Ein Foodie in Singapur, Teil 2

Dieser Artikel wurde zuletzt am 28. August 2015 aktualisiert

singapore

Unser zweiter Tag in Singapur war der volle Kontrast zum ersten – während wir gestern verschlafen haben, sind wir heute früh aus den Laken gekrabbelt, während wir gestern in Chinatown frühstückten, haben wir uns heute das Hotelfrühstück gegeben – ein grauslig schlechtes englisches Frühstück der Sorte einmal und nie wieder. Während gestern um 9.30 Uhr die Temperaturen erträglich waren, war es heute bereits um 8 extrem schwülheiß, wohl auch durch den Regen der letzten Nacht – und im Gegensatz zum Vortag haben wir heute weniger Asphalt unter den Füssen gehabt und mehr Sand…

Sentosa

Der Weg führte uns nämlich nach Sentosa Island, einer Singapur vorgelagerten Insel, die man als grünen Freizeitpark bezeichnen könnte. Wir wollten vor allem in die Underwater Seaworld, ein Aquarium mit einem 83 Meter langen Tunnel in dem man von wirklich riesigen Fischen und Rochen und anderlei Flossenträgern umschwommen wird.

Dieser Bursche hier stand also nicht auf unserem Speiseplan 🙂

Jellyfish

Überhaupt dauerte es recht lang bis sich angesichts des schwer ackernden Kreislaufs Appetit einstellte, statt dessen tranken wir mal wieder eiskalten Grüntee und zum ersten Mal Chrysanthementee. Etwas stark gesüsst, aber nicht übel. Chrysanthementee kriegt man nicht nur in Flaschen in Supermärkten sondern auch oft frisch gebrüht an den chinesischen Kräuterapotheken, die so allerlei Kräutlein und andere Zutat für traditionelle Heilkunde verkaufen.

Auf Sentosa, wo es auch Musicalshows, eine den Berghang hinabführende Mattenrodelbahn und allerlei anderes familiengerechtes Entertainment gibt, die Hauptattraktion allerdings der Blick auf die Strasse von Melakka, der Strand und die grüne Natur sind, sollte eine Portion Chicken Rice im Selfservice dann das 4fache des Hawker-Preises kosten, worauf wir verzichteten und stattdessen ein Grüntee-Eis mit roten Bohnen, Typ Snowcone, kosteten.

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Gar nicht übel. Hätte aber gern mehr nach Tee schmecken dürfen.

Am Nachmittag, nach einigen recht erholsamen Stunden auf Sentosa, bei denen ich auch die Gelegenheit nutzte, zumindest schon mal meine Füsse die Bekanntschaft mit dem Indischen Ozean erneuern zu lassen, machten wir uns auf zu einem der Shoppingcenter in der Nähe der Orchard Road, mit dem Namen Plaza Singapura. Interessiert hatte mich hier vor allem ein Daiso, eine japanische 1-Euro-Laden-Kette, die tonnenweise Haushalts- und Dekoramsch verkauft, darunter auch Bentozubehör. Tatsächlich gab es einige Fläschchen, Döschen, Cutter, Ausstecher, Mini-Silikonformen die mich gereizt hätten, an Bentos allerdings nur sehr kleine und super kitschige Kleinkind-Bentodöschen, so dass ich vom Shoppingwahn absah – auch weil ich das alles entweder per Post schicken oder noch 2 1/2 Wochen mit mir rumschleppen müsste…

Im Kopi Tiam im Center machten wir uns dann daran etwas gegen den knurrenden Magen zu unternehmen, mit Crispy Duck Noodles. Crispy sind hier die Nudeln, nicht die Ente, und saugen sich dann mit der Sauce voll, dazu gab eine Schüssel leicht säuerliche intensive Entenbrühe. Sehr gut.

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Dann nahmen wir wieder einmal den Fussweg zum Mount Emily, auf welchem das Hostel liegt in dem wir untergebracht sind.

