Foodografie 4 – Software

Dieser Artikel wurde zuletzt am 22. Juni 2014 aktualisiert

In Ausgabe 4 des Foodografie-Events fragt Zorra nach der Software die wir verwenden und den Bearbeitungsschritten.

Ich bin, wenn man so will, Bildbearbeitungsprofi – ich habe ein Multimediaproducerdiplom in der Tasche und habe schon vor einem Jahrzehnt professionell mit Photoshop gearbeitet – insofern habe ich vermutlich einen etwas anderen Hintergrund als die meisten Leute, die sich nur zum Hobby mit Bildbearbeitung befassen. Privat habe ich jahrelang unter Windows sehr zufrieden mit Photoimpact meine Bilder bearbeitet (günstige Software mit guten Features), und seit meinem Wechsel von Win zu Linux zu MacOS bin ich glückliche Besitzerin einer Lizenz für eine in Deutschland hergestellte Software names GraphicConverter, die eierlegende Wollmilchsau für die Bildbearbeitung unter MacOSX, die Bruchteile der Adobe-Lösung kostet.

Meinen Workflow ganz grob will ich am Beispiel dieses Bildes zeigen:

Üblicherweise fotografiere ich dieser Tage in RAW und JPG, ausser ich bin knapp an Speicherkartenplatz. Für Webzwecke sind die RAW-Daten allerdings Overkill, und ehe ich mir die Mühe mache mit UFRAW (bzw. momentan mit Adobe Lightroom im Test) RAWs auszubelichten, werfe ich für diesen Zweck doch eher das JPEG in den GraphicConverter (der auch RAW beherrscht, aber nicht mit sovielen Knöpfchen zum dran schieben). Zu RAW ganz unten noch ein Nachwort.

Das Laden der Bilder von der Kamera übernimmt automatisch GraphicConverter für mich, sobald die Kamera eingeschaltet am USB-Port hängt. Die Speicherkarte formatiere ich dann, sobald ich sicher gestellt habe dass alle Bilder einwandfrei übertragen wurden, in der Kamera neu (um Dateifragmente zu verhindern).

Der nächste Schritt ist eine Umbenennung der Dateien, dafür habe ich ein einfaches Skript aus GraphicConverter (da gibt es eine passende batch-Funktion) die mir auf Apfel-A (alle markieren) Apfel-E (umbenennen) das Skript automatisch ausführt und den Dateinamen (IMG-ABCD, wobei ABCD eine 4stellige Nummer ist) bereinigt, EXIF-Datum einsetzt und das IMG- durch den Kameratyp und die fortlaufende 5. Stelle ersetzt. Das Ergebnis heisst dann z.B. bei der Ausgangsdatei hier 2009-03-19-350D-14036.JPG – Jahr, Monat, Tag, Kameramodell, laufende Dateinummer. Habe ich zusätzlich in RAW gearbeitet hat das RAW dieselbe Nummer, was sehr praktisch ist um später Original und Ausbelichtungen einander zuzuordnen.

Wenn ich soweit bin schaue ich mir im Browserfenster von GC erst mal an was ich fotografiert habe, schmeisse unscharfes, verwackeltes, unbrauchbares raus.

Den hier offenen Dateiinspektor benutze ich um mir Details von Schärfeverläufen und natürlich das Histogramm anzusehen. Meist ist er aber zu, ob ein Bild was taugt zeigt im allgemeinen schon die erste Durchsicht mit der Diashowfunktion des Programmes.

Habe ich dann einen oder zwei Kandidaten die ich bearbeiten will, war früher der erste Schritt der Griff zur automatischen Weisskorrektur.

Das hat allerdings Nachteile. Zum einen hat man nicht immer einen reinweissen Punkt auf dem Bild, mit dessen Hilfe man die Korrektur justieren kann, zum anderen ist sie oft sehr ungenau, weil die Helligkeitsverteilung darüber geregelt wird. Ich benutze übrigens fast ausschliesslich den automatischen Weissabgleich meiner Kamera, keinen manuellen, weil (a) ich damit immer von gleichen Ausgangswerten bei der Nachbearbeitung in Sachen Luminanz und Farbtemperatur ausgehen kann, (b) sich derlei besser in der Bildbearbeitung als in der Kamera regeln lässt, und (c) diese Einstellungen bei der Verwendung von RAW-Formaten ohnehin obsolet werden.

Die sehr viel elegantere und auch wirksamere Lösung ist eine (manuelle) Tonwertkorrektur. Automatische Tonwertkorrekturen bringen selten vernünftige Ergebnisse, und bei der manuellen Tonwertkorrektur kann man meist auf dem Histogramm auch gleich sehen wo es am Bild hakt, hier zum Beispiel lassen sich Weissabgleich und Helligkeit mit einem Verschieben des Reglers von ganz rechts nach links auf den Peak ganz simpel richtigstellen.

