Rach vs. Ramsay

Dieser Artikel wurde zuletzt am 22. Juni 2014 aktualisiert

Eigentlich, hatte ich mir vorgenommen, lasse ich das Thema Rach und RTL einfach irgendwie unter den Tisch fallen – mit Tach der TV-Tester (hat tip to Herr Paulsen) ist das Wesentliche dazu im Grunde gesagt.

Als ich dann aber gestern semikomatös nach einem anstrengenden Wochenende auf dem Sofa rumlümmelte, noch RTL im Hintergrund dudelte weil ich irgendwann mittags das Singapur-Rennen der Formel 1 geschaut hatte, und an nix Böses dachte, lief eine weitere Folge von Rach, der Restaurant-Tester, und ich beschloss, dann doch noch meinen Hausmachersenf dazu abzugeben.

Ich schaue ab und an mit Spaß an der Freud‘ Gordon Ramsay zu, wie er bei Kitchen Nightmares maroden Betrieben den nötigen Tritt in den Hintern gibt um wieder auf die Füße zu kommen, und was daran immer auffällt ist, mit wie viel Engagement und persönlichem Einsatz Ramsay an die Sache herangeht. Ja, er ist nicht so still, hanseatisch höflich und zurückhaltend wie Mr. Tafelhaus, aber was Ramsay von Rach vor allem unterscheidet, ist die Bereitschaft, sich tatsächlich einzulassen und die Hände schmutzig zu machen.

Wo ein Dreisterne-Koch Ramsay die Kochjacke anzieht, sich knietief in den Schmodder begibt und auch die Nacht durch Küche mitschrubbt, steht Rach hemdsärmelig daneben und bedeutet mal, wo das Fußvolk doch bitte saubermachen solle. Wo Ramsay zetert und deutliche Worte spricht, wenn nötig, tut Rach beleidigt, weil nicht jeder gleich seine milden Anregungen als Gotteswort nimmt und sich alles von alleine regelt. Wo Ramsay sich einen kompletten Dinner Service ansieht und erst danach den Relaunch startet, setzt sich Christian Rach mal wohlgepflegt an den Tisch, findet das alles ja gar nicht so gut, trägt brav ein paar gestelzte Sätze über Service vor, und erwartet dass Publikum und Gastronomen gleichermassen nun glauben, damit sei die Krise eines ansonsten darniederliegenden Betriebes zu beseitigen. Die nötige Motivation muss beim Herrn Restaurant-„Tester“ der beratene Kunde schon von alleine aufbringen, dafür ist er nicht zuständig.

Am ganz ähnlich gelagerten Format „Die Kochprofis“ nervt ja schon, dass die Profis selten mal richtig auf den Tisch hauen, und meist nur 3 Tage investieren, während El Gordo den Problemen meist sehr genau auf den Grund geht, aber Zacherl, Kotaska, Baudrexel und Marquard bringen den von ihnen besuchten wenigstens noch was bei und auch die Liebe zum Kochen zurück – was Rach dagegen abliefert ist einfach nur armselig. Dass er für so einen Müll dieses Jahr auch noch eine Goldene Kamera für ein besonders gelungenes (lausig kopiertes) Format erhalten hat, sagt wohl alles über die deutsche Fernsehlandschaft.

Lieber Christian Rach, bitte geh wieder an den Herd. Da bist Du ein echter Könner – und das Tafelhaus würde vielleicht auch nächste Saison vom Feinschmecker wieder mit mehr Punkten versehen…

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Appetit bekommen? - Hungry for more?

7 Antworten

  1. NekoChan sagt:

    Ich schaue sowohl Rachs Sendung als auch Kitchen Nightmares relativ regelmäßig. (Wobei ich von vornherein sagen muss, dass ich Ramsey’s Kitchen Nightmares – also das britische Original – viel, viel besser fand, als den billigen Fox-Abklatsch Kitchen Nightmares. Beim Original lag der Fokus noch beim Essen und der Verbesserung des Restaurants. Die Fox-Version ist nur noch eine Reality-Soap-Show, in der das Drama, das sich zwischen den Angestellten abspielt, im Vordergrund steht.)

    Ich finde, Rach passt schon recht gut zu den Leuten, denen er hilft. Die meisten von denen haben ja nicht das Ziel, ein erfolgreiches Sternerestaurant zu leiten, sondern wollen einfach nur ihren Lebensunterhalt mit ihrem kleinen Biergarten oder ähnlichem verdienen. Diesen Leuten bringt Rach eben die „Basics“ bei.
    Wenn da einer wie Ramsey käme und denen Sachen wie „This tastes like a cow’s backside, you f*cking donkey“ an den Kopf werfen würde, wäre das wohl etwas zuviel des Guten.
    Dass die Betreiber die nötige Motivation selber mitbringen müssen, finde ich allerdings selbstverständlich. Wie soll der Betrieb denn sonst laufen?