Zum Abendessen beschlossen wir noch einmal nach Chinatown zu fahren. Überhaupt ist mein Fazit für einen nächsten Singapur-Trip: unbedingt Hotel in Chinatown buchen – dann kann man abends viel einfacher um die Ecke in den Hawker Centers und Restaurants schlemmen gehen 🙂

An der Maxwell Road probierten wir zunächst Sweet Potato Balls, süsse frittierte Teigbälle aus Süsskartoffelteig, mit Erdnussfülle, pur, mit süsser Bohnenpaste und mit Pandan/Kokosfüllung – die letzteren fanden wir besonders genial.

Dann drehten wir noch eine Runde durch den Chinatown Complex – hier der Blick nach draussen:

Chinatown Complex, 2008

An einem Stand mit diesem Display hielten wir an:

homemade noodles

Ich wollte eigentlich Wantan, aber Wantan waren alle. Torsten wolle Beef Noodles, und ich liebäugelte einen Moment mit Szechuan Noodles, die viele Leute assen und sehr gut aussahen. Dann sah ich, wie der Inhaber seine Nudeln selbst machte – und mit geschickten Fingern wunderbare winzige Teigtäschchen für den Steamer zunächst aus dem grossen Teigblob ausrollte, dann mit Schweinefleischfülle zusammendrehte… das musste einfach gut sein. Und so bestellte ich „Steamed Mini Buns“ – der Name ist eigentlich irreführend, es ist kein Dampfbrötchen sondern eine Nudelteigtasche, und was für eine!

making noodles

Torsten war mit seiner Nudelsuppe mehr als happy, und auch meine Dumplings waren jede Sekunde des Wartens wert (und es war begeisternd dem Inhaber beim Nudeln machen zuzusehen). Dazu gabs in viel Reisessig mit wenig Sojasauce marinierten frischen geraspelten Ingwer. Simpel, und ein Gedicht.

noodles, fresh cane juice

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Als Extra (oben neben den Noodles zu sehen) haben wir frischen Zuckerrohrsaft getrunken – frische Zuckerrohrstengel wurden vor meinen Augen zweimal durch eine altertümliche Maschine gedengelt ehe der gar nicht so süsse und mit Eis höchst erfrischende Saft dicklich-grün in den Becher floss.

Das war ein sehr schöner Abschluss für diesen Abschnitt der Reise – ab morgen gibt es malaysische Küche 🙂

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

7 Antworten

  1. lavaterra sagt:

    Viele schöne Erinnerungen werden mit diesen anschaulichen Reiseberichten geweckt. Vielen Dank für’s MItnehmen und weiterhin eine schöne Zeit.

  2. rike sagt:

    Da wünsche ich Euch noch viele tolle Impressionen und kulinarische Entdeckungen! Das klingt ja alles superspannend. Da würde ich auch gerne mal hin!!

  3. markus sagt:

    Wahnsinnig schöne Eindrücke.. weiterhin viel Spaß!

  4. Barbara sagt:

    Bei den knapp über 0 Grad hier bei ständigem Nieselregen lesen sich solche Berichte doppelt so schön, danke dafür! 🙂

    Ich habe ähnliche Erinnerungen, lustigerweise auch diese Quallenfotos… 😉

    Diese kleinen Teigtäschchen liebe ich!!!

  5. FoodFreak sagt:

    ich sitze gerade hier http://www.cheongfatttzemansion.com/ – sehr zu empfehlen – nachdem ich vorhin Tandoori Chicken in Little India gegessen und eben noch an einem Guang Zhou Barbecue Stall allerlei Spiesschen verschlungen hab… 🙂 und neben mir steht ein Beutel geeister Teh Tarik nebst Strohhalm.

  6. Jutta sagt:

    Zu schön, so ein aufschlussreicher Bericht und er macht so richtig Lust, sich mit dieser Küche näher zu beschäftigen. Ich hoffe, es geht euch gut.

  7. Airportibo sagt:

    Das ist ja ein Zufall! Ich bin gerade in Singapur und werde die nächsten Tage nutzen auf Euren kulinarischen Spuren zu wandeln. Das sieht ja alles ganz schmackhaft aus. Da habe ich in Taiwan ein paar originelle Rezepte entdeckt. Ich sage nur „Essen Extrem„!
    Viele Grüße
    Airportibo

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