird – richtig, es soll eine Cremesuppe sein, aber es gibt Unterschiede zwischen Creme und Kleister.

Hätte ich diese Suppe selbst gemacht, hätte ich ebenso begonnen. Dann nicht mit Wasser abgelöscht, sondern mit Brühe und/oder Wein (und zwar selbstgemachte Brühe, es gibt aber tatsächlich auch gute Gemüsebrühe ohne Glutamat und sogar ohne Hefeextrakt). Gewürzt mit Salz, Pfeffer, vielleicht Thymian oder anderen Kräutern. Und am Ende mit eventuell Sahne und einem Käse – vermutlich Gruyere – verfeinert. Hätte ich sie unbedingt binden wollen könnte ich die (stärker) angerösteten Zwiebeln leicht bemehlen oder am Ende nach Wunsch mit wenigst angerührter Stärke binden. Oder einen Teil pürieren, da ich mehr Zwiebeln nähme. Mehl, Stärke, Brühe, Gewürze habe ich im Haushalt.

Das ist auch genau mein Hauptproblem mit dieser Suppenbasis: um eine ordentliche Zwiebelsuppe zu kochen ist sie einfach unnötig. Das Fazit dieses Tests ist, dass die Suppe ohne das Convenience-Produkt besser geschmeckt hätte, und vor allem die Konsistenz / Textur weniger widerlich gewesen wäre. Wie ich dem Forum bei den Konsumgöttinnen entnehmen kann, finden viele diese Textur toll – ich gehöre nicht dazu. Eine wirklich gute Cremesuppe ist was anderes.

Gut vorstellen kann ich mir das Zeug zum Überbacken, es dürfte eine super Kruste auf einem Auflauf ergeben… ach ja: als ich den Rest der sehr dicken Suppe aufgewärmt habe, habe ich einen Schuss Weisswein zugefügt. Das hat den Geschmack gewaltig verbessert 🙂

Summa summarum: würde ich auf keinen Fall kaufen.

Wie man eine gute Zwiebelsuppe macht? Ist gar nicht so schwer. Ein paar Vorschläge:

Alles garantiert einfach, erprobt, lecker – und garantiert ohne Tüte.

Print Friendly, PDF & Email

Appetit bekommen? - Hungry for more?

11 Antworten

  1. Karin sagt:

    ich bin begeistert von deinem bericht.. ich sehe das ganz genau so wie du denn für eine normale zwiebelsuppe dürfte jeder der mehr kann als eine tüte aufzureißen auch die „grundzutaten“ zu hause haben.. der geschmack wiederholt sich finde ich bei allen produkten der firma wieder.. egal ob soße für rouladen oder aufläufe aller art.. es schmeckt eben nach „tüte“ !! danke für den tollen bericht und deine ausführliche beschreibung !!!

  2. elamatrix sagt:

    Ich bin ja jemand, der sich nie an Suppen ran traut weil sie bei mir immer so flüssig sind. (Okay, auf die Idee Mehl dran zu tun hätte ich eher kommen können)
    Aber irgendwie klingt das so… bäh. Und ich hab mich auch schon bei Betrachtung der Tüten gefragt wofür ich die Tüte überhaupt noch brauche.
    Tütensuppen habe ich früher immer gemacht, wenn es schnell gehen soll. Der Vorteil ist hier aber irgendwie… verloren gegangen.

  3. Gabi sagt:

    Guter Artikel – und man erkennt genau, welchen Gedanken Knorr mit dem Produkt verfolgt: Gebt den kochunerfahreneren Leuten den Eindruck, sie kochen „richtig“… Feix, dabei ist richtiges Kochen nicht mal schwerer und vom Ergebnis her lohnender, wie dein Bericht beweist!

  4. FoodFreak sagt:

    gegen zu flüssige Suppe hilft… weniger Brühe bzw mehr Gemüse nehmen, und einen Teil davon mit dem Mixstab anpürieren – bindet prima, besonders wenn du noch Kartoffel drin hast, Mehl würde ich ehrlich gesagt nur ganz selten nehmen – z.B. für eine gebundene Zwiebel- oder Ochsenschwanzsuppe, oder bei der kroatischen Bohnensuppe von Yvonne. Andicken kann man auch mit Eigelb und Sahne als Legierung (darf dann nicht mehr kochen), sehr schön vor allem bei hellen leichten Cremesuppen.

  5. Hedonistin sagt:

    Fazit: Zuerst war die Tütensuppe, die nur nach Zugabe von Wasser verlangte; nun halten wir bei „Basis“-Produkten, wo praktisch alle geschmackgebenden Zutaten extra zugegeben werden müssen … Wie lange wirds noch dauern, bis auf schlichten H2O-Flaschen nicht mehr „Wasser“, sondern „Suppenbasis“ steht? 🙂

  6. FoodFreak sagt:

    Das ist überhaupt ne gute Idee. Was verlangt man da wohl… Fondpreise? 250-400 ml im Glas mit Etikett und Koch-Konterfei… hm vielleicht noch etwas Salz rein = 2,50 Euro? Kräftiger gesalzen wäre es dann eine Fondbasis… oder ein Suppenbasiskonzentrat… nur noch Wasser zugeben…

  7. Hedonistin sagt:

    Suppenbasis-Konzentrat ist gut. :-))) Die Preisgestaltung müsste sich wohl am Konterfei orientieren – für ein stark, äh, belichtertes Bild z.B. fände ich 2,50 etwas gesalzen. 🙂

  8. Balu sagt:

    Wenn ich krank bin oder es mal wirklich schnell gehen soll, benutze ich auch eine „Rennfahrersuppe“: Wasser kochen, Tüte rein, umrühren, Moment warten, fertig.

    Aber ansonsten sind doch gerade Suppen das einfachste von der Welt. Eigentlich kann man da nicht viel falsch machen.

    Auf jeden Fall brauche ich dafür keine Suppenbasis.

  9. Balu sagt:

    Aber dann bitte auch an die Übergewichtigen wie mich denken und Diätwasser benutzen:

    http://tymask.files.wordpress.com/2009/05/diet-water.jpg

  10. Jutta sagt:

    „Hefeextrakt“ – ich krieg die Krise.

    Das hast du aber ganz toll hingekriegt – ein informativer, ausführlicher und mir aus der Seele sprechender Tütensuppen-Bericht erster Güte.

  1. 8. Juni 2010

    […] bittere Armut, oder jemand ist auf Diät. Die Portionsgrösse ist, wie auch schon bei der Zwiebelcremesuppe mit Emmentaler, eine hypothetische. Warum heisst die Suppe eigentlich nicht Kartoffelcremesuppe mit Lauch? […]

Kommentar verfassen