Geburtstagsdinner bei Wieckenberg

18. Mai 2009

Zu meinem kürzlich stattgefunden habenden Geburtstag haben der Liebste und ich uns das Restaurant Wieckenberg in Hamburg-Eimsbüttel als Ort für das Dinner for Two ausgesucht – u.a. dank der Empfehlung von Claudia / Fool for Food.

Dafür schon mal ein herzliches Danke, denn das Wieckenberg gehört für mich zu den positiven Neuentdeckungen!

Das kleine Restaurant mit ca. 30 Innenplätzen – draussen sitzen war an diesem kühlen Abend nicht wirklich eine Option – ist schlicht, unprätentiös, modern eingerichtet, lindgrüne Wände, Lederbänke im Bistrostyle an der Wand, kleine schwarze Tische, ein paar Sitze auf der Bank im Fenster – simpel und gediegen und ohne Chichi, also schon mal genau richtig für die hanseatische Seele, wenn auch die Tische wirklich sehr beengt sind.

Die Karte ist ebenso schlicht und unprätentiös gehalten, hier tummeln sich nicht Kreationen von irgendwas an irgendwas anderem, nein es stehen die Hauptzutaten säuberlich aufgereiht auf der Karte, und das liest sich dann z.B. so:

Lachscarpaccio | Orangenmarinade | zweierlei Kaviar | Spargelsalat | Rosa Pfeffer

Marinierter Sushi-Thunfisch | Avocado | Tomate | Sesam | Koriander | Shiitakepilze | Sakura-Kresse

Das waren unsere Vorspeisen, doch ehe wir so weit gelangten, gab es erst einmal hausgemachtes Brot.

Genauer, jeweils drei Scheibchen vom Tomaten-Oliven-Brot und Zwiebel-Schinken-Brot. Beide schienen auf dem gleichen Weissbrot/Baguette-Teig zu basieren, wobei das Tomaten-Oliven-Brot deutlich die Nase vorn hatte – rösch, mit einer orangenen Farbe (Tomatenmark, nehme ich an), winzigen aromatischen Stückchen schwarzer Olive, und grössere erkennbare Stücke getrockneter Tomaten – mit leichter Süße ideal zur dazu gereichten gesalzenen Butter.

Das Zwiebel-Schinken-Brot dagegen war in der Mitte hocken geblieben, und der ohnehin schon recht salzige Grundteig und der salzige Schinken liessen es zusätzlich übersalzen wirken, mit der Butter zusammen war es nur was für extreme Salz-Liebhaber. Summa summarum: das hat man schon besser gesehen, hier wäre zugekauftes gutes Brot oder eine einfachere Version vielleicht mehr gewesen.

Es folgte ein Gruß aus der Küche, den Torsten mit einem halb scherzhaften ‘Nicht schon wieder Gurkensuppe’ kommentierte. Die kalte Gurkensuppe mit Minze, in einem kleinen Weck-Gläschen serviert, war mit Dill dekoriert und enthielt ausser Gurken auf jeden Fall noch Krebsfleisch. Das Süppchen schmecket sehr erfrischend und lecker, war gut abgestimmt, und machte Lust auf mehr.

Die Vorspeisen waren beide absolut perfekt abgeschmeckt und makellos. Der “zweierlei Kaviar” entpuppte sich – wir haben nachgefragt – als Forellenkaviar und Kaviar vom Felchen, hellcremefarben und mit einem poppenden Effekt den wir eher von Fliegend-Fische-Rogen kannten. In Anbetracht der köstlichen Kombinationen habe ich beschlossen, hier auf jeden Fall mal wieder und dann Mittagstisch essen zu gehen.

Zum gesamten Essen haben wir einen Chardonnay von Bassermann-Jordan aus der Pfalz getrunken, der ein prima Begleiter war.

Die Hauptgerichte liessen gegenüber den hervorragenden Vorspeisen leider etwas nach. Es gab

Seeteufelmedallions | Ratatouilleschaum | Italienischer Landschinken | Fregola | marinierte Paprika | Parmesancracker

Rücken vom Spanischen Ibericoschwein | Mascarpone-Dattel-Polenta| Spargel

Torstens Seeteufel war schon etwas sehr durch, der Landschinken fiel kaum auf, der Ratatouille-Schaum war eher ein Schaumsösschen mit zartem Ratatouille-Aroma nebst winzigen Gemüsewürfelchen, harmonierte aber exzellent mit dem Fisch. Den Parmesancracker mochte sogar der Nichtkäseliebhaber.

