Ein Foodie in Singapur, Teil 1

Dieser Artikel wurde zuletzt am 28. August 2015 aktualisiert

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Unser erster Tag in Singapur war voller Überraschungen. Nicht nur, dass wir die Frühstückszeit in unserem Hotel völlig verpennt haben – kein Wunder nach der langen und anstrengenden Anreise – auch sonst ist Singapur nicht so wie wir uns das vorgestellt haben, aber durchaus im positiven Sinn. Erwartet allerdings hatten wir von Anfang an gutes und günstiges Essen, vor allem in den Hawker Centres oder food centers, kleinen oder auch grösseren überdachten Märkten, in denen kleine Buden manchmal nur ein Gericht, oft aber auch eine Handvoll Gerichte offerieren, und man an Gemeinschaftstischen mit den Gästen des gesamten Marktes speist.

Nach einem kurzen Bummel durch Chinatown stiessen wir eher zufällig als gezielt auf das Maxwell Road Food Center, das seit 2001 existiert. Um 10 Uhr morgens hatten viele Stände geschlossen – aber auch eine Menge der rund 100 Buden hatten auf. Wir sahen uns um und beschlossen an einem der Stände mit der längsten Warteschlange zu essen – eine gute Wahl.

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Das nenne ich doch mal ein Frühstück!

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An diesem Stand haben wir das Essen (für 3 Singapur-Dollar, also je 1,50 Euro die Portion) gekauft.

Und hier haben wir mit Blick nach draussen gegessen, aber auch im Inneren des Marktes gibt es noch viel mehr Buden – und Sitzplätze.

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Unterwegs auf einem am Ende mehr als ausgedehnten Stadtbummel – der GPS-Track zeigte 24 km, und abends waren wir nochmal zu Fuss unterwegs – haben wir unseren Flüssigkeitsbedarf mit kaltem Grüntee gedeckt, wie wir das auch schon aus Thailand kannten, als Versorgungsquelle dienen kleine 7/11 Läden oder Lebensmittelmärkte, aber auch Buden an der Strasse verkaufen kalte Getränke. Den ersten Kaffee des Tages gab’s dann hier.

Lau Pa Sat

Lau Pa Sat ist ein Food Center in einer alten Markthalle aus viktorianischer Zeit. Die Location ist sehr schön liegt aber mitten im Business District, umrundet von Wolkenkratzern des Finanzgeschäfts, und so ist hier alles ein wenig teurer und einheitlicher und auch touristischer. Meinen grossen Becher Ais Kopi, starken Instantkaffee, mit gezuckerter Kondensmilch auf obszön viel Eiswürfeln – sehr erfrischend und bleibt auch bei mittlerweile 30 Grad Aussentemperatur kalt – habe ich dennoch hier für etwa 75 Eurocent erworben. Ich hätte das Ganze natürlich auch bei Starbucks habn können… für den 4-5fachen Preis.

Singapur ist eine Stadt des Essens, Essen gehen wird hier ernst genommen, wie nicht nur die grosse Zahl an Foodblogs zeigt, die sich vor allem mit der gastronomischen Szene befasen. Auch ein Blick in die Food Centers oder Food Courts, die hier meist unterirdisch unter Bürohochhäusern oder in ebenso unterirdischen Malls versteckt sind, offeriert eine berückende Bandbreite von Essen, vor allem quer durch Asien, aber auch mit europäischen Einschlägen. Und die Supermärkte sind ein Foodie-Traum. In einem Center gab’s auch einen auf japanischen Süßkram spezialisierten Store… Die Preise sind bei der hier ansässigen Gastronomie allerdings auch merklich höher, schliesslich gilt es hier richtige Ladenmieten und auch mehr Personal zu bezahlen, ein Mittagessen kostet 8-16 S$ – immer noch günstig, und mit Klimaanlage und meist auch hochmodernen Toiletten ausgestattet (wenn auch keineswegs überall).

Wait to be seated ist Standard, und wie alles in Singapur läuft auch das ruhig und stressfrei und ohne laute Töne ab, da wird in der Warteschlange bereits mit dem Servicepersonal per wedelnden Fingern abgeklärt wer mit wieviel Leuten kommt, und alles geht einen flüssigen Gang, sehr angenehm. Allerdings lockte uns doch mehr das Hawker Food.

Die grösste Herausforderung ist angesichts des tropischen Klimas genug zu trinken – und sich nicht zu überhitzen, ein Spaziergang durch die klimatisierten Malls ist schon deswegen immer wieder eine gute Wahl. Fast schade, dass man bei der Wärme die riesige Vielfalt an Leckereien gar nicht so richtig hungrig zu schätzen weiss.

In einem „temporary market“ in der Nähe der MRT-Station Bugis spazierten wir durch einen Teil des Marktes, in dem trockene Zutaten verkauft wurden – das hiess neben Krupuk, getrockneten Pilzen und Früchten vor allem Fisch, Shrimps, Meeresfrüchte – säckeweise und grammweise kann man hier ikan bilis und andere winzige getrocknete Fischchen und Garnelchen kaufen.

Einen richtigen wet market mit Obst und Gemüse haben wir gestern (es ist Ortszeit 4 Uhr irgendwas während ich das tippe) keinen gefunden, immer wieder verrieten aber Strassenstände mit Durian geruchlich ihre Nähe. Die MRT-Stationen tragen auf der Liste der Logos für Verbotenes auch eins für Durian… ich finde den Geruch nicht unangenehm, aber er ist schon sehr streng und eigen – ich denke auf unserer Reise werde ich noch Gelegenheit haben diese Frucht zu kosten.

