Ein Nachmittag mit Profi-Foodografie

Dieser Artikel wurde zuletzt am 22. Juni 2014 aktualisiert

Der Bauer-Verlag, in diesem Fall die Online-Redaktion von Lecker, hatte Foodblogger vergangene Woche eingeladen, sich einmal die Fotoproduktion hinter den Kulissen anzuschauen. Nach anfänglichem Zögern bin ich dann doch angereist, vor allem weil ich mich drauf freute, Küchenlatein und Chaosqueen mal wieder zu treffen und endlich Fool for Food kennenzulernen, ausserdem waren noch die beiden Köpfe hinter dem Rezeptewiki dabei (wobei ich feststellte dass der eine davon mittlerweile in Hamburg wohnt :-)) sowie die beiden Damennamen-Blogger – eine lustige Runde. Schön Euch alle mal zu treffen!

Organisiert hatte das Ganze Birte Wloka (vielen Dank!) und die honneurs machte zunächst Gudrun Hoffmöller, die Food-Chefin des Bauer-Verlags. In einem Konferenzraum, dessen hervorstechendstes Merkmal 9 Billy-Regale voller katalogisierter und systematisch angeordneter Kochbücher waren, erläuterte sie uns den Ablauf des Tages und erklärte viel Interessantes zur Food-Produktion bei Bauer – der Verlag unterhält nämlich eine zentrale Versuchsküche mit drei Fotostudios, in denen für 18 Titel Rezepte und die dazu gehörigen Bilder produziert werden. Das ist einzigartig in Deutschland (ich glaube, die Kollegen bei G+J produzieren titelweise) und einzigartig ist auch die Requisite, die bei den meisten von uns offene Münder hinterliess. Der Raum, in dem Tischdecken Servietten u.ä. gelagert werden ist grösser als meine ganze Küche…

Ein Detail, das nicht nur ich lustig fand: die Chefin der Food & Foto-Redaktion erklärte uns, dass sie nun gelernt habe was Blogs seien, was ihr bis vor kurzem unbekannt gewesen sei – ich finde es sowohl mutig das zuzugeben, als auch toll, dass sie sich damit aktiv auseinandersetzt – und erwähnte dann dass es ja ‚Lecker‘ nicht nur als Online-Portal, sondern auch als Printausgabe gebe. Ich muss gestehen, das Onlineportal kannte ich bis letzten Samstag nicht mal dem Namen nach, das Heft dagegen schon.

(Vielleicht sollte man an der Stelle mal mit dem weit verbreiteten Vorurteil aufräumen, Onliner seien Generation Darf-nichts-kosten… die anwesenden Foodbloggerinnen haben allesamt über die Jahre kubikmeterweise Kochzeitschriften gehortet, und es wurden Ideen und Tipps für stabile Kochbuchregalsysteme ausgetauscht – wir dürften zu den Kunden gehören die viele Printerzeugnisse kaufen, nicht wenige…)

Der Ablauf des Tages stellte sich dann so dar: nach einer kleinen Einführung im Fotostudio sollten wir in Gruppen in der Testküche Hand anlegen, und Vorspeise, Hauptgang, Dessert zaubern – die Gruppen wurden ausgelost. Ich landete mit Fool for Food und Chaosqueen beim Dessert, bei dem uns eine nette junge Köchin begleitete.

Zunächst aber ging es ins Fotostudio. Einen getwitpicten Schnappschuss mit dem Android-Phone kann man hier sehen.

Bei Foolforfood und Küchenlatein gibt’s sehr schöne Bilder von dem Event, deswegen verweise ich hier mal auf beide Artikel (statt die Ausdrucke der Fotos auch nochmal zu scannen).

Die Technik war für mich nicht wirklich neu – ich habe schon Fachkameras und professionelle Bildbearbeitungssysteme gesehen und benutzt, und auch ein 39-Megapixel-Mittelformat-Digiback ist nichts das ich zum ersten Mal vor Augen hatte, fasziniert hat mich allerdings die Dimension des Ganzen. Allein die Größe des Fotostudios… der große Reflektor würde meine Küche vermutlich sprengen, das gesamte Studio in dem uns Fotograf und Food-Stylisten freundlich und sachkundig an ihrem Wissen und ihren Erfahrungen teilhaben liessen, ist grösser als meine Wohnung (und schätzungsweise doppelt so hoch, mindestens).