Meine Polentascheibe hatte von unten die Bratplatte / Pfanne etwas zu lang gesehen, ebenso war das Schwein auf einer Seite zu lang gegart und etwas trocken, die zweite Scheibe dagegen war perfekt saftig. Der Teller war mit Spargel, Polenta und Schwein, von Sauce umgossen, erstaunlich übersichtlich – der Spargel perfekt saftig-knackig, die Polenta tendenziell langweilig, die Sauce war mir deutlich zu süß und zu sehr (mit Stärke?) abgebunden. Beiden Hauptgerichten fehlte etwas Salz.

Vergleiche ich das Ibericoschwein gegen das aus dem Goldenen Rad, ist hier noch deutlich Entwicklungsspielraum drin – wie auch beim Service. Von den drei Servicekräften, die sich an diesem Abend das Restaurant in offener Raumdeckung teilten, war eine ein wenig langsam, was vermutlich daran lag dass sie merklich noch recht neu in dem Job war, einer etwas sehr schnell – zweimal war er schon wieder weg ehe wir auf eine herausgeschossene Antwort noch eine weitere Frage stellen bzw. etwas nachordern konnten – und eine in der absolut perfekten Balance aus Freundlichkeit, Aufmerksamkeit, und Geschwindigkeit.

Für ein Dessert war ich mal wieder zu satt und nahm einen doppelten Espresso, der aus einer großen Wega-Maschine kam, in einer gut vorgewärmten Tasse, auf der das El Rojito-Logo prangte – eine Hamburger FairTrade Rösterei. Lobenswert, aber wie so viele FairTrade Röstungen ist auch diese etwas zu bitter ausgefallen. Mit reichlich braunem Zucker liess sich das aber gut korrigieren.

Mein Süßschnabel vom Dienst gönnte sich als Dessert

Kokos-Creme Brulee | Zitronengraseis | marinierte Himbeeren | Thai Mango

Das war dann wieder zum Niederknien gut – eine sahnig-cremige, nicht zu süsse Kokos-Creme-Brulee mit einem Hauch brauner Zuckerkruste, dazu süße aromatische Himbeeren, ein wunderbares Zitronengraseis, gerade so eben parfümiert ohne penetrant zu wirken, und nicht minder aromatische Mango, mit Mangosaft und Zucker mariniert – besser kann man ein Dinner kaum beschliessen.

Anstelle des (am Nachbartisch, aber nicht bei uns) offerierten Obstbrandes von Ziegler nahmen wir unseren Verdauungshelfer zu Hause – ein Gläschen Schwarze Knorpelkirsche der Augustus-Rex-Brennerei in Dresden. Schade eigentlich, dass ein auf Slow-Food ausgerichteter Betrieb wie Wieckenberg nicht auch die Produkte dieses sehr aktiven Slowfood-Mitgliedes (mit aussergewöhnlichen Obstbränden die den Vergleich zu Ziegler nicht scheuen brauchen) im Angebot hat.

Ein feines Abendessen war’s auf jeden Fall – hier würde ich wieder essen gehen. Das Niveau von Cox, Küchenwerkstatt oder dem Goldenen Rad hat Wieckenberg (zumindest an diesem Abend) jedoch noch nicht.

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3 Responses to Geburtstagsdinner bei Wieckenberg

  1. Eva on 18. Mai 2009 at 09:12

    Danke für diesen ausführlichen Bericht! Wir haben schon so oft gesagt “da müssen wir auch mal hin” – es aber bisher noch nicht geschafft :-(

  2. Eva on 18. Mai 2009 at 09:14

    Ganz vergessen :-)

    Herzlichen Glückwunsch nachträglich und alles Liebe und Gute fürs neue Lebensjahr!

  3. lamiacucina on 20. Mai 2009 at 06:40

    mein Glückwunsch zum stattgefunden habenden :-)

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