Vorbei kamen wir auch am Boat Quay, sozusagen der Tourimeile Nr. 1 in Singapur.

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Hier gibt es echte britische Küche, italienisches oder Thai Fine Dining, und immer wieder Chili Crab oder Seafood zu Preisen, wie man sie zwar nicht in europäischen Restaurants bezahlen würde, aber doch für lokale Verhältnisse arg teuer – und mit teils ungewohnt aufdringlichen Anwerbern vor der Tür. Natürlich hat man hier einen tollen Blick aber… eine Margarita für 5 Euro, mittags um 12? Ich würde tot umfallen… und dermassen touri würde ich aus Prinzip schon nicht essen gehen.

Am Ende unserer spontanen und schönen (und langen) Sightseeingrunde kamen wir (wieder) in Little India an, wo momentan alles wegen Deepavali bunt dekoriert ist, Little India ist der totale Kontrast zum Rest von Singapur – wo die City sich beinahe europäisch und zurückhaltend und geordnet gibt, brummt und tobt hier das Leben und explodiert in Farben und Gerüchen. Aber nach indischem Essen stand mir so gar nicht der Sinn, und so nahmen wir die MRT 3 Stationen in die Stadt nach Chinatown, wo wir im Chinatown Complex ein Nachmittagsessen einnahmen:

Roast Pork, char siew

An Char Siew könnte ich mich überfressen… mit auf dem Teller befand sich hier auch noch roast pork, das saftig-knusprig wie gebratene Ente schmeckte.

Das Nationalgericht, Chicken Rice (und dazu süße dicke Sojasauce und selbstgemachtes Chili-Knoblauch-Sambal) habe ich selbst schon besser zubereitet, aber morgen ist ja auch noch ein Tag für eine Portion Hainanese Chicken Rice. Zu den Self-service Optionen gehört bei Chicken Rice übrigens auch konzentrierte Hühnerbrühe (zum Nachfeuchten des Reises) und an den Nudelständen meist eingelegte Jalapeno in Ringen.

Interessant sind auch die Rice Porridge Buden, an denen es zur Reisportion alles dazu gibt auf das man mit dem Finger durch die Auslagen des Fensters zeigt und dann wohl nach Zahl der Items abgerechnet wird.

rice porridge stall

Nach der abendlichen Dusche und Abkühlungsphase schliesslich tappten wir zu einem Kopi Tiam in der relativen Nähe unseres Hotels. Kopi Tiam, oder Coffee Shop, ist die lokale Bezeichnung für eine Art Hawker Food auf Restaurantfläche – gleiches Prinzip: mehrere Stände mit unterschiedlichem Essen, ein gemeinsamer Sitzplatz, oft auch klimatisiert.

Torsten entschied sich für eine Meatball Soup, ich habe Braised Duck Rice geordert.

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Leider war die Suppe nicht so genial lecker wie die intensive chinesische Brühe der Nudelsuppe am Morgen. In der Brühe befanden sich noch Röstzwiebeln, die ein feines Aroma abgaben, und (verzichtbarer) Tofu. Die Ente war weich und saftig und sehr lecker, das (want chili?) zugegebene Sambal schmeckte mehr süss als scharf, der Reis war viel zu trocken.

Für Laksa und Nasi Lemak habe ich in Malaysia noch Zeit – ich geniesse es gerade in chinesischer Küche zu schwelgen und bin gespannt wo mich der Hunger morgen hintreibt, aber auch koreanisches und japanisches Essen (Mochi Icecream, Takoyaki) könnte mich locken. Ich freue mich schon auf Tag 2 in Singapur!

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

9 Antworten

  1. Knutsen sagt:

    Hach ja, das sieht alles sehr schmackhaft aus. Ich beneide Euch beide. 🙂

  2. Barbara sagt:

    Singapur ist eine meiner Lieblingsstädte überhaupt – einfach genial in vieler Hinsicht. Ich bin jetzt da gesessen, habe die Fotos und Deinen Bericht genossen und mich an Besuche dort erinnert – mit wirklich originalem und göttlichem Essen!

    Viel Spaß weiterhin und gute Reise! 🙂

  3. Petra sagt:

    Sozusagen Live-Berichterstattung – super, mehr davon!

  4. rosa sagt:

    Lecker, lecker, lecker! In Asien gibt’s einfach das bessere Essen, ich muss da unbedingt auch mal wieder hin (bis dahin hoffe ich darauf, dass in München mal mehr anständige und authentische Imbisse aufmachen).

  5. Jutta sagt:

    Ich will weg! Bin gespannt, wie es weiter geht. Gute Reise!!

  1. 18. April 2010

    […] Art und seine Lebensmittelvorlieben noch etwas mehr zu schätzen gelernt habe, und sogar in Singapur auf seinen Spuren wandelte). Schon seit der recht schrägen “Autobiografie” Geständnisse eines […]

  2. 13. September 2010

    […] Sprossen verleihen dem Ganzen Flair. Für europäische Verhältnisse ist das ganz okay, aber in den Hawker Centers in Südostasien habe ich sowas sehr oft sehr viel besser gegessen (und für einen Bruchteil des Preises, […]

  3. 5. September 2013

    […] mehreren Touren in Asien haben wir uns durch die Straßenküchen gefuttert, und auch viele Gerichte lieben gelernt, die ich heute koche – eins davon folgt gleich. Dabei […]

  4. 19. Januar 2015

    […] welches meine liebsten Artikel in diesem Blog sind, lande ich bei erzählten Geschichten: von zwei Foodies in Singapur, einem Besuch im Westland, bei den holländischen Gemüseproduzenten, in den […]

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