    Ramsey besucht in seiner Sendung eher „richtige“ Restaurants, die auch wirklich als solche erfolgreich sein wollen. Er kniet sich da richtig rein, weil die Restaurantbetreiber selber ein weit höher gestecktes Ziel haben, als die typischen Kneipenbesitzer, denen Rach helfen soll. (Ich habe allerdings noch keine Folge gesehen, in der Ramsey selber einen Schrubber in die Hand genommen hat.)

    Long story short: Ich finde sowohl Rach als auch Ramsey gut. Beide passen zu ihrem jeweiligen Klientel und sind auf ihre Art recht unterhaltsam.

  2. Birgit sagt:

    Ich kann dem nur zustimmen. Gordon Ramsay scheut sich noch nicht einmal davor in Paris vegetarisch zu kochen 😉
    Die Deutschen haben es echt verloren eigenes zu starten, es wird leider nur noch billig abgekupfert.
    LG
    Birgit

  3. Claudia sagt:

    Ich kenne Rachs Sendung nicht, habe aber die britischen Kitchen Nightmares auf DVD gesehen. Da ging es heftig zur Sache.

    @NekoChan: In den Nightmares ging es nicht darum aus miserablen Kaschemmen Gourmettempel zu machen. Da wurde einem ambitionierten Koch schon mal erklärt, dass er für solche Spielereien nicht die Klientel hat und doch bitte bodenständiger kochen solle. Ich erinnere mich auch an eine Folge, in der einem Gasthof geraten wurde, sonntagmittags Brathähnchen anzubieten.

    Dass Rach eine schwache Sendug haben soll, bekam ich schon von verschiedenen Seiten zu hören …

    Danke für den Vergleich!

  4. Michael sagt:

    ich habe eben mal Ramsay gesehn auf DMAX in seiner Sendung Hells Kitchen und fand es ziemlich krass wie er Gäste behandelt. Da waren Gäste die mussten eine Stunde auf ihr Essen warten und sind dann zu Ramsay um zu fragen wo das Essen bleibt. Er fing dann an denen zu sagen sie sollen die Klappe halten und verschwinden. So geht man nich mit Gästen um. Die Gäste haben dann auch das Restaurant verlassen, völlig verständlich ich hätte es auch getan. Das war dann ganz allein die Schuld von Ramsay und nicht die seiner Köche wie er meinte. Man müsste ihm für so ein Verhalten sämtliche Auszeichnungen aberkennen. Der Kunde ist König das gilt auch für die Restaurantbranche, das sollte ihm vielleicht mal jemand sagen.
    Rach ist da um längen humaner. Er fängt nich an Köche und Gäste zu beleidigen. Er bezeichnete das gekochte nicht als Sch***** wenn es nicht so aussieht wie er es gern hätte. Sowas macht nur dieser Ramsay für den das Wort Menschenwürde ein Fremdwort zu sein scheint. Man kann auch kritisieren ohne zu beleidigen.

  5. Foodfreak sagt:

    Hell’s Kitchen ist aber nicht wovon ich rede. Hell’s Kitchen ist eine Castingshow, _kein_ Restaurant. Wer dort als Test-„Gast“ geladen ist weiss was ihn erwartet und bezahlt sicher auch nicht für irgendwas.

    Die Vergleichssendung von Ramsay zu Rach wäre Kitchen Nightmares, und das letzte was Du dort jemals sehen wirst ist dass ein Gast schlecht behandelt wird.

  6. Michael sagt:

    ja gut aber rufschädigend ist so ein Verhalten für Ramsey allemal. Nur weil das eine andere Form von Kochen im TV ist sollte man sich nich so benehmen. Als Beispiel: ich selber kenne ihn jetzt nur aus der Sendung und sein Verhalten da und hatte jetzt daraus die Schlussfolgerung für mich gezogen das ich nie in einem seiner Restaurants essen würde. Ich hätte mir jetzt nicht die Mühe gemacht noch andere Sendungen von ihm anzuschauen nur um zu sehn ob er da vielleicht netter ist. Ich bin sicher das geht auch vielen anderen so. Ich denke das ist ihm nicht bewusst.

  7. Foodfreak sagt:

    Ich glaube kaum dass die Leute die Hell’s Kitchen schauen seine Klientel sind, um ehrlich zu sein. Gordon Ramsay hat 18 Restaurants, und 14 Michelin-Sterne mit diesen Restaurants, darunter seit 1998 drei Sterne im „Gordon Ramsay“ in Chelsea. Ich würde übrigens, so ich es mir leisten könnte, jederzeit bei ihm essen. Im Gegensatz zu Herrn Rach (ich empfehle einen Blick auf http://is.gd/pSyA ) hält er sich nämlich an seine eigenen Standards.

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