Natürlich geht man an ein Profibild für die Food-Fotografie ganz anders heran als wir das am heimischen Küchen-, Ess- oder Leuchttisch tun. Es wird grundsätzlich alles kalt (erkaltet) fotografiert, und viele Speisen werden erst direkt auf dem Tisch angerichtet, eingefüllt, dekoriert. Die Produktion so eines Bildes dauert circa. 1 1/2 Stunden und schlägt mit rund 550 Euro zu Buche. (Und das ist verglichen mit einem externen Dienstleister noch günstig).

So haben z.B, die Deko-Spezialisten bereits ganz zu Anfang die Deko und das Geschirr ausgesucht, welche später zu den jeweiligen Gerichten zum Einsatz kommen sollen – Frau Hoffmöller erzählte, dass die Stylisten einmal im Jahr zu einer großen Fachmesse fahren und sich dort mit den neuesten Trends eindecken.

Die Versuchsküche ist direkt nebenan, ein Detail das ich da spannend fand; Frischwaren werden tatsächlich zu Fuss in der Hamburger Innenstadt eingekauft.

Tricks wie die Sache mit dem Griess-Spiegel unter der Suppe als Auflagefläche für Dekowürfelchen waren nicht unbedingt neu für mich, interessant fand ich allerdings dass bei Lecker bzw. generell bei Bauer bei den Food-Fotos nicht geschönt wird (okay, für mich fällt ein Griessspiegel schon unter ‚geschönt‘ denn das kriege ich mit der real existierenden Suppe nunmal niemals so hin…) – das Bild entspricht tatsächlich dem jeweiligen Rezept. Ich ärgere mich oft genug wenn das nicht der Fall ist – da werden gebackene Käsemassen plötzlich schneeweiss mit irgendwas angehübscht, oder – wie mir gerade passiert – das in Pieform abgebildete Rezept ist für eine sehr viel höhere Springform dimensioniert …

Das ist doch mal ein Stativ 🙂

Erhofft hatte ich mir vor allem Tipps der Foodstylisten, wie man etwas gut aussehen lässt auf dem Teller, was es beim Anrichten zu beachten gibt, wie man manche Dinge schöner machen kann, wie man einen „Teller“ aufbaut damit er auf dem Bild gut aussieht. Genau das kam allerdings schrecklich kurz an diesem Nachmittag – ich hatte mir weniger vorgestellt in einer kochkursähnlichen Umgebung jemandem beweisen zu sollen dass ich Mousse au chocolat machen kann… und als es ans Anrichten ging liess man uns machen, erst später legte dann, wo es ging (beim Dessert ging es nicht) noch einmal die Stylistin bzw. der Fotograf Hand an.

Gewünscht hätte ich mir ja eher, dass die Testküche eine Handvoll Kleinigkeiten kocht, gern mit uns (in fremden Küchen Löffel und Schüsseln suchen war mehr Beschäftigung als das Kochen), und dann zeigt wie man sowas perfekt anrichtet (oder auch Tipps gibt wie man Muffinteig sauber und attraktiv ohne Kleckern in kleine Förmchen bekommt) – stattdessen machte jedes Team (s)einen Teller, und dann ging es damit ins Fotostudio – was ich sehr viel interessanter fand als in einer sommerwarmen Küche Essen zuzubereiten. So verschlug es die Foodbloggerinnen auch viel öfter ins Studio als an den Herd.

Ganz toll ist natürlich die Möglichkeit, quasi auf dem Livebild, das per Kabel von der Kamera an den MacPro übertragen wird, Zutaten und Dekoration verschieben zu können, ohne jedes Mal neu belichten / auslösen zu müssen. Sehr hilfreich fand ich vor allem die Tipps des Fotografen zum Erzeugen partieller Schatten und natürlicherer Lichtverläufe, davon werde ich sicher einiges umsetzen können.

