Weinhaus Krömer, Schwerin

Dieser Artikel wurde zuletzt am 22. Juni 2014 aktualisiert

Am vergangenen Wochenende haben wir uns einen Ausflug nach Schwerin gegönnt. Wer im Netz nach Gastrokritiken zu Schwerin sucht, stellt bald fest, dass Schwerin kulinarisch eher Diaspora ist – die Top-Adressen sind zwei Hotelrestaurants, das aurum im Hotel Speicher am Ziegelsee (wo wir übernachteten) und das Restaurant des Hotels Niederländischer Hof.

In die engere Auswahl kamen ansonsten drei Weinhäuser – Krömer, Wöhler und Uhle, die allesamt halbwegs vielversprechend aussahen. Als uns dann nach einer frostigen Cachingrunde am Freitag die Dunkelheit und Kälte langsam ins Warme trieben, stand unser Auto praktischerweise fast direkt vor dem Weinhaus Krömer geparkt – die Entscheidung fiel also nicht schwer.

Zunächst mal parkten wir um – zum Weinhaus gehört ein hauseigener Parkplatz, die Parkmarke zur Ausfahrt gibt’s in der Weinhandlung.

Geht man durch die Weinhandlung hindurch, steht man in einem modern gehaltenen (Bistro-) Restaurant in freundlichen warmen und hellen Farben, es wirkt ein wenig lounge-mässig aber sehr schick, die Wände sind mit Gemälden verschiedener Winzerlogos verziert.

Hätte ich die Selbstdarstellung des gastronomischen Betriebes gelesen, welcher in der Alten Grossherzoglichen Dampfwäscherei zu Schwerin residiert, wäre ich vielleicht nicht eingetreten:

Modernes Ambiente an kleinen Tischen sowie trendige Sitzgruppen laden zum Verweilen ein. Eine Auswahl schnell zubereiteter Trendgerichte sowie die gesamte Vielfalt unseres Weingeschäftes stehen unseren Gästen zur Verfügung.

Gleich zweimal Trend…

Die Lage ist prima, gegenüber ein grosses Museum, nur ein paar Minuten zu Fuß zum Schloss und in die Innenstadt, und die Weinkarte sah in der Tat vielversprechend aus, ich glaube das war das erste Mal dass mir Weine von der Domäne Eberbach (ein Riesling Heppenheimer Centgericht) auf einer Karte begegneten.

Torsten entschied sich schliesslich für Lammrücken unter der Kräuterkruste mit Balsamico-Paprikagemüse und Basilikumgnoccis (wörtlich so auf der Karte), ich für Gebratenes Wolfsbarschfilet mit Zitronensauce und Ruccola-Tagliatelle, vorweg wollten wir jeder eine Wildkraftbrühe mit Gemüsestreifen. Vielleicht hätte uns warnen sollen dass sonst kein Wild auf der Karte stand…

Als Getränke gabs in Sachen Wasser ausschliesslich Selters (das ich nicht mag), und so orderte ich einen badischen Weissburgunder, der leider erst deutlich nach der Vorsuppe eintraf, und in welchem Brösel der Flaschenverpackung schwammen. Die kantigen Designgläser passten zwar zum Look des Bistros, aber nicht wirklich zum Weingenuss. Der Wein war allerdings sehr lecker.

Das Essen:

Die Wildkraftbrühe kam vermutlich aus dem Tetrapak, sie schmeckte wie Fertigwildfond mit einer Dosis gelber Hand halt so schmeckt, die Portion war gross, das darin ersoffene Gemüse (Möhre und Sellerieknolle) nur sehr unvollständig durch eine Mandoline getrieben. Absolut verzichtbar.

Die Kräuterkruste auf dem Lammrücken, der beinahe komplett durchgegart war, entpuppte sich als Kartoffelröstimasse, die einigermassen knusprig war, aber eine seltsame Kombination zu den leicht matschigen Gnocchi, die offensichtlich aus dem Gastrogroßpack kamen und in brauner Sauce aus der Packung schwammen. Das geröstete Paprikagemüse dagegen war sehr aromatisch und gut abgeschmeckt.

Mein Wolfsbarsch zeichnete sich vor allem dadurch aus eine grosse Portion zu sein – zwei „Filets“ kamen mit Haut und in Eihülle ausgebacken auf einem riesigen Bett aus Tagliatelle. Der Fisch selbst war so gut wie nicht gewürzt, die teilweise labbrige Haut habe ich unter der annehmbaren Hülle herausgefieselt und beiseite gelegt. Das hatte etwas von Krankenkost und war schade um den schönen Fisch. Den Eindruck von Schonkost erweckten auch die nahezu matschig-weichen Tagliatelle, die die „Zitronensosse“ – eine blässlich dünne helle Sauce Marke Fertigware, in die jemand offenbar uninspiriert etwas Zitronensaft gerührt hatte und die ansonsten bar jeglichen Aromas war – komplett aufgesogen hatten. Da rettete auch das Untermischen relativ bitterer Rucolablättchen den Geschmack nicht mehr.

Der Gang durchs Haus zu den sanitären Anlagen zeigte mir dann, dass man hier offenbar hauptsächlich von Großaufträgen lebt – ein „Festsaal“ und ein Infoblättchen zu allerlei Event-Specials machten das mehr als deutlich, kein Wunder dass es auch einen Zugang zum Busparkplatz nebenan gibt.

Auf dem Weg nach draussen hielten wir noch kurz in der Weinhandlung, um unsere Parkmünze zu holen, und ich betrachtete das Weinangebot. Während im Bereich deutscher Winzer (immerhin) eine schöne Auswahl vorhanden war, und auch mal jenseits der bekannten Namen, prangte im direkt am Eingang platzierten Übersee/Australien-Regal nur altbekanntes von Yalumba bis Oxford Landing, und auch von denen nur die Standards.

Summa summarum: um ein Glas Wein zu trinken – die Karte der offenen Weine ist sehr solide und im Bereich Rotweine hat man eine sehr grosse Auswahl – ist man hier richtig, ebenso für ein Stöbern in der zum Teil gut sortierten Weinhandlung. Essen würde ich im Weinhaus Krömer jedoch nicht nochmal.

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