Ein weiterer Vorteil bei der Tonwertkorrektur ist dass sie meist auch gleich hilft den Kontrast bzw. den Schwarzwert und die Schärfe positiv zu beeinflussen.

Mein Ausgangsbild war übrigens dieses hier, die EXIFs kann man bei Klick auf den Bildlink bei 23hq.com einsehen.

Bisweilen arbeite ich dann noch die Farbtemperatur nach, das hängt von der verwendeten Lichtquelle und einem simplen Draufschauen ob die Farben für mich so stimmen ab. Beim RAW macht man diesen Schritt über die Farbtemperaturregelung, in GraphicConverter kann ich Lichter und Schatten, Kontraste und Farben auch über diesen Dialog beeinflussen:

Nun geht’s ans Beschneiden. Meine Software kommt mit ein paar Presets aus dem Bereich von Film und Fotografie, man kann aber auch frei beschneiden oder eigene Presets erstellen.

Bin ich mit dem Ergebnis zufrieden, wird gespeichert, (bzw. wenn ich daran denke, gebe ich zunächst IPTC Tags ein, also in der Bilddatei gespeicherte Schlagworte, und drücke dann erst Apfel-shift-S für Speichern unter). Falls ich eine verkleinerte Version für einen bestimmten Zweck erstelle, wie ‚Speichern für Web‘ – da habe ich bestimmte Dateigrössen vorgegeben und lösche zusätzlich die EXIF-Daten – wird diese sofern nötig in der Ausgabegrösse geschärft (vorzugsweise mit Unscharf maskieren) und mit eigener Endung, im Allgemeinen Dateiname-web.jpg, gesichert.

Für das Bild ganz oben habe ich ausserdem die Watermarking-Funktion von Lightroom benutzt, manchmal setze ich auch iWatermark ein, wenn ich dran denke. Nachdem ich in letzter Zeit häufiger Probleme damit habe dass Bilder von mir ungefragt auf fremden Websites auftauchen, muss ich diesen Teil zumindest in meinen Bild-fürs-Web-Workflow noch stringenter einarbeiten.

Das abgespeicherte Bild wird mit einem aussagekräftigen Namen am Ende des Dateinamens versehen und wandert in mein Bildarchiv auf dem Server. Das Bild für Webzwecke landet bei einem Bildhoster (in meinem Fall 23hq.com) und/oder geht direkt ins Blog per Upload-Funktion der Blogsoftware. Habe ich in RAW gearbeitet, nehme ich abschliessend das unbearbeitete RAW-File, wandle es mit Hilfe des Adobe DNG-Konverters (kostenlos) in ein DNG um, und benenne es entsprechend. DNG wird der kameraherstellerunabhängige (offene) Standard für RAWs in der Zukunft sein, und so kann ich sicher sein auch in Zukunft auf meine RAW-Daten zugreifen zu können, sollte ich sie mal wieder mit anderen Presets ausbelichten müssen und ein hochauflösendes Bild für einen bestimmten Zweck benötigen.

Achja: meine Kamera ist auf den AdobeRGB-Farbraum eingestellt. Wer eine DSLR benutzt sollte nachsehen welchen Farbraum seine Kamera einsetzt und ggf. zu AdobeRGB wechseln sofern möglich, das ist präziser als sRGB.

In diesem Zusammenhang: Jürgen Gulbins hat ein ausgezeichnetes Handbuch zur Digitalfotografie für Einsteiger geschrieben, das ich allen Neulingen, aber auch durchaus erfahreneren Hobbyfotografen nur wärmstens ans Herz legen kann – die Grundlagen der Bildbearbeitung erklärt er darin sehr gelungen und transparent am Beispiel von Photoshop Elements.

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

5 Antworten

  1. zorra sagt:

    Danke, mit diesem Beitrag habe ich schon wieder einiges gelernt, sehr informativ.

  2. nasebaer sagt:

    Schöner und ausführlicher Artikel. Hat mir sehr gefallen. Das dürfte vielen zeigen, was man noch aus seinen Bildern rausholen kann.

  3. Petra sagt:

    Man merkt, dass hier ein Profi am Werk ist und dass ich mich eigentlich viel mehr mit dem Thema beschäftigen müsste 😉

  4. Rezeptfee sagt:

    Ja, vielen Dank für diesen Beitrag. Wie schwierig Food Fotografie ist, habe ich auch neulich gemerkt. Wir machen ein Projekt „Zottarella Art“ – zu Ostern sollte es ein Pizza-Hase mit Mozzarella sein. Schaut doch mal vorbei und beurteilt unser Werk 🙂

  1. 15. April 2014

    […] dem Liebsten aus Alpenküche. Genuss & Kultur zubereitet habe, habt Ihr im Bild ja schon im Food-o-grafie-Beitrag […]

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