Sehr schick war auch ein spontanes „Lasst uns noch ein paar Zuckerspiralen machen“ von unserer Begleitköchin, die mal eben fix den Karamell auf die exakte Temperatur brachte und über einem Löffelstiel Zuckerfäden zu kunstvollen Springfedern drehte, da merkte man dann die Hand des Profis doch ganz deutlich! Das muss ich mal – in ungefähr der dreifachen Zeit – zu Hause austesten… 🙂

Wirklich interessant war dann am Ende zu sehen, wie unglaublich gut dank der Kunst des Fotografen selbst ein Teller aussah, den wir angerichtet hatten und der im realen Leben sehr viel langweiliger und schnöder aussah als auf dem fertigen Foto. Das beginnt natürlich bei der Deko – was bei mir einfach als Teller auf den Tisch kommt, vielleicht noch mit einem Unterteller, aber das wars dann auch, prangt auf einem Profibild mit darunter drapierten Servietten oder Spitzentüchlein, da wird ornamentales Silberbesteck dazu gelegt… hier der „Dummy-Aufbau“ für unseren Desserteller:

Und das war das grosse Finale:

Den Ausklang lieferte dann das von uns allen zubereitete Essen, dass die Profis für uns anrichteten und uns im Konferenzraum servierten – das war auch höchste Zeit, denn unsere Mägen knurrten nach mehreren Stunden in der Küche und im Studio doch ganz deutlich. Ein leckeres Drei-Gänge-Menu am Nachmittag war ein schöner Abschluss, und als Bonbon gab’s für alle noch Ausdrucke der an diesem Tag angefertigten Fotos zum Mitnehmen.

Vielen Dank an den Bauer-Verlag für diese Chance, sich zumindest einen Teil der Food-Produktion mal hinter den Kulissen anschauen zu können, und ganz besonders herzlichen Dank an die Köche, Food-Stylisten, Redakteure und den Fotografen, die uns ganz toll und supernett durch diesen Nachmittag begleitet haben.

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

7 Antworten

  1. nasebaer sagt:

    Sehr schöner Bericht. Danke fürs teilhaben lassen, auch wenn ich nicht mitkonnte

  2. MacKenzie sagt:

    Das klingt wie ein erfolgreicher Nachmittag 🙂 Ich bin gespannt ob sich das künftig an deinen Bildern sehen lässt. Nicht das ich an denen was zu meckern hätte, die sind alle mal besser als das was ich hin und wieder fabriziere 😉

  3. markus sagt:

    Schön zu hören, dass Blogger zu so etwas eingeladen werden – und wenn es dann auch noch Kulinarisch wird.. prima! 🙂

  4. Jutta sagt:

    Danke für diesen ausführlichen und objektiven Bericht. Hat Spaß gemacht, ihn zu lesen und man fühlt sich fast so, als sei man dabei gewesen.

    Wie man Teig ohne Probleme und exakt dimensioniert in ein Muffinförmchen bekommt, das kann ich dir verraten. Mit einem Eisportionierer. Das mache ich immer und es klappt hervorragend.

    Ich habe Portionierer in drei verschiedenen Größen, je nachdem, was gerade verarbeitet wird. Ich benutze sie sehr häufig, auch für Frikadellen oder Pfannkuchen oder Baumkuchen oder Vinschgauer oder, oder, oder…..

  5. vran01 sagt:

    Gut gemachter Bericht 🙂 !

  6. zorra sagt:

    Danke für diesen tollen Bericht. Hoffentlich berichtest du mal noch etwas mehr über den Lichtaspekt beim Fotografieren. Ich würde mich freuen.

  7. Flo sagt:

    also die desserts schauen ja echt zum anbeissen aus :-)….. mmmmm … toller bericht, finde das thema voll spannend, hab einmal eine reportage über foodstylisten und so gesehen, die bier fotos mit plastick bier und so gemacht haben… einfach nur geil!